Bulgarien: Kaum genug zum Leben

Der durchschnittliche Stundenlohn in Bulgarien beträgt inzwischen nur noch 2,40 Euro, verglichen mit 13,20 Euro in der Gesamt-EU. [Belish / Shutterstock]

Da die monatlichen Lebenshaltungskosten für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern in Bulgarien mittlerweile bei 1.300 Euro liegen, sind 65 Prozent der Bevölkerung derzeit nicht oder kaum in der Lage, ihre Lebenshaltungskosten zu decken. Das geht aus dem Jahresbericht des bulgarischen Verbands der unabhängigen Gewerkschaften hervor.

Um die Lebenshaltungskosten für eine vierköpfige Familie mit zwei Erwachsenen ausreichend zu decken, müsste jeder der beiden Erwachsenen ein monatliches Nettoeinkommen von mindestens 650 Euro erzielen.

Dem Bericht der Gewerkschaften zufolge werden in 22 Prozent der bulgarischen Haushalte (1,6 Millionen Menschen) jedoch nur bis zu 185 Euro pro Haushaltsmitglied und Monat verdient. Das ist also deutlich weniger, als für einen angemessenen Lebensstandard nötig wäre. Die betroffenen Personen liegen damit unterhalb der absoluten Armutsgrenze im ärmsten EU-Land.

Weitere 43 Prozent der Haushalte (3,1 Millionen Menschen) haben ein Monatseinkommen, das zwischen dieser Armutsgrenze und den Mindestkosten für den Lebensunterhalt liegt. Lediglich die restlichen 35 Prozent erzielen demnach Einkommen von über 650 Euro pro erwachsenem Haushaltsmitglied.

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Der durchschnittliche Stundenlohn in Bulgarien beträgt inzwischen nur noch 2,40 Euro, verglichen mit 13,20 Euro in der Gesamt-EU.

Ein drastischer Rückgang des Durchschnittslohns wurde kürzlich vor allem in Branchen beobachtet, die direkten wirtschaftlichen Schaden durch die COVID-19-Pandemie erlitten haben, so die Wirtschaftsexpertin Violeta Iwanowa.

In der Tourismusbranche sei der Durchschnittslohn im vergangenen Jahr entsprechend um 29,4 Prozent eingebrochen, während die Zahl der Beschäftigten um 40,3 Prozent zurückging. In der bulgarischen Luftverkehrsbranche seien die Löhne derweil um 28 Prozent und die Zahl der Beschäftigten um 19 Prozent gesunken.

[Bearbeitet von Tim Steins] 

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