IS reklamiert Anschlag in Istanbul für sich

Die Terrormiliz des Islamischen Staates (IS) hat sich zu dem Silvesteranschlag in Istanbul bekannt. [Foto: Day Donaldson/Flickr]

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zum Anschlag auf einen bekannten Nachtclub in Istanbul für sich reklamiert.

Der Schütze sei ein „heldenhafter Soldat des Kalifates“, teilte die Organisation gestern über den Messaging-Dienst Telegram mit. Die türkische Regierung erklärte, die Ermittler stünden kurz davor, die Identität des flüchtigen Täters zu klären. Es seien unter anderem „Fingerabdrücke des Terroristen“ gefunden worden, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus. In der Silvesternacht hatte der Attentäter das Feuer auf Gäste des Clubs „Reina“ am Bosporus eröffnet und mindestens 39 Menschen erschossen, darunter viele Ausländer. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin kamen zwei Opfer aus Deutschland. Eines habe die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit, ein weiteres Opfer nur die türkische. Bei dem Deutsch-Türken handelt es sich nach Angaben der bayerischen Polizei um einen 26-Jährigen aus dem Kreis Landsberg am Lech. Unter den Dutzenden Verletzten sind auch drei aus Deutschland.

Kurtulmus bestätigte, dass acht Personen nach dem Anschlag festgenommen worden seien. Es sei klar, dass der seit August laufende Einsatz des türkischen Militärs im Nachbarland Syrien Terrorgruppen und ihre Drahtzieher ärgere. Aber die Offensive werde weitergehen, bis alle Bedrohungen für die Türkei beseitigt seien, sagte Kurtulmus. Der Anschlag in der Silvesternacht unterscheide sich von früheren Attentaten und solle die Gesellschaft in der Türkei spalten.

Das Land wird immer wieder von Anschlägen des IS und kurdischer Extremisten erschüttert. Die Streitkräfte des Nato-Staates versuchen im Moment in Nordsyrien, Aufständische des IS und kurdischer Gruppen von der Grenze zurückzudrängen. Bei der Offensive wurden seit Sonntag nach Angaben der Armee 22 Dschihadisten unter anderem durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss getötet.

Den Anschlag in Istanbul begründete der IS damit, dass die Türkei „Schutzherrin des Kreuzes“ sei. Das Blut von Muslimen, das mit Hilfe von Flugzeugen und Artillerie vergossen werde, entfache in der Türkei selbst ein Feuer, erklärte der IS weiter.

Zeugen zufolge benutzte der Täter ein Schnellfeuergewehr und rief „Allahu akbar“ (Allah ist groß). Die Polizei fahndet nach dem Mann und veröffentlichte ein Foto des Verdächtigen, das von einem Überwachungsvideo stammt. Der Zeitung „Hürriyet“ zufolge gehen die Behörden davon aus, dass der Täter Verbindungen zum IS hat und aus einem zentralasiatischen Land stammt. Das Blatt „Habertürk“ berichtete, am Tatort seien sechs leere Magazine gefunden worden. Demnach gab der Täter wohl mindestens 180 Schüsse ab.

Razzien gegen Islamisten

Die türkischen Behörden gehen nach eigenen Angaben massiv gegen die Dschihadisten in der Türkei vor. So seien innerhalb einer Woche 147 Verdächtige wegen mutmaßlicher Verbindungen zum IS festgenommen worden, teilte das Innenministerium mit. Gegen 25 von ihnen sei Haftbefehl erlassen worden.

Im Nachbarland Syrien will die Türkei unter anderem die vom IS beherrschte Stadt Al-Bab einnehmen und belagert den Ort gemeinsam mit verbündeten Rebellen. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, den IS auch aus Rakka zu vertreiben. Die Stadt ist in Syrien faktisch die Hauptstadt der Islamisten.

Auch im benachbarten Irak steht der IS unter Druck. Dort versucht die irakische Armee mit internationaler Hilfe, den IS aus der Millionenstadt Mossul zu vertreiben. Die Dschihadisten leisten jedoch erbitterten Widerstand und überziehen das Land mit einer Anschlagswelle. Erst am Montag tötete eine Selbstmordattentäter im Bagdader Stadtteil Sadr-Stadt 24 Menschen. Der IS bekannte sich auch zu diesem Anschlag über sein Sprachrohr Amak.

 

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