Nein zur Homo-Ehe

Der Bundestag entscheiet am Freitagmorgen über die "Ehe für alle". [Foto: dpa.]

Mit einer überwältigenden Mehrheit stimmten die Kroaten dafür, die Ehe als „Zusammenschluss zwischen Mann und Frau“ in der Verfassung zu verankern. Damit ist die Homo-Ehe in dem neuen EU-Mitgliedsstaat vorerst vom Tisch.

Die kroatischen Bürger haben eindeutig Stellung bezogen: In einem Referendum am gestrigen Sonntag stimmten knapp 66 Prozent für eine Verfassungsänderung, wonach eine Ehe nur zwischen "einem Mann und einer Frau" eingegangen werden kann. Nur 33 Prozent stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 37 Prozent einen neuen Tiefstand.

Die Initiative für die Abstimmung kam von der katholischen Organisation "Im Namen der Familie". Zuvor hatte sie gemeinsam mit anderen konservativen Gruppen 700.000 Unterschriften für die Volksabstimmung gesammelt. Unterstützung bekam sie von der katholischen Kirche, der fast 90 Prozent der rund 4,2 Millionen Kroaten angehören.

Das erklärte Ziel des Referendums: die Ehe als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau in der Verfassung zu verankern. So kann nur eine Zweidrittelmehrheit im kroatischen Parlament den Status der Ehe ändern. "Von nun an wird keine Regierung mehr in der Lage sein, die Homo-Ehe zu legalisieren", erklärte Željka Marki?, Vorsitzende von "Im Namen der Familie".

Referendum ist ein "Schandfleck"

Die Kampagne für ein Referendum startete vor gut einem Jahr, nachdem die Mitte-Links-Regierung Sexualerziehung in Schulen eingeführt hatte. Gegner der Entscheidung erklärten, dass die Verfassungsänderung "eine Diskriminierung" sei. "Das ist ein Angriff auf die Freiheit und Menschenrechte – ein Schandfleck, den wir von jetzt an mit uns tragen müssen", erklärte Duje Prkut, ein Aktivist aus dem gegnerischen Lager.

Die Mitte-Links-Regierung lehnte die Initiative von Anfang an ab. Premierminister Zoran Milanovi? nannte die Abstimmung "traurig und sinnlos". Die Regierung kündigte jedoch an, in den kommenden Wochen die eingetragene Partnerschaft für homosexuelle Paare per Gesetz einzuführen.

Während sich Proteste für die Rechte Homosexueller in Kroatien häufen, sehen sich gleichgeschlechtliche Paare weiterhin mit vielen praktischen Problemen konfrontiert: "Ich kann weder das Eigentum meiner Freundin erben noch heiraten oder Kinder adoptieren. Wenn meine Freundin mal in einem Altenheim wohnen sollte, dann kann ich sie nicht mal besuchen", sagte Marta Susak, eine 21-jährige Studentin, die mit ihrer Freundin an einer Demonstration gegen das Referendum am Sonntag teilgenommen hatte.

Experte: Bürger haben Regierung abgestraft

Die konservative Oppositionspartei HDZ sprach sich offen für den Volksentscheid aus. Experten werten das Abstimmungsergebnis als Beginn eines konservativen Aufruhrs gegen die amtierende Regierung, die bisher daran gescheitert war, Kroatiens schwächende Wirtschaft auf Vordermann zu bringen.

"Diese Abstimmung hat nichts mit der Ehe oder die Definition der Ehe zu tun. Das ist ein Referendum gegen die Regierung", schrieb Davor Butkovi?, ein einflussreicher Kolumnist in der regierungsnahen Zeitung Jutarnji List.

Die EU-Kommission äußerte sich nicht. Angelegenheiten zur Ehe gehörten zu den Kompetenzen der Mitgliedsstaaten. Während der Beitrittsverhandlungen übte die EU noch Druck auf Kroatien aus, die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) zu verbessern. Seit dem Beitritt blieb Brüssel jedoch still.

EURACTIV.com

Links

EURACTIV Brüssel: Croats reject gay marriage in referendum (2. Dezember 2013)

Subscribe to our newsletters

Subscribe

Wissen was in Europas Hauptstädten passiert - abonnieren Sie jetzt unseren neuen 10 Uhr Newsletter.