Equal Pay Day: Warum Frauen noch immer weniger verdienen als Männer

Equal Pay Day

Bis zum heutigen 17. März haben Frauen in Deutschland praktisch unbezahlt gearbeitet, obwohl sie die gleiche Arbeit wie Männer leisten. [Shutterstock]

Die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern werden nur allmählich geringer. Europaweit liegt Deutschland bei der Gehaltslücke auf dem vorletzten Platz.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Der Tagesspiegel.

Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland verringern sich nur langsam. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Bruttostundenlohn der Frauen mit 17,72 Euro noch um 20 Prozent niedriger als der von Männern mit 22,61 Euro, berichtete das Statistische Bundesamt am Montag. Im Jahr davor hatte der Unterschied 21 Prozent betragen. Europaweit liegt Deutschland damit auf dem vorletzten Platz.

Anlass der Veröffentlichung ist der so genannte Equal Pay Day an diesem Dienstag. Der Termin gibt symbolisch an, bis zu welchem Tag im Jahr Frauen praktisch unbezahlt gearbeitet haben, obwohl sie die gleiche Arbeit wie Männer leisten.

Die Lohnlücke fiel im Osten mit sieben Prozent erneut deutlich geringer aus als im Westen mit 21 Prozent. Hier wirkt sich aus, dass Frauen in der früheren DDR besseren Zugang auch zu besser bezahlten technischen Berufen hatten und häufiger auf vollen Stellen arbeiteten.

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 Frauen ergreifen Berufe mit niedrigerem Gehalt

Drei Viertel der Gehaltslücke – die auch Gender Pay Gap genannt wird – lassen sich auf strukturelle Gründe zurückführen, wie das Bundesamt ausführte. So werden in frauentypischen Berufen, historisch gewachsen, durchweg geringere Gehälter gezahlt.  Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und seltener in qualifizierten Führungspositionen. Hier könnten auch Erwerbspausen zur Kindererziehung eine Rolle spielen, was aber statistisch nicht erfasst wurde.

Den Berechnungen zufolge bleibt eine bereinigte Gehaltslücke von zuletzt sechs Prozent – also das, was Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit weniger verdienen als Männer. Auch diese Zahl ist tendenziell leicht rückläufig. Das Bundesamt vermutet, dass sich ein Teil dieser verbleibenden Lücke durch die Karrierebrüche von Frauen erklären lässt.

Dies wird auch gestützt durch eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Frauen übernehmen nach wie vor deutlich mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer – etwa Kinderbetreuung oder Aufgaben im Haushalt. „Frauen weichen deshalb im Job oft auf Teilzeit aus, was langfristig mit deutlichen Einbußen bei den Stundenlöhnen verbunden ist“, erläutert die Forscherin und Mitautorin Karin Schulze Buschoff. Die Studie hat auch einzelne Berufe mit besonders hohen Einkommensunterschieden identifiziert. Bei gleicher Leistung und Qualifikation verdienen Frauen in Verkauf, Vertrieb und bei Banken weiterhin deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen.

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 Auch das Lebenseinkommen fällt bei Frauen niedriger aus

Die Unterschiede im Einkommen von Frauen und Männern summieren sich über die Jahrzehnte hinweg. Männer kommen im Schnitt auf ein Lebenseinkommen von 1,5 Millionen Euro. Frauen hingegen erreichen gerade einmal etwas mehr als die Hälfte dessen, nämlich 830.000 Euro. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Im Osten ist der Unterschied zwar kleiner. Trotzdem fällt auch hier das Lebenseinkommen der Frauen mit 660.000 Euro viel niedriger aus als das der Männer mit 1,1 Millionen Euro. Die Experten haben sich in der Studie rein auf das Erwerbseinkommen konzentriert, nicht berücksichtigt worden ist, wer wie viele Steuern zahlt und wer staatliche Transfers wie Elterngeld erhält.

Zum Pay Gap tragen auch Kinder bei. Wer heute Mitte 30 und Mutter in Westdeutschland ist, kann lediglich mit einem Lebenseinkommen von 580.000 Euro rechnen und verdient damit 62 Prozent weniger als ein Mann in ihrem Alter. „Die Unterschiede in den Lebenserwerbseinkommen zeigen, dass in Deutschland Chancen und Teilhabe auf dem Arbeitsmarkt zwischen Männern und Frauen sehr ungleich verteilt sind“, sagt Manuela Bariši, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. „Dabei haben insbesondere Mütter das Nachsehen.“

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