Nobelpreis gegen sexuelle Gewalt

Nadia Murad, Trägerin des Friedensnobelpreises 2018. [EPA-EFE/FRANZISKA KRAUFMANN]

Der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Jesidin Nadia Murad werden für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt gegenüber Frauen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Beide hätten dazu beigetragen, die Aufmerksamkeit der Welt auf sexuelle Gewalt als Kriegswaffe zu lenken, begründete das norwegische Nobelkomitee seine Entscheidung.

Mukwege habe sein Leben den Opfern sexueller Gewalt gewidmet, erklärte das Nobelkomitee. In seinem Krankenhaus in der ostkongolesischen Stadt Bukavu werden jedes Jahr Tausende Frauen behandelt, von denen viele als Opfer solcher Gewalt operiert werden müssen. Auch nach Ende des Kriegs 2003 kommt es in dem afrikanischen Land weiterhin zu Gewalttaten gegen Zivilisten, insbesondere von Milizen. Der Preisträger habe sich immer wieder gegen die Straffreiheit bei Massenvergewaltigungen eingesetzt und sowohl der eigenen als auch anderen Regierungen vorgeworfen, nicht genug gegen Gewalt gegen Frauen im Krieg zu unternehmen, erklärte das Nobelkomitee. „Er hat sein Leben riskiert, um Frauen dabei zu helfen, Gräueltaten zu überleben“, sagte der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith.

Den Arzt erreichte die Nachricht nach eigenen Worten während einer Operation. Von Vergewaltigung und sexueller Gewalt seien nicht nur die Frauen im Kongo betroffen, sondern auch die in vielen anderen Ländern, sagte er vor Journalisten in seinem Krankenhaus.

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Die Jesiden Murad habe sich dem Sozialkodex widersetzt, demzufolge Frauen aus Scham über den erlittenen Missbrauch zu schweigen hätten, heißt es in der Begründung des Komitees. Sie habe ungewöhnlichen Mut bewiesen, über ihr Leiden zu berichten und anderen Opfern eine Stimme zu geben. Murad war 21 Jahre alt, als IS-Extremisten ihr Dorf im Nordirak überfielen. Sie töteten alle, die nicht zum Islam konvertieren wollten, darunter auch sechs ihrer Brüder und ihre Mutter. Mit vielen anderen jungen Frauen wurde sie von IS-Kämpfern verkauft und vergewaltigt. Mit Hilfe einer sunnitischen Familie entkam sie ihren Peinigern und setzt sich seither für die Rechte ihrer Bevölkerungsgruppe ein. In einem Buch berichtete sie 2017 über ihr Martyrium.

Murad erklärte, sie fühle sich „unglaublich geehrt“. Sie teile den Preis „mit allen Jesiden, mit allen Irakern, Kurden und all den Minderheiten und allen Überlebenden sexueller Gewalt in der ganzen Welt”.

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet erklärte, es gebe wohl kaum zwei Menschen, die des Friedensnobelpreises würdiger seien als Murad und Mukwege: „Wir brauchen mehr Menschen, die wie Sie für die Rechte von Frauen aufstehen, für die Gerechtigkeit, für die Rechte von Minderheiten und die Rechte eines jeden.“

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In diesem Jahr ist die sexuelle Gewalt gegenüber Frauen wiederholt in den Fokus der Weltöffentlichkeit geraten. Auf die Frage, ob die #metoo-Bewegung eine Rolle bei der Preisentscheidung gespielt habe, sagte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen: „Metoo und Kriegsverbrechen sind nicht ganz dasselbe. Aber ihnen ist gemeinsam, dass es um das Leiden von Frauen geht, den Missbrauch von Frauen und dass es wichtig ist, dass Frauen das Konzept der Scham hinter sich lassen und den Mund aufmachen.“

Der Preis wird am 10. Dezember in Oslo übergeben, am Jahrestag des Todes von Preisgründer Alfred Nobel.

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