Arbeitgeberverbände warnen, dass die Streiks im französischen und deutschen Bahnsystem, mit denen Bahnangestellte für höhere Gehälter und die Bewahrung spezieller Rentensysteme kämpfen, ernste Folgen für die Konjunktur der beiden Länder haben könnten.
Es wird erwartet, dass in Frankreich am 15. November 20% der Hochgeschwindigkeitszüge TGV fahren werden, verglichen mit nur 14% am Vortag. Die Zugführer regionaler Züge und der Metro werden ihre Streiks fortsetzen, wobei durchschnittlich 25% der Züge fahren werden. Die Züge Thalys und Eurostar, die auf der Strecke zwischen Paris und London, bzw. Brüssel und Köln fahren, werden vom Streik nicht betroffen sein.
Arbeiter der Eisenbahngesellschaft SNCF und des Pariser Unternehmens für öffentliche Verkehrsmittel, RATP, ebenso wie der Konzerne Electricité de France und Gaz de France streiken aufgrund der Pläne des französischen Präsidenten, Nicolas Sarkozy, bestimmte Rentensysteme für staatliche und ehemalige staatliche Unternehmen zu reformieren. Durch die Reform müssten eine halbe Million Arbeiter 40 Jahre lang – 2,5 Jahre mehr als unter den derzeitigen Regelungen – Sozialversicherungsbeiträge zahlen, um Rentenanspruch zu haben.
Vor dem Europäischen Parlament in Strassburg betonte Sarkozy am 13. November, er werde den Forderungen der Arbeiter nicht nachgeben und bis zum bitteren Ende gehen. Er fügte hinzu, nichts könne ihn davon abhalten, sein Ziel weiter zu verfolgen.
In Deutschland eskaliert ein lange währender Konflikt zwischen der kleinen Gewerkschaft der Lokführer, GDL, und der Deutschen Bahn, in dem die Gewerkschaft eine Erhöhung der Einstiegsgehälter von den gegenwärtigen 1 970 Euro auf 2 500 Euro pro Monat fordert. Am 14. November hat der Streik, der der längste in der Geschichte des deutschen Bahnwesens sein wird, begonnen. Allmählich bewegt dieser sich vom Gütersektor (Mittwoch) in Richtung Passagierzüge (bis Samstagmorgen). Die GDL, die am stärksten in Ostdeutschland ist, könnte bald Unterstützung von den beiden anderen Bahngewerkschaften Deutschlands erfahren, die die Privatisierungspläne der Regierung ablehnen.
Frank Schmidt, der Bezirksvorsitzende der GDL in Nordrhein-Westfalen, sagte, er erwarte, dass der Streik dieser Woche ernstere Folgen haben werde als der vergangene Woche. Bereits am Mittwoch ist der Schienengüterverkehr überall in Deutschland zusammengebrochen. Dies hatte zu Problemen am Hamburger Hafen geführt, wo die Unternehmen auf eine pünktliche Lieferung angewiesen sind.
Dieter Hundt, der Präsident des deutschen Arbeitgeberverbands, sagte, die Streiks werden die wichtigsten Wirtschaftssektoren ‚ernsthaft treffen’. Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V. (BDI), sagte, der Streik sei „verantwortungslos“.

