Mehrheit der jungen Österreicher fühlt sich als Europäer

Aufforderung einer Generation an die EU: Traut euch. Jetzt oder nie! [Fot: Jugendparlament]

EU-Skeptiker sind in Österreich in der Minderheit. Drei Viertel der jungen Generation fühlen sich als Europäer.

„Der Einigungsprozess der Europäischen Union ist weit fortgeschritten, aber noch nicht unumkehrbar“. Dieses Zitat des früheren österreichischen Außenministers Alois Mock, unter dessen Federführung die Beitrittsverhandlungen mit Brüssel initiiert, geführt und abgeschlossen wurden, ist derzeit eines der meist verwendeten Zitaten, wenn es um den Zustand und die Zukunft der Europäischen Union geht. In bald einem Monat, am 25. März wird in Hinblick auf die Unterzeichnung der Römischen Verträge der 60. Geburtstag“ der Union gefeiert. Aus diesem Anlass ließ Eurostat die Stimmung innerhalb der E-Mitgliedsstaaten erheben. Obwohl Österreich erst seit 1. Jänner 1995 zu den EU-Mitgliedern steht, ist hier die Einstellung zu Europa bei aller Kritik sehr positiv. Mehr noch, Europa wird von einer beachtlichen Mehrheit bereits als Heimat gesehen.

60 Jahre nach Unterzeichnung der Römischen Verträge steht Europa vor größeren Herausforderungen denn je. Das bestätigen die Ergebnisse der jüngsten Eurobarometer-Umfrage, die die Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich vorstellte. Es sind vor allem die Themenbereiche Migration, Sicherheit, Wirtschaftswachstum, Beschäftigung und soziale Union, bei denen die Österreicherinnen und Österreicher auf die Lösungskompetenz setzen.  „Einwanderung“ und „Arbeitslosigkeit“ sind laut Eurobarometer überhaupt das dringlichste Probleme.

Flüchtlingskrise und Arbeitslosigkeit sind Top-Themen

Jörg Wojahn, Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich zieht daraus diese Schlussfolgerung: „Im März vor 60 Jahren haben die Gründerstaaten der heutigen EU gewissermaßen ihren Ehevertrag unterzeichnet. Heute wollen so manche – dies- und jenseits des Atlantiks – eine Ehekrise herbeireden. Doch die Bürger ziehen dabei nicht mit“. Das belegen die Daten der Eurobarometer-Umfrage. Mittlerweile fühle sich nämlich bereits zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher als EU-Bürger. Bei den 15 bis 24-Jährigen sind es sogar 77 Prozent. Aus den Daten lässt sich aber auch herauslesen, dass viele Menschen der Meinung sind, die Dinge in Europa liefen nicht in die richtige Richtung.

Eurostat-Umfrage: 80 Prozent der Europäer sind weitgehend zufrieden mit ihrem Leben

Trotz der düsteren wirtschaftlichen Situation sind 80 Prozent der europäischen Erwachsenen im Allgemeinen zufrieden mit ihren Leben. Das zeigen Daten, die die EU-Statistikbehörde Eurostat vor dem Internationalen Tag des Glücks veröffentlichte. EURACTIV Brüssel berichtet.

Einwanderung bleibt aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger das derzeit dringlichste Problem in Österreich und der EU. Die stringente Flüchtlings- und Asylpolitik der Regierung in Wien trägt somit dem Wunsch der Bevölkerung Rechnung. Ja es zeigt sich sogar, dass dadurch die Stimmungslage in Österreich besser als im EU-28-Durchschnitt ist. Während nämlich 36 Prozent der österreichischen Befragten die Top-Priorität diesem Themenkreis zumessen, sind sogar 45 Prozent im EU-28 Durchschnitt dieser Ansicht. Gleichzeitig aber legen trotz aller Propaganda der rechtspopulistischen Parteien 64 Prozent (europaweit sind es 66 Prozent) Wert darauf, dass man Flüchtlingen helfen solle.

Die zweitgrößte Sorge in Österreich betrifft mit 30 Prozent die Arbeitslosigkeit. Die Freizügigkeit, also das Recht für EU-Bürger aus anderen Mitgliedsstaaten, überall in Europa zu arbeiten, zu lernen oder zu leben, sehen übrigens die meisten Österreichern (67 Prozent) nach wie vor positiv. Hier hinkt die Alpenrepublik aber dem europäischen Durchschnitt, der auf 81 Prozent kommt, deutlich nach. In diesem Fall macht nicht nur die rechtspopulistische FPÖ Stimmung gegen die Beschäftigung von Ausländern, sondern es sind die Gewerkschaften die Druck machen. Und der SPÖ-Vorsitzende Bundeskanzler Christian Kern will daher den Zuzug von Arbeitssuchenden aus dem EU-Ausland, vorwiegend aus Osteuropa unterbinden. Firmen sollen nur dann eine Reduktion der an sich hohen Lohnnebenkosten in Anspruch nehmen dürfen, wenn sie jenen Personen einen Arbeitsplatz geben, die bereits beim Arbeitsmarktservice AMS gemeldet sind oder in Österreich ihre Berufsausbildung erfahren haben.