Offiziell haben sich alle zehn neuen Mitgliedstaaten für mehr Arbeitnehmermobilität innerhalb der EU ausgesprochen. Wenn man aber genauer hinsieht, ergibt sich ein wesentlich komplexeres Bild.
Tschechische Republik: Laut einer Umfrage des tschechischen Forschungsinstitutes für Arbeitsmarkt und soziale Angelegenheiten (Výzkumný ústav práce a sociálních vecí) zwischen 2000 und 2003 gaben 15,4 % der Befragten im arbeitsfähigen Alter an, dass sie bereit wären, im Ausland zu arbeiten. Die beliebtesten Zielländer waren Großbritannien und Irland (37,6 %), Deutschland (32,1 %) und Österreich (14,7). Genaue Zahlen dazu, wie viele Arbeitnehmer im Ausland beschäftigt sind, liegen jedoch nicht vor. Im Allgemeinen geht man aber davon aus, dass letztlich wesentlich weniger Menschen in ein anderes Land gehen, als dazu prinzipiell bereit sind. Eine 2001 durchgeführte Volkszählung ergab, dass etwa 25.000 der tschechischen Arbeitnehmer in einem anderen EU-Land gearbeitet haben. Man geht davon aus, dass sich diese Zahl seit dem Beitritt der Tschechischen Republik nur unwesentlich verändert hat.
Außerdem ging aus der Volkszählung hervor, dass 42 % der Tschechen zwischen Deutschland und Tschechien pendeln. Für Österreich lag diese Zahl bei 32 %.
Ungarn: Die Bereitschaft der Ungarn, im Ausland zu arbeiten, hat sich seit dem Beitritt ebenfalls nicht verändert. Gerade mal 1 – 2 % arbeiten im Ausland. Auf eine Frage von EURACTIV.hu gab das ungarische Arbeitsministerium an, dass zurzeit etwa 50.000 bis 60.000 ungarische Arbeitnehmer im Ausland beschäftigt seien. Trotz aller Zugangsbeschränkungen zu den Arbeitsmärkten der EU-15 für die Arbeitnehmer aus MOE sind Deutschland und Österreich bei den Ungarn die beliebtesten Zielländer. Mittlerweile wird aber auch Großbritannien immer beliebter.
Über den grenzüberschreitenden Pendlerverkehr in die Nachbarländer liegen nur Schätzungen vor, allerdings sind diese Zahlen so gering, dass sie sich auf den Arbeitsmarkt nicht negativ auswirken. Ungarn selbst hat mit einer hohen Anzahl illegaler Arbeiter, insbesondere aus Rumänien, zu kämpfen sowie mit der Tatsache, dass viele Slowaken, die bereit sind, für einen geringeren Lohn zu arbeiten, in Nordungarn Arbeit suchen.
Polen: Unterschiedlichen Angaben zufolge haben bereits 500.000 bis zwei Millionen Polen das Land verlassen um bessere Arbeitsmöglichkeiten in einem anderen Land zu finden. Exakte statistische Angaben liegen nicht vor, da das polnische Statistikamt (GUS), die polnische Nationalbank und das Arbeits- und Sozialministerium erst kürzlich eine Arbeitsgruppe gebildet haben, welche die Entwicklung der Arbeitnehmermobilität analysieren soll.
Grenzüberschreitende Mobilität zu den benachbarten neuen EU-Mitgliedstaaten wird immer beliebter. Dennoch sind die Zahlen bisher relativ gering. In der Slowakei arbeiten legal ungefähr 1.500 Polen; in Tschechen beläuft sich diese Zahl auf 13.000. In Deutschland sieht die Lage anders aus. Viele der Arbeitnehmer sind illegal beschäftigt, wodurch eine Schätzung der Zahl der im EU-Ausland arbeitenden Polen nahezu unmöglich ist. Dieses Problem besteht schon seit vielen Jahren und kann daher nicht mit dem EU-Beitritt in Verbindung gebracht werden.
Slowakei: Laut offiziellen Angaben arbeiten 170.000 bis 200.000 Slowaken im Ausland – überwiegend in Tschechien, Ungarn, Großbritannien und Irland. Länder wie Deutschland oder Italien sind für Saisonarbeit in der Landwirtschaft und Tourismusbranche interessant.
Seit dem EU-Beitritt ist die Anzahl der Slowaken, welche ins EU-Ausland pendeln, um dort zu arbeiten, gestiegen. Fast 6.000 Arbeitnehmer pendeln täglich nach Ungarn. Ungefähr 70.000 Slowaken arbeiten in Tschechien – ca. ein Viertel pendelt. Die Möglichkeiten, in Österreich zu arbeiten, sind aufgrund der Beschränkungen der Arbeitnehmermobilität begrenzt.

