Juncker: „Englisch ist nicht die einzige EU-Amtssprache“

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt sich für seine Muttersprache als neue lingua franca der EU ein: „Es liegt an uns, einige Regeln festzulegen, präsent zu sein und Französisch zur Sprache zu machen, mit der man Zugang zu einer Reihe von Möglichkeiten hat.“ [Shutterstock]

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker hat während eines hochrangigen Treffens in Bukarest ein Zeichen gesetzt, indem er seine Rede auf Französisch hielt – entgegen des Trends, auf internationaler Ebene englisch zu sprechen.

„Englisch ist nicht die einzige Amtssprache der Europäischen Union,“ erinnerte Juncker. „Französisch ist eine große, einflussreiche Sprache und eine wichtige Kultur in der Europäischen Union. Wir sollten nicht vergessen, dass wir nicht unter der ‚Herrschaft‘ einer einzigen Lingua Franca – nämlich Englisch – stehen.“

Die anderen Präsidenten, die bei der Eröffnung des Forums sprachen, folgten Junckers Beispiel allerdings nicht und hielten ihre Reden lieber auf Englisch.

Die „Drei-Meere-Initiative“, bei deren Forum Juncker sprach, ist ein Treffen mittel- und osteuropäischer Staats- und Regierungschefs aus Österreich, Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Estland, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, der Slowakei und Slowenien mit dem Ziel, einen regionalen Dialog über eine Reihe relevanter Themen zu schaffen.

Auf dem diesjährigen Treffen soll insbesondere die Interkonnektivität in den Bereichen Energie, Verkehr und Digitalisierung debattiert werden.

Brexit: Englisch bleibt EU-Amtssprache

Englisch ist und bleibt offizielle Amtssprache der EU, auch wenn Großbritannien die EU verlässt. Das bestätigt die Kommissionsvertretung in Irland. EURACTIV Brüssel berichtet.

Nähe zu den USA

Junckers Französisch-Wahl war dabei wohl kaum ein Zufall: Sie steht auch im Gegensatz zu der Tatsache, dass viele die Drei-Meere-Initiative als ein Treffen betrachten, dessen Ziel es in erster Linie ist, die Beziehungen zu den USA zu stärken.

So hatte Rumäniens Präsident Klaus Iohannis heute Morgen bei der Eröffnung des Forums darauf hingewiesen, dass die Europäische Union wieder engere Beziehungen zu den amerikanischen Partnern knüpfen müsse.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass in einem so herausfordernden globalen Kontext die Europäische Union und die Vereinigten Staaten von Amerika politisch, wirtschaftlich und im Sicherheitsbereich so nah wie möglich zusammenstehen müssen,“ so Iohannis.

„Trotz der Unterschiede in einigen Fragen ist die unbestreitbare Wahrheit, dass die transatlantische Verbindung auf gemeinsamen Werten beruht. Diese Werte bilden die stärkste Grundlage für unsere Beziehungen. Unsere gemeinsamen Interessen überragen unsere Meinungsverschiedenheiten.“

Alternativen zu Englisch

Junckers ausdrückliche Vorliebe für Französisch während des Treffens kommt auch zu einem Zeitpunkt, da unterschiedliche Akteure in der europäischen Politik und in den EU-Institutionen versuchen, das Englische im Dialog zu marginalisieren.

Wie EURACTIV.com kürzlich berichtete, hatte sich beispielsweise Manfred Weber bei der Ankündigung seiner EVP-Spitzenkandidatur gegenüber internationalen Pressevertretern geweigert, Fragen auf Englisch zu beantworten.

Macrons EU-Initiative für Französisch

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will die Sprachstunden für Flüchtlinge nach deutschem Vorbild mindestens verdoppeln.

Derweil scheint es, dass französische Institutionen auch gewillt sind, die Sprache global wieder wichtiger zu machen.

In seiner Rede an der Academie Française in Paris anlässlich des Internationalen Frankophonietages Anfang des Jahres lobte Präsident Macron Französisch als „Sprache der Freiheit“ und präsentierte eine Strategie zur Förderung des Französischunterrichts rund um den Globus, darunter eine Finanzierungszusage in Höhe von mehreren Millionen Euro.

Ziel scheint es zu sein, Englisch mit Blick auf den Brexit vom vordersten Platz – zumindest in Europa – zu verdrängen.

„Englisch war in Brüssel wahrscheinlich noch nie so präsent wie jetzt, wo wir über den Brexit sprechen,“ so Macron weiter. Diese Dominanz der englischen Sprrache sei aber nicht unvermeidlich: „Es liegt an uns, einige Regeln festzulegen, präsent zu sein und Französisch zur Sprache zu machen, mit der man Zugang zu einer Reihe von Möglichkeiten hat.“

Diese Aussagen von Macron im März folgten auf seinen Besuch in Burkina Faso im November 2017. The Guardian berichtete damals, Macron habe versprochen, Französisch zur „Nummer eins in Afrika und vielleicht sogar in der Welt“ zu machen.

Er schien jedoch auch die Problematik solcher Aussagen zu verstehen: Dass ein französischer Präsident eine Nation des postkolonialen Afrikas über kulturelles Erbe belehrt, könnte sehr leicht Kritik auslösen. Macron fügte deshalb schnell hinzu, die französische Sprache solle dabei nicht als „Relikt einer Kolonialmacht“ angesehen werden.

Weitere Informationen

Die europäische Geschichte lebt durch die Vielfalt ihrer Sprachen

Zum Europatag: Europa ist nicht nur reich an Geschichte, Architektur oder vielfältigen Kunstrichtungen - dieser Kontinent lebt auch von der Vielfalt seiner Sprachen.  

Reding: "Das Internet kann gefährdete Sprachen retten"

Plattformen haben dazu beigetragen, das Internet mehrsprachig zu machen. Gerade weniger häufig gesprochene Sprachen profitieren davon, so Viviane Reding.

EU-Afrika-Gipfel im Dezember

Wenn die Rede auf Afrika kommt, wird gerne von der Notwendigkeit eines Marshall-Plans gesprochen. Um vom Reden zum Handeln zu kommen, plant die österreichische Ratspräsidentschaft nun einen Afrika-Gipfel.

Subscribe to our newsletters

Subscribe