Gleichberechtigung: Das neue Erasmus+ lässt zu wünschen übrig

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EU-Projekte haben einen nachweislich positiven Einfluss auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau. [StepanPopov/Shutterstock]

Projekte, die im Rahmen des Erasmus+ Programms die Gleichberechtigung von Mann und Frau fördern, erzielen positive Ergebnisse. Warum also sollte man sie zurückschrauben? EURACTIV Frankreich berichtet.

Die Gleichbehandlung von Männern und Frauen ist eines der großen EU-Ziele, explizit aufgeführt auch im Programm für lebenslanges Lernen von 2007 bis 2013. Dennoch beschäftigten sich nur 1,2 Prozent all dieser Projekte in irgendeiner Art und Weise mit dem Thema Gender Equality – für die französische Erasmus-Plus-Agentur eine herbe Enttäuschung. Die Organisation selbst hat nun gezeigt, dass europäische Projekte unterschiedlich und in verschiedenem Ausmaß zum Fortschritt der Gleichberechtigung in Europa beitragen.

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Zwischen 2007 und 2013 setzten sich 40 Projekte französischer Organisationen mit dem Thema Gleichberechtigung auseinander, entweder unter dem Grundtvig-Programm für Erwachsenenbildung, dem Leonardo-Programm für die Ausbildung junger Erwachsener oder dem Comenius-Programm für Schulbildung.

Sie alle verfolgten einen der folgenden zwei Ansätze: einen Gesinnungswandel durch Reflexion und den Austausch bewährter Verfahren fördern (17 Projekte) beziehungsweise Probleme von Frauen am Arbeitsplatz angehen (23 Projekte). Wie haben sie sich auf die Gleichberechtigung ausgewirkt? Die Ergebnisse einer Studie der französischen Erasmus-Plus-Agentur fielen hierzu reichlich positiv aus, auch wenn die Fortschritte nur schwer messbar waren, da sie sich auf Nuancen in den Einstellungen der Menschen beziehen.

Was jedoch klar und deutlich aus den Analysen hervorgeht, ist die Tatsache, dass das Interesse der EU-Mitgliedsstaaten an diesem Thema sehr unterschiedlich ausfällt. Die gute Nachricht: In jenen Ländern, in denen die Ungleichheiten am stärksten ausgeprägt sind, werden in der Regel am häufigsten Projekte durchgeführt.

Zu den untersuchten Vorhaben gehört auch eine deutsch-französisch-türkische Kollaboration, die Frauen vom Land dabei hilft, Arbeit in Städten zu finden. Solche gemeinsamen Vorhaben mit Nicht-EU-Ländern sind relativ häufig. So gibt es beispielsweise auch ein Projekt aus Deutschland, Österreich, Polen und der Schweiz, das sich dafür einsetzt, Väter stärker in die Kindererziehung einzubinden. Wieder andere Vorhaben widmen sich der Sensibilisierung im Kindesalter. Hier werden Kinder über Gender-Fragen und Vielfalt aufgeklärt und junge Mädchen erlangen durch neue, innovative Methoden einen leichteren Zugang zur Ausbildung in den Bereichen Wissenschaft und Technik.

Brüsseler Logik

Die Teilnehmer solcher Projekte sind überzeugt, dass man auf diese Weise tatsächlich etwas bewegen kann. Besonders enttäuscht waren sie jedoch von dem oft kurzfristigen Denkansatz. So enden die meisten Vorhaben schon nach zwei Jahren und es gibt kaum Spielraum, die Zusammenarbeit auch außerhalb des offiziellen Rahmens fortzuführen.

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Die wirtschaftliche Schere zwischen den Geschlechtern schließt sich immer noch viel zu langsam, zeigt der Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums. Auch in Deutschland besteht noch viel Aufholbedarf.

Laut Eurobarometer halten Europäer das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen für die offensichtlichste Ausprägung mangelnder Gleichberechtigung. Darüber hinaus sind die meisten von ihnen der Ansicht, dass man auf EU-Ebene am wirksamsten dagegen vorgehen kann und dass sich Investitionen in EU-Projekte für mehr Gleichberechtigung am Arbeitsplatz auszahlen. Diese Logik scheint in Brüssel jedoch noch nicht angekommen zu sein. Obwohl die bisherigen Projekte so erfolgreich waren, taucht das Wort Gleichberechtigung im neuen Erasmus-Plus-Programm mit keiner Silbe mehr auf.

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