Anschlag in Berlin: Polizei fahndet offenbar nach Tunesier

Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den BVB-Bus tappen die Ermittler weiter im Dunkeln.

Nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt fahndet die Polizei weiter nach dem Täter. Der IS hat sich unterdessen zu dem Angriff bekannt. Führende internationale Politiker verurteilten den Anschlag und zeigten sich solidarisch mit den Opfern.

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Laut Medienberichten fahndet die Polizei derzeit nach einem Tunesier in Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Montag. Das berichteten unter anderem Bild.de sowie Spiegel Online. Dem Spiegel zufolge fanden die Ermittler in dem für die Tat benutzten Lkw ein Ausweisdokument.

Dabei handele es sich offenbar um eine Duldungsbescheinigung. Diese sei auf einen tunesischen Staatsbürger namens Anis A. ausgestellt, der 1992 in der Stadt Tataouine geboren worden sei. Auch die Allgemeine Zeitung aus Mainz berichtete von dem Dokumentenfund. Das Papier habe im Fußraum des Führerhauses gelegen. Demnach wurde das ausländerrechtliche Dokument im Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen ausgestellt.

Zuvor hatte der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), André Schulz, bereits gesagt, er rechne mit einem baldigen Ermittlungserfolg. „Ich bin relativ zuversichtlich, dass wir vielleicht schon morgen oder in naher Zukunft einen neuen Tatverdächtigen präsentieren können“, sagte Schulz.

„Viele Dinge können wir in der jetzigen Phase nicht verraten“, sagte der Kriminalpolizist. „Aber wir haben sehr viele Ansatzpunkte.“ Neben vielen Zeugenaussagen werteten die Ermittler derzeit unter anderem DNA-Spuren, Fingerabdrücke und „Telekommunikationsspuren“ aus.

So werde anhand der GPS-Daten aus den Mobilfunknetzen entlang der Route des für die Tat genutzten Lkw und am Tatort nach dem Handy des Täters gesucht. Auf dieser Grundlage könne dann ein Bewegungsbild erstellt werden. Auch gebe es ein „Zusammenspiel“ mit inländischen und ausländischen Geheimdiensten. „Wir sind jetzt in der heißen Phase der Ermittlungen“, sagte der BDK-Vorsitzende. „Wir haben viele Möglichkeiten, um die Person auch zu finden.“

IS bekennt sich zu Anschlag

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat sich unterdessen zu dem Anschlag bekannt. Der Angriff sei von einem „Soldaten des Islamischen Staats“ verübt worden, erklärte der IS über sein Sprachrohr Amaq. Die tatsächliche Motivation des Täters oder der Täter ist allerdings weiterhin unklar.

Der Generalbundesanwalt hatte mitgeteilt, dass ein am Montagabend nach dem Anschlag festgenommener Verdächtiger wieder freigelassen wurde. „Die bisherigen Ermittlungsergebnisse ergaben keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten“, hieß es in einer Erklärung. Der oder die Täter sind demnach noch auf freiem Fuß.

Im Inneren der Gedächtniskirche fand am gestrigen Abend eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt statt.

Im Inneren der Gedächtniskirche fand am gestrigen Abend eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt statt.

Auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche nahe des Kurfürstendamms waren am Montag elf Menschen getötet und 45 weitere zum Teil schwer verletzt worden, als ein Lkw in die Menge raste. Außerdem wurde ein Pole tot in dem Fahrzeug gefunden. Bei ihm soll es sich um den ursprünglichen Fahrer des Lastwagens handeln. Er wurde erschossen, sein Fahrzeug anscheinend gestohlen.

Internationale Anteilnahme

„Die Franzosen teilen die Trauer der Deutschen angesichts dieser Tragödie, die ganz Europa trifft“, erklärte der französische Präsident François Hollande. In einem Telefonat sicherte er Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Solidarität Frankreichs zu. Gleichzeitig versprach er laut seinem Büro einen bedingungslosen Kampf gegen den Terror, ohne jedoch die „Werte und die Lebensweise“ der westlichen Demokratien zu beeinträchtigen.

Auch US-Präsident Barack Obama drückte Merkel in einem Telefonat seine „tiefe Anteilnahme“ aus. Der Bundesregierung zufolge sicherte Obama der Bundeskanzlerin die Unterstützung der USA zur Aufklärung der Hintergründe der Tat zu. Laut dem Weißen Haus erklärte der US-Präsident zudem, dass „kein Angriff uns und unsere deutschen Verbündeten in unserer Entschlossenheit schwanken lässt, den Terrorismus in all seinen Ausprägungen zu besiegen“.

#Breitscheidplatz: Festgenommener Verdächtiger wieder frei

Ein Lkw ist in einen Berliner Weihnachtsmarkt gefahren. Zwölf Menschen wurden getötet. Innenminister de Maizière spricht nun klar von einem Anschlag. Die Bundeskanzlerin will den Tatort heute besuchen.

Obamas Nachfolger Donald Trump gab zu verstehen, noch bevor die deutschen Behörden offiziell von einem Anschlag ausgingen, „islamistische Terroristen“ hätten die Tat begangen. „Unschuldige Zivilisten wurden auf der Straße ermordet, als sie sich auf das Weihnachtsfest vorbereiteten“, erklärte Trump.

„Islamistische Terroristen schlachten fortwährend Christen in ihren Gemeinden und Andachtsorten ab als Teil ihres globalen Dschihad“, fügte Trump hinzu. „Diese Terroristen und ihre regionalen und weltweiten Netzwerke müssen vom Angesicht der Erde ausgelöscht werden, eine Mission, die wir mit allen freiheitsliebenden Partnern ausführen werden.“

Juncker zeigt sich „erschüttert“

Der russische Staatschef Wladimir Putin erklärte unterdessen: „Dieses gegen friedliche Zivilisten verübte Verbrechen schockiert durch seine Brutalität und seinen Zynismus.“ Dem Kreml zufolge kondolierte er Merkel sowie Bundespräsident Joachim Gauck.

Auch Polens Ministerpräsidentin Beata Szydlo sprach „der deutschen Nation“ ihr Beileid aus. Europa müsse vereint „gegen den Terrorismus kämpfen“ und „effiziente Maßnahmen für die Verteidigung seiner Bürger“ ergreifen.

„Dieser Anschlag auf unschuldige Menschen in der Weihnachtszeit muss als Angriff auf die Werte der westlichen Gesellschaft verstanden werden“, erklärte der israelische Botschafter in Berlin, Yakov Hadas-Handelsman. Israel stehe in diesen schweren Stunden an der Seite Deutschlands. „Terror darf niemals unser Leben bestimmen.“

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte, er und die gesamte EU-Kommission seien „erschüttert“. Die Angegriffen hätten sich auf dem Weihnachtsmarkt aufgehalten, „um die Vorweihnachtszeit zu feiern, die viele mit Besinnlichkeit und Frieden verbinden“.

EU-Ratspräsident Donald Tusk versprach Europas Hilfe. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte: „Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und ihren Familien.“ EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) beklagte die „schrecklichen Nachrichten“ aus Berlin.

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