Knapp jeder vierte EU-Bürger war im Jahr 2011 von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Jeder zehnte Europäer litt sogar unter erheblicher materieller Entbehrung. Das geht aus den aktuellen Angaben von Eurostat hervor.
120 Millionen EU-Bürger waren im vorigen Jahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Damit stieg der Anteil der sozial gefährdeten Menschen von 23,4 Prozent der EU-Bevölkerung im Jahr 2010 auf 24,2 Prozent im Jahr 2011, teilte das EU-Statistikamt Eurostat am Montag mit. Die EU rückt damit weiter von dem in der Europa 2020 Strategie festgelegten Kernziel ab, die Anzahl der Personen in der EU zu senken, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind.
Wer in dieser Eurostat-Kategorie erfasst wird, ist von mindestens einer der folgenden drei Lebensbedingungen betroffen: er ist von Armut bedroht, leidet unter erheblicher materieller Entbehrung oder lebt in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit.
Im Jahr 2011 wurden die höchsten Anteile von Personen, die von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht waren, in Bulgarien (49 Prozent), Rumänien und Lettland (je 40 Prozent), Litauen (33 Prozent), Griechenland und Ungarn (je 31 Prozent) verzeichnet und die niedrigsten Anteile in Tschechien (15 Prozent), den Niederlanden und Schweden (je 16 Prozent) sowie in Luxemburg und Österreich (je 17 Prozent). In Deutschland liegt der Anteil bei 19,9 Prozent.
Armutsgefährdet
Bei der Betrachtung der drei einzelnen Komponenten, die Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung ausmachen, zeigt sich, dass 17 Prozent der EU-Bevölkerung im Jahr 2011, auch nach Zahlung von Sozialleistungen, armutsgefährdet waren. Das bedeutet, dass ihr verfügbares Einkommen unter der nationalen Armutsgefährdungsschwelle liegt. Die höchsten Armutsgefährdungsquoten hatten Bulgarien, Rumänien und Spanien (je 22 Prozent) sowie Griechenland (21 Prozent) und Tschechien (10 Prozent), die Niederlande (11 Prozent), Österreich, Dänemark und die Slowakei (je 13 Prozent) die niedrigsten. In Deutschland lag die Armutsgefährdungsquote bei 15,8 Prozent.
Die Armutsgefährdungsquote ist eine relative Messgröße von Armut. Die Armutsschwelle wiederum unterscheidet sich deutlich zwischen den Mitgliedstaaten. Sie ist zudem in den letzten Jahren aufgrund der Wirtschaftskrise in mehreren Mitgliedstaaten gesunken.
Erhebliche materielle Entbehrung
In der EU litten 9 Prozent der Bevölkerung unter erheblicher materieller Entbehrung. Dies bedeutet, dass ihre Lebensbedingungen aufgrund fehlender Mittel eingeschränkt waren. Die Betroffenen waren also zum Beispiel nicht in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen, ihre Wohnung angemessen zu beheizen oder einen einwöchigen Jahresurlaub weg von zu Hause zu finanzieren. Die Anteile derjenigen, die unter erheblicher materieller Entbehrung leiden, unterschieden sich deutlich zwischen den Mitgliedstaaten und reichten von 1 Prozent in Luxemburg und Schweden bis 44 Prozent in Bulgarien und 31 Prozent in Lettland. In Deutschland litten 5,3 Prozent der Gesamtbevölkerung unter erheblicher materieller Entbehrung.
Sehr niedrige Erwerbstätigkeit
Mit Hinblick auf den Indikator zur niedrigen Erwerbstätigkeit, lebten 10 Prozent der Bevölkerung unter 60 Jahren in der EU in Haushalten, in denen die Erwachsenen im vorhergehenden Jahr insgesamt weniger als 20 Prozent ihres Erwerbspotentials ausgeschöpft haben. Belgien (14 Prozent) wies die höchsten Anteile derjenigen auf, die in einem Haushalt mit sehr niedriger Erwerbstätigkeit lebten, und Zypern (5 Prozent) die niedrigsten. In Deutschland lag der Anteil bei 11,1 Prozent.
EURACTIV.de
Links
Eurostat: Armutsgefährdung und soziale Ausgrenzung in der EU27 (3. Dezember 2012)

