Da die Abstimmung über die Dienstleistungsrichtlinie im Europäischen Parlaments immer näher rückt, sehen sich die Mitglieder des Europäischen Parlatments (MEP) mit erhöhter Lobbyarbeit konfrontiert. Während die Ärzte gegen diesen Gesetzesentwurf sind, wollen Patientenvereinigungen Gesundheitsfürsorge in die Richtlinie mit aufnehmen.
Es ist wahrscheinlich, dass der Entwurf der Kommission, in der Abstimmung am 16. Februar 2006, erheblich geändert wird. Laut eines Berichts in Le Monde ist eine große Mehrheit der MdEP dafür die Gesundheitsfürsorge nicht mit in die Richtlinie aufzunehmen. Eine internationale Patientenvereinigung, welche in der Zeitung zitiert wurde, sagte, dass ein Ausschluss der Gesundheitsfürsorge nicht im Interesse der Menschen sei, welche in einem anderen EU-Mitgliedsstaat behandelt werden wollen. Martine Mérigeau des Europäischen Verbraucherzentrums sagte, dass „jedes Land seine eigene kleine Dorfwiese verteidige, was zum Nachteil der Patienten“ sei. Sie fügte hinzu, dass „die Bolkestein-Richtlinie den Weg für Gesundheit in Europe auf die Weise frei machen würde , wie wir es gerne hätten“.
Die Ärzte, welche in der französischen Zeitung zitiert wurden, sind im Prinzip für die freie Zirkulation der Gesundheitsdienste , aber im Gegensatz zu den Patienten seien sie dagegen, dass diese in die Dienstleistungsrichtlinie aufgenommen würden . Die Richtlinie zur Anerkennung von Berufsqualifikation, welche 2005 überarbeitet worden ist, reiche völlig aus , sagt Lisette Tiddens-Engwirda vom Ständingen Ausschuss der Europäischen Ärzte (CPME) . Diese Richtlinie gibt Ärzten das Recht, ihren Beruf in einem anderen EU-Land auszuüben, sofern sie über die nötigen Qualifikationen verfügen.
Die Dienstleistungsrichtlinie sieht vor, dass Ärzte „One-Stop-Shops“ verwenden, welche bereits von anderen Berufsständen für die Klärung ihrer professionellen Qualifikation, Steuern, Sozialversicherung und anderen Versicherungen genutzt werden. Ein im Le Monde zitierter, namentlich nicht genannter, Kommissionsbeamter, sagte, dass der Widerstand der Mediziner gegenüber der Dienstleistungsrichtlinie „wahrer Snobismus“ sei und dass sie „nur nicht mit Klempnern im selben Gesetzestext genannt werden wollen“.
