MEPs wollen Arbeitnehmer mit unheilbaren Krankheiten besser schützen

Mitglieder des EU-Parlamentsablegers der britischen Kampagne "Dying to Work". [European Parliament]

Eine Gruppe von EU-Parlamentariern hat die britische Kampagne „Dying to Work“ auf EU-Ebene gehoben. Mit ihr soll Unterstützung für todkranke Patienten, die bei der Arbeit ungerecht behandelt werden, in ganz Europa mobilisiert werden.

Ziel der Kampagne ist die Einführung eines zusätzlichen Arbeitsschutzes für Arbeitnehmer in Europa, die an einer tödlichen Krankheit leiden. Die Hauptbotschaft dabei ist, dass jede Person, die gegen eine unheilbare Krankheit kämpft, die Wahl haben sollte, wie sie ihre letzten Monate verbringen will.

Im Februar wurde eine „Dying To Work MEP Focus Group“ eingerichtet, der derzeit 24 Abgeordnete aus 12 Mitgliedstaaten angehören. Alle politischen Gruppen im EU-Parlament sind vertreten, mit Ausnahme der rechtspopulistischen bis rechtsextremen EFDD- und ENF-Fraktionen.

Die parteiübergreifende Gruppe will Europaabgeordnete mit Partnern wie dem Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) zusammenbringen, um zu diskutieren, wie die Kampagne auf EU-Ebene am besten vorangebracht werden kann.

Laut Eurostat starben 2014 in den 28 EU-Staaten fast 1,3 Millionen Menschen an Krebs, was mehr als einem Viertel (26,4 Prozent) der Gesamtzahl der Todesfälle entspricht.

EU-Politiker wollen bessere Versorgung für Brustkrebspatientinnen

Metastasierter Brustkrebs tötet jedes Jahr eine halbe Million Frauen. Europaparlamentarier haben daher neue Politik-Initiativen gefordert.

Der britische Europaabgeordnete Rory Palmer (S&D), der Mann hinter der Kampagne, sagte gegenüber EURACTIV.com, es sei „schlichtweg falsch“, dass Menschen, die die Diagnose „unheilbar“ erhalten, Gefahr laufen, ihren Job zu verlieren.

„In einer derart traumatischen Zeit müssen wir sicherstellen, dass diese Menschen alle Unterstützung erhalten, die sie brauchen – einschließlich der Möglichkeit, weiter zu arbeiten, wenn sie dies wünschen. Wenn wir eine Gesellschaft danach beurteilen, wie wir Menschen in Zeiten größter Not behandeln, ist klar, dass wir im Moment bei unheilbar kranken Arbeitern versagen,“ kritisierte er.

Der Labour-Abgeordnete für die East Midlands erläuterte weiter, es könne auf den ersten Blick schockierend erscheinen, dass ein Mensch, der die verheerende Diagnose einer tödlichen Krankheit erhalten hat, weiterarbeiten möchte. „Für viele Betroffene bedeutet die Diagnose jedoch nicht, dass es keine Rechnungen mehr zu bezahlen oder Münder zu füttern gibt. Für diese Menschen kann Arbeit auch eine wichtige Ablenkung und ein Gefühl der Normalität bieten und ihnen helfen, ihre Würde und Identität in dieser schwierigen Zeit zu bewahren. Bei dieser Kampagne geht es darum, sicherzustellen, dass Menschen, die sich in einer solchen Situation befinden, in der Lage sind, die für sie und ihre Familie richtige Wahl zu treffen.“

Der Europaabgeordnete kündigte daher an: „Wir werden daran arbeiten, die derzeitige und künftige EU-Gesetzgebung zu ändern, um den Schutz dieser Gruppe von Menschen zu verbessern. Außerdem werden wir in den kommenden Monaten eine EU-weite freiwillige Arbeitgebercharta aufstellen, die den Arbeitnehmern in der gesamten EU echten und sofortigen Schutz bietet. Wir sind entschlossen, alles zu tun, um für die Menschen in dieser Situation in ganz Europa einzustehen.“

EGB-Generalsekretärin Esther Lynch unterstrich, Arbeitnehmer mit einer unheilbaren Krankheit sollten von ihren Arbeitgebern unterstützt statt stigmatisiert werden.

„Zu oft behandeln Arbeitgeber Arbeitnehmer mit einer unheilbaren Krankheit als ein Problem, das abseits vom Arbeitsplatz bewältigt werden muss, anstatt einen Menschen, dem geholfen werden muss. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass Arbeitnehmer mit unheilbaren Krankheiten vor Entlassungen geschützt sind. Zumal in einigen Mitgliedstaaten unterstützende Leistungen nur gezahlt werden, wenn der Arbeitnehmer noch in Lohn steht,“ sagte sie gegenüber EURACTIV.

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Eine Expertengruppe fordert, MBK-Patienten sollten mehr Möglichkeiten und Mitspracherecht bei Behandlung und Pflege erhalten.

Das Bewusstsein schärfen

Ziel der EU-Gesetzgeber ist es, das Bewusstsein für dieses Thema durch verschiedene politische Gruppen und über Kampagnen in den sozialen Medien zu schärfen, gerade mit Blick auf die bevorstehenden Europawahlen im kommenden Jahr.

Außerdem soll eine freiwillige EU-Charta aufgestellt werden, wie sie im Vereinigten Königreich bereits existiert, und möglichst viele Arbeitgeber dazu gebracht werden, sich dieser Charta anzuschließen.

Langfristig drängen die Abgeordneten auf neue EU-Gesetzgebung, ähnlich der Richtlinie über schwangere Arbeitnehmerinnen, die die Rechte der Arbeitnehmerinnen schützt. Dabei soll die „unheilbare Krankheit“ als zu schützendes Merkmal identifiziert werden.

Darüber hinaus wollen die MEPs weitere von Leistungen in Bezug auf Todesfälle sichern, die bei Kündigung des Arbeitnehmers ansonsten verloren gehen. Diese an Arbeitsverträge gebundene Leistung kann dann beispielsweise zur Deckung der Bestattungskosten verwendet werden oder die finanzielle Belastung der Familie des/der Verstorbenen verringern.

Der Fall metastasierter Brustkrebs

Ein politischer Plan zum Thema metastasierter Brustkrebs (MBK), der von einer internationalen und multidisziplinären Expertengruppe entwickelt wurde, der Fachleute aus dem Gesundheitswesen, Patientenvertreter, politische Entscheidungsträger und Vertreter der Industrie angehören, hat die EU-Kommission bereits aufgefordert, Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben im Fall einer Erkrankung zu ergreifen.

Neben der Unheilbarkeit der Krankheit gibt es zahlreiche körperliche, emotionale, finanzielle und administrative Kämpfe, die MBK-Patienten in ihrem täglichen Leben ausfechten müssen. Einer davon ist ebendieser Kampf um den Schutz der weiteren Beschäftigung.

„Die Europäische Kommission sollte die Europäische Säule der Sozialen Rechte als politischen Rahmen nutzen, um geeignete Maßnahmen einzuleiten, mit denen sichergestellt werden kann, dass die Mitgliedstaaten den Patienten und informellen Betreuern Beschäftigungsregelungen zur Verfügung stellen, die ihre Work-Life-Balance ausreichend schützen,“ heißt es in dem Papier.

Westeuropa hat das höchste Vorkommen von Brustkrebs in der gesamten Welt, wobei Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien am stärksten betroffen sind. Jedes Jahr sterben daran mehr als 90.000 Menschen in der EU.

Aber während Patientinnen mit Brustkrebs im frühen Stadium eine 99-prozentige Überlebenschance haben, ist die Realität für Patienten mit MBK drastisch anders.

Bei fast jeder dritten Patientin, bei der Brustkrebs diagnostiziert wird, entwickeln sich Metastasen, und jede Zehnte befindet sich bei der ersten Diagnose bereits in einem fortgeschrittenen Krebs-Stadium.

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