Der Bürgerkrieg in Syrien zwingt immer mehr Menschen zur Flucht. Die Balkanstaaten verstärken den Grenzschutz, um möglichst viele Syrer an der Einreise zu hindern. Derweil gibt es Kritik an den Zuständen in den überfüllten Flüchtlingsunterkünften.
Als Reaktion auf die steigenden Flüchtlingszahlen macht Bulgariens die Grenzen dicht. "Wir führen ständig Operationen durch", sagt Svetlozar Lazarov, Generalsekretär des Bulgarischen Innenministeriums. "Wir setzen Streitkräfte und militärisches Gerät an den Grenzen ein. Außerdem haben wir die Luftraumüberwachung verstärkt."
Trotzdem sind die Flüchtlingsunterkünfte maßlos überfüllt. Etliche Syrer wurden deshalb in Haftlagern überstellt, in denen sie monatelang eingesperrt sind. Die bulgarische Regierung stellt diese Woche umgehend zusätzliche 287.000 € zur Verfügung, um die Kapazitäten in den regulären Flüchtlingsunterkünften um 500 Plätze aufzustocken.
Flüchtlingszahlen steigen
Millionen von Menschen hat der Krieg in Syrien bisher in die Flucht getrieben. Zwei Millionen von ihnen haben bisher Schutz in der Türkei, Libanon, Jordanien und im Irak gefunden. Jetzt versuchen vermehrt Flüchtlinge über Mazedonien, Bulgarien oder Serbien nach Westeuropa zu gelangen.
In Bulgarien, dem westlichen Nachbarn der Türkei und ärmsten Mitglied der EU, sind die Zahlen der Asylbewerber in die Höhe geschossen: von 85 in 2011 und 449 in 2012 auf bereits 855 Flüchtlinge in diesem Jahr. Auch Rumänien verzeichnet mit 640 Asylbewerbern einen Anstieg in der ersten Jahreshälfte von 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Boris Cheshirkov, Sprecher des bulgarischen Büros des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) kritisiert den Umgang der Regierung in Sofia mit den Migranten. "In den Haftlagern leben die Flüchtlinge wie im Gefängnis." Doch auch die Zustände in den regulären Aufnahmezentren seien prekär: Die Migranten müssten mit lediglich 65 Levs pro Monat auskommen. Das sind weniger als ein Euro pro Tag für Kleidung und medizinische Versorgung.
Ein Aufnahmezentrum für Flüchtlinge liegt in der bulgarischen Stadt Lubimets, 30 Kilometer entfernt von der Grenze zu der Türkei. Unter den 270 Heimbewohnern sind 143 Syrer. In einigen Zimmern wohnen bis zu acht Familien. "Das ist kein Ort für Kinder", sagt Heimpsychologin Iskra Kasheva. Der Aufenthalt könne sogar die geistige Entwicklung beeinträchtigen. "Es ist kein Geheimnis dass die Flüchtlingsheime zu 120 Prozent überfüllt sind – sie können nirgendwo anders hin."
Erpressungen durch Schlepperbanden und Polizeigewalt
Mit steigenden Flüchtlingszahlen nach Europa floriert auch das Geschäft von Schleppern. Sie verlangen zwischen wenigen hundert Euro bis zu 3.000 Euro für den Transport über die Grenze.
In Serbien, wo dieses Jahr die meisten Asylbewerber aus Syrien stammen, berichteten mehrere Betroffene zudem von Gewalt durch Polizisten in Mazedonien – Griechenlands nördlicher Nachbar – und Raubüberfällen durch Mafiabanden.
Die serbische Polizei gibt den Flüchtlingen nach der Erfassung lediglich 72 Stunden Zeit, um eins der Aufnahmezentren im Land zu erreichen und einen Asylantrag zu stellen. Viele von ihnen fliehen weiter über die Grenzen in die EU-Mitgliedsstaaten Ungarn und Kroatien. Leicht macht es die serbische Regierung den Menschen jedoch nicht: Neben der regulären Grenzpolizei setzt sie allein an der 113 Kilometer langen Grenze zu Mazedonien rund 30 Sicherheitskräfte ein.
EURACTIV.com/dsa
Links
EURACTIV Brüssel: Syrian refugees flock to Europe’s doorstep (2. September 2013)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
EU-Grenzschutz: Flüchtlinge abwehren statt retten? (30. August 2013)
EU-Asylpolitik: "Kein Wille zur Besserung" (Interview mit Franziska Vilmar, 21. August 2013)
"Alarmierende Situation vor den Toren Europas" (14. August 2013)

