Lohngefälle verringert sich in Europa [DE]

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Die „neuen” EU-Mitgliedstaaten nähern sich dem Lohnniveau der „alten“ EU-Mitglieder immer weiter an. Frauen werden in der Union jedoch weiterhin benachteiligt, wie aus Unterlagen der EU-Agentur Eurofound hervorgeht, die am 20. August veröffentlicht wurden.

Im Schnitt sind die Löhne in den neuen EU-Mitgliedstaaten viermal so stark gestiegen wie in den Ländern der EU-15. Ganz oben auf der Liste stehen die Baltischen Staaten, Bulgarien und Rumänien, die Lohnsteigerungen im zweistelligen Bereich erreichten, wie der Bericht zeigt.

Die Zahlen für die neuen Mitgliedstaaten ließen einen deutlichen Aufwärtstrend erkennen, meinte Eurofound und wies darauf hin, dass auf die Lohnsteigerung um 8,5% im Jahre 2006 eine Erhöhung um 10,5% im Jahre 2007 gefolgt war. Im Vergleich dazu fiel die Lohnsteigerung in den „alten“ EU-Ländern weitaus bescheidener aus. Hier gab es nach 2006 mit nur 2,9% im letzten Jahr einen Anstieg um 3,1% zu verzeichnen.

Über einen Zeitraum von fünf Jahren habe sich nur in wenigen Ländern ein deutlicher Anstieg bei den Nominallöhnen abzeichnen können, während die Tendenz in den meisten Ländern von Jahr zu Jahr schwanke, wie aus dem Bericht hervorgeht. In Bulgarien und Litauen sei jedoch ein beständiger Aufwärtstrend in der Lohnentwicklung feststellbar gewesen, ebenso – in etwas geringerem Ausmaß – in Estland und Lettland, während sich Slowenien und Ungarn – wiederum in geringerem Ausmaß – einer Konjunkturabschwächung gegenübergesehen hätten. Bei den Ländern der EU-15 sei in Frankreich und Deutschland ein relativ steter Abwärtstrend zu verzeichnen gewesen.

Noch düsterer sehe es für Arbeitnehmer in Westeuropa aus, wenn man die Inflation berücksichtige, wodurch die Steigerung der Reallöhne mit 0,2% fast zum Stillstand komme, während sie 2006 noch bei 0,8% gelegen habe. Auch wenn die durchschnittlichen Reallöhne auch in den neuen Mitgliedstaaten einem Abwärtstrend folgen, liegt dort das nominale Wachstum den Zahlen zufolge bei 4,1% (im Gegensatz zu 5% im Jahre 2006).

Die steigende Inflation hat den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet dazu veranlasst, auf eine Beschränkung bei den Lohnerhöhungen zu drängen. Seiner Meinung nach könnten höhere Gehälter in der gegenwärtigen Situation zu einem weiteren Anstieg der Warenpreise führen (EURACTIV 20/07/08). 

Der Bericht der Eurofound deckte außerdem auf, dass es nach wie vor Unterschiede bei der Entlohnung von Männern und Frauen gebe. So fielen die Löhne von Frauen im Schnitt um 16% niedriger aus als die ihrer männlichen Kollegen. Die Gehaltsunterschiede für Männer und Frauen variieren in den verschiedenen Ländern Europas stark. Am stärksten unterscheiden sich die Gehälter mit 26,9% in der Slowakei, den geringsten Unterschied verzeichnet mit 6,9% Slowenien.

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