Mai-Krawalle in Paris, große Demos in Deutschland

In Paris ging es am 1. Mai ruppig zu. [EPA-EFE/CHRISTOPHE PETIT TESSON]

Straßenschlachten, brennende Autos, Wasserwerfer und Tränengas: In Paris hat es am Abend des Maifeiertags bei einer Kundgebung von mehr als tausend Demonstranten schwere Ausschreitungen gegeben. In Berlin blieb es hingegen relativ ruhig.

Die Protestierenden steckten eine McDonald’s-Filiale in Brand und zündeten zahlreiche Autos an. Die Polizei nahm fast 300 Demonstranten fest. Es handelte sich um die schwersten Ausschreitungen in Paris seit Monaten. Nach Polizeiangaben marschierten rund 1200 vermummte Demonstranten aus dem links-anarchistischen Lager durch die Straßen der Hauptstadt. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Bei drei der Festgenommenen wurden nach Polizeiangaben illegale Waffen entdeckt.

Von den insgesamt 276 Festgenommenen blieben am Dienstagabend zunächst 102 in Gewahrsam, wie die Polizei mitteilte. 31 Geschäfte wurden nach Polizeiangaben beschädigt, zwei davon wurden in Brand gesteckt. Zudem wurden sechs Autos angezündet und zehn weitere beschädigt.

Präsident Emmanuel Macron, gegen desse Reformen sich die Wut richtete, sprach von „Gewaltakten“, deren Urheber „identifiziert und zur Rechenschaft gezogen“ würden. Er wolle eine Strafverfolgung mit „absoluter Entschlossenheit.

Der Vorsitzende der oppositionellen Republikaner, Laurent Wauquiez, sprach von einem „Staatsversagen“. Die Krawalle gäben „ein schreckliches Bild von unserem Land“ ab, kritisierte er. Auch Innenminister Gérard Collomb verurteilte „mit Nachdruck“ die „Gewalt und Sachbeschädigungen“ am Rande der Demonstration zum Tag der Arbeit. Die Pariser Polizei hatte zuvor mit Ausschreitungen gerechnet: „Extremistische Gruppen“ wollten den Tag zu einem „großen revolutionären Treffen machen“, hatte sie erklärt. In anderen französischen Städten blieb es bei den Mai-Demonstrationen ruhig.

An den friedlichen Mai-Demonstrationen der Gewerkschaften hatten sich zuvor vor dem Hintergrund einer Streikwelle im Öffentlichen Dienst zehntausende Menschen beteiligt – hier blieb es weitgehend friedlich. Landesweit demonstrierten nach Angaben der Gewerkschaft CGT 210.000 Menschen. Allein in Paris kamen demnach 55.000 Teilnehmer zum traditionellen Marsch am Tag der Arbeit zusammen.

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Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon, einer der größten Herausforderer Macrons bei der letzten Präsidentschaftswahl, führte den Protestzug in Marseille an, an dem nach Polizeiangaben 4200 Menschen teilnahmen. Sie marschierten hinter einem Banner mit der Aufschrift „Gegen Macron und seine Welt“.

Macron hielt sich derweil im australischen Sydney auf. Er verteidigte sich dort gegen Kritik, am 1. Mai fernab der Heimat zu sein. „Wollen Sie, dass ich zu Hause bleibe und Fernsehen schaue?“, fragte er. „Ich habe andere Dinge zu tun, ich arbeite weiter, die Reformen werden jeden Tag fortgesetzt.“ Eine Antwort, die wenig Verständnis für die wütenden Verlierer seiner Reformpolitik zeigt.

In Deutschland hingegen blieb es in diesem Jahr am 1. Mai verhältnismäßig ruhig. Große unsoziale Reformen stehen derzeit auch nicht auf der Agenda. Im Berliner Stadtteil Kreuzberg sind mehrere tausend Teilnehmer einer linken Protestkundgebung weitgehend friedlich durch die Straßen gezogen. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer am so genannten „Revolutionären 1. Mai“ am Abend auf rund 6000. Sie registrierte lediglich kleinere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften mit einigen Leichtverletzten sowie Sachbeschädigungen etwa an Autos.

In der Vergangenheit war es bei Demonstrationen rund um den 1. Mai immer wieder zu Ausschreitungen in Berlin und auch in Hamburg gekommen. In den vergangenen Jahren verliefen die Proteste jedoch weitgehend friedlich.

Die Gewerkschaften haben am Tag der Arbeit vor allem gegen die Tarifflucht mobil gemacht. Nur noch jeder zweite Beschäftigte genieße den Schutz eines Tarifvertrags, kritisierte etwa DGB-Chef Reiner Hoffmann bei der zentralen DGB-Kundgebung in Nürnberg. An den bundesweit 500 Veranstaltungen zum 1. Mai nahmen nach DGB-Angaben 340.000 Menschen teil.

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