Ab 2015 werde die Zahl der Todesfälle die Zahl der Geburten in der EU übersteigen, so dass bis 2060 einer von drei Europäern über 65 Jahre alt sei und damit eine enorme Belastung für die Wirtschaft und die Staatshaushalte darstellen würde, hat die Kommission gestern (26. August) gewarnt.
Durch die höhere Lebenserwartung und anhaltend geringe Geburtenraten in Europa werde das natürliche Bevölkerungswachstum bis 2015 zum Stillstand kommen. Bis 2035 könnten auch die Zuwanderungsraten diese negative Tendenz nicht mehr ausgleichen, sagt ein Bericht des Statistischen Amts der EU Eurostat voraus.
Derzeit finanzierten rund vier Arbeitnehmer einen Rentner. In den nächsten 50 Jahren werde sich dieses Verhältnis auf zwei Arbeitnehmer pro Rentner verringern und die Rentenfrage zu einer regelrechten „Zeitbombe“ für Europa werden, betont der Bericht.
Bulgarien, Tschechien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowenien und der Slowakei könnte es sogar noch schlechter ergehen, da dort durch die Abwanderung gerade einmal 1,5 Arbeitnehmer auf einen Rentner kommen würden.
Etwas weniger hart werde es Länder wie Dänemark, Irland, Zypern, Luxemburg und Großbritannien treffen, da für diese Länder mit einem stärkeren Bevölkerungswachstum gerechnet wird. Das sei vor allem auf die höheren Einwanderungszahlen zurückzuführen, da Immigranten die Arbeitsquoten und Geburtenraten erhöhen.
Der Prognose zufolge werde Großbritannien dann zum bevölkerungsreichsten EU-Mitgliedstaat mit 77 Millionen Einwohnern (im Gegensatz zu derzeit 61 Millionen) aufsteigen. Deutschland, das gegenwärtig am stärksten bevölkerte Land der EU, sehe hingegen einem Bevölkerungsrückgang von 82 auf 79 Millionen bis zum Jahr 2035 entgegen und werde bis 2060 sogar nur noch 70,7 Millionen Einwohner haben.
Während die Europäische Kommission an mögliche Ungenauigkeiten bei solchen Vorhersagen erinnerte, brachte sie doch ihre Sorge über die Belastung zum Ausdruck, die das Altern der Bevölkerung auf Wirtschaft und Haushalte ausüben werde. Man versuche herauszufinden, ob die Mitgliedstaaten in der Lage seien, die Kosten des Älterwerdens ihrer Bevölkerung zu tragen, erklärte die Kommissions-Sprecherin für wirtschaftliche Angelegenheiten den Journalisten bei der Vorstellung des Berichts.
Der Sprecherin zufolge sei das Problem der Vergreisung eine ebenso große Herausforderung wie Globalisierung und Klimawandel. Die Regierungen müssten deshalb ihre Haushalte konsolidieren, die Arbeitnehmerzahlen steigern und ihre Renten-, Kranken- und Pflegeversicherungssysteme reformieren.
Auch Immigration könne eine Lösung darstellen, wie das Beispiel Großbritanniens zeige. Allerdings scheuten sich viele europäische Länder davor, ausländische Arbeiter einzulassen. Derzeit werde im Rahmen der französischen Ratspräsidentschaft auf EU-Ebene ein Einwanderungs- und Asylabkommen diskutiert. Dieses werde in der Tat strenge Regelungen zur Immigration festlegen, die dann in allen Mitgliedstaaten anzuwenden seien. Man wolle damit gegen die zunehmenden Migrationsströme nach Europa angehen (EURACTIV 07/07/08).
