Interview: Nichtregulierte Arbeitsmärkte „viel dynamischer“ [DE]

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Europa brauche keine weiteren stark regulierten Arbeitsmärkte, sondern vielmehr erhöhte Investitionen in Humankapital, wenn es die doppelte Herausforderung meistern wolle, sowohl die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit als auch die soziale Gerechtigkeit zu verbessern. Dies sagte Wolfgang Merkel, der Direktor des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung in Berlin, EURACTIV Slowakei in einem Interview.

Obwohl nichtregulierte Arbeitsmärkte einigen Menschen schaden könnten, da sie weniger Schutz bieten, führten sie letztendlich zur Schaffung von Arbeitsplätzen, so Professor Merkel. Er verweist auf das spanische Modell, wo ein vollständig nichtregulierter Arbeitsmarkt für junge Menschen mit befristeten Verträgen einen Markt geschaffen hat, den er als „dynamischsten Arbeitsmarkt Europas, eine wahre Job-Maschine“ beschreibt.

Merkel ist der Ansicht, die europäischen Regierungen sollten, statt zu versuchen, die Märkte zu regulieren, um den Arbeitnehmern besseren sozialen Schutz zu bieten, sich auf Investitionen in Humankapital konzentrieren, denn dies bedeute, „die Chancen der Menschen zu verbessern“. „Sie werden auf dem weltweiten Markt flexibler werden. Es entspricht der sozialen Gerechtigkeit, ist gleichzeitig aber eine Investition in die Produktivität.“

Wenn Europa nicht auf diesem Weg bleibe, werde es ihm nicht gelingen, sein Ziel der Entwicklung einer auf Wissen basierenden Wirtschaft mit High-Tech-Industrien und qualitativ hochwertigen Dienstleistungen zu erreichen. Zudem werde es nicht nur den Konkurrenzkampf mit den USA, sondern auch mit China und Indien verlieren, so Merkel.

Auch Steuersenkungen seien die „falsche Vorgehensweise“, stellt Professor Merkel fest, da dies zu einem Rückgang der Investitionen in Humankapital führe: „In Europa sind private Investoren nicht bereit, dies zu tun.“ 

Er beobachtete, dass die EU nicht ausreichend dafür getan hat, Steuerparadiese abzuschaffen und die Steuersysteme zu harmonisieren. Eine Harmonisierung sei in einem Europa mit 27 Mitgliedern jedoch noch schwieriger, bemerkt er und fügt hinzu, dass die Steuererhebung in Osteuropa besonders uneffektiv sei.

Trotz großer Unterschiede in den Bereichen Arbeits-, Sozial- und Steuerpolitik zwischen östlichen und westlichen Mitgliedstaaten betont Merkel, die EU-Erweiterung sei „kein Fehler“ gewesen, da es keine Alternative gegeben habe – weder politisch noch wirtschaftlich.

Dennoch könnte seiner Ansicht nach die Erweiterung zukünftig zu einer Art „Europa mehrerer Geschwindigkeiten“ werden. Gegenwärtig seien „die Entscheidungsprozesse zu komplex, nicht transparent und zu zeitaufwändig. Und der kleinste gemeinsame Nenner ist zu niedrig, um einige der Probleme lösen zu können“, erklärt er.

„Wir haben 27 Länder mit 27 Interessen. Auf die altmodische Weise lassen diese sich nicht mehr koordinieren. (…) Ich befürworte ein Europa mehrerer Geschwindigkeiten; dies ist der Preis, den wir dafür zahlen müssen, dass wir nicht mehr die EU mit sechs, zwölf oder 15 Mitgliedern sind. Dies wird die Zukunft Europas sein.“ 

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