Kindesmissbrauch – Vatikan löst Eklat aus

Die Theorien von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone (L) zur Pädophilie sorgen für Entrüstung. Foto: dpa.

Der hohe katholische Würdenträger Tarcisio Bertone hat eine Verbindung zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch unterstellt. Nach heftigen Protesten – unter anderem von Seiten der französischen Regierung – rudert der Vatikan zurück.

Der Vatikan hat sich von Äußerungen des Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone distanziert. In einer Mitteilung heißt es: "Kirchliche Würdenträger betrachten es nicht als Teil ihrer Verantwortung, allgemeine Aussagen psychologischer oder medizinischer Art zu machen".

Bertone, die Nummer zwei der katholischen Kirche, hatte am Montag erklärt, zahlreiche Psychiater und Psychologen hätten ihm gesagt, dass zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch "eine Verbindung" bestehe. Pädophilie sei nicht durch das Zölibat bedingt. Bertone erklärte gestern während seines offiziellen Besuchs in Chile: "Diese Krankheit kann alle Menschen befallen, und Priester sind nur in geringerem Maße davon betroffen. Das Benehmen dieser kranken Priester ist sehr negativ und empörend".

Menschenrechtler und Homosexuellen-Vertreter reagierten schockiert.

Paolo Patanè, Vorsitzender von Arcigay, dem italienischen schwul-lesbischen Verband, kommentierte: "Wir sind von Bertones Aussage entsetzt. Die katholische Kirche sollte ihre Sünden nicht auf Kosten unschuldiger Menschen abladen, sondern nach ihrem Mangel an Humanität fragen. Das sind falsche Behauptungen, die zahlreichen Menschen ihre Würde nimmt, und Diskriminierung und Gewalt fördert".

Bernard Valero, Sprecher des französischen Aussenministeriums, äußerte: "Frankreich setzt sich vehement für den Kampf gegen die Diskriminierung und die sexuellen Vorurteile ein, und Bertones Äußerungen sind für uns inakzeptabel".

Walter Veltroni, ehemaliger Chef der italienischen Sozialdemokraten Partito Democratico (PD): "Es ist falsch und gefährlich, einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie herzustellen. Wir sollten alle darauf achten, keine Diskriminierung und Intoleranz zu unterstützen".

Rolando Jiménez, Vorsitzender der "Movement for Homosexual Integration and Liberation in Chile": "Weder Bertone noch der Vatikan haben die moralische Autorität, um uns über Sexualität zu belehren." 

Die katholische Kirche wird derzeit in zahlreichen Ländern von Fällen des Kindesmissbrauchs durch Geistliche erschüttert. Jüngst hatte Papst Benedikt XVI. dazu Stellung genommen.

Elisa Oddone

Vatikan: Missbrauch von Jugendlichen. Stellungnahme der Kirche (Hirtenbrief von Papst Benedikt XVI. vom 19. März 2010)

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