Gaspipelines als europäische Schlüsselprojekte

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Wird die Nabucco Pipeline realisiert oder könnte sie scheitern? Foto: www.nabucco-pipeline.com

Noch liegen zwei Angebote des Nabucco-Konsortiums auf dem TischNabucco wird gelegentlich schon für tot erklärt, jüngste Austrittssignale aus Ungarn und aus der RWE-Zentrale in Essen haben dazu beigetragen. In einem Standpunkt für EURACTIV.de meldet sich nun Nabucco mit einem Lebenszeichen, verweist auf seine zwei Tarifangebote und ist zuversichtlich über seine Realisierungschancen, sobald über die Pipelines entschieden wird.

Gemeinsam mit erneuerbarer Energie ist Erdgas der Energieträger für die nachhaltige Energieversorgung der Zukunft. Die zentrale Bedeutung von Erdgas lässt sich dabei an den derzeit laufenden Verhandlungen rund um die Realisierung der Nabucco Pipeline ablesen. Wird sie realisiert oder könnte sie scheitern? Das ist eine Frage, die in der Öffentlichkeit derzeit von Experten und Laien gleichermaßen leidenschaftlich diskutiert wird.

Eines vorweg: Basierend auf unserem detaillierten Wissen über unser Projekt sind wir der Überzeugung, dass Nabucco realisiert und erfolgreich in Betrieb gehen wird. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die großen Wirtschaftsräume Westeuropas und die aufstrebenden Volkswirtschaften in der Türkei und in Südosteuropa  suchen nach einer Erweiterung der Gasbezugsmöglichkeiten, um die notwendigen steigenden Gasimporte zu bewältigen und eine gesteigerte Bezugsvielfalt zu erreichen. So entstehen neue Geschäftsfelder und neue Arbeitsplätze. Das Wirtschaftswachstum wird angekurbelt.

Die Nabucco-Gaspipeline ist dazu das europäische Schlüsselprojekt. Nabucco wird mit einer modernen, leistungsfähigen Infrastruktur die Länder der Kaspischen Region mit der Türkei und mit Europa verbinden. Damit haben europäische Gaskonsumenten erstmals Zugang zu neuen Gasquellen in der Kaspischen Region und im Mittleren Osten. Das schafft eine stabile Versorgungsgrundlage für Südosteuropa und bringt mehr Wahlfreiheit für Gasbezieher.

Durch die direkte Verbindung Nabuccos mit der europäischen Gasdrehscheibe in Baumgarten bei Wien können Gasproduzenten die stärkste Wirtschaftsregion der Welt mit rund 400 Millionen Konsumenten erreichen. So entsteht eine nachhaltige Win-Win-Situation, die auch den Produzenten eine gesicherte Absatzbasis für die stetige Erweiterung der  Förderungskapazität ermöglicht.

Die Entwicklung der Pipeline ist weit fortgeschritten. Die Nabucco-Gesellschaften wurden in allen fünf Transitländern errichtet und mit Personal ausgestattet. Die komplexen Ingenieursarbeiten für Design und Routenplanung sind beinahe abgeschlossen. Die erforderlichen Umweltverträglichkeitsprüfungen sind in allen Transitländern im Gange. Zur  Sicherstellung der Finanzierung des Projekts werden intensive Gespräche mit der Europäischen Investitionsbank, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung sowie mit der Weltbank in Washington und mit Exportförderbanken geführt.

Die Nabucco-Umsetzung basiert auf einer einzigartigen stabilen rechtlichen Grundlage. Der ratifizierte Staatsvertrag zwischen den Transitländern, der 2009 in Ankara unterzeichnet wurde, hat eine Laufzeit von 50 Jahren. Er schafft eine stabile Basis für die Transportkonditionen über alle Grenzen hinweg, garantiert transparente Zugangskriterien für Transportkunden und steht im Einklang mit Europäischem Energierecht. Mit dem Abkommen verpflichten sich die Staaten auch zur langfristigen politischen Unterstützung. Die jüngste Entscheidung von Bulgarien und der Türkei, Nabucco in den Status eines Nationalen Projektes zu erheben, unterstreicht dies und beschleunigt die Umsetzung.

Die Verhandlungen der Nabucco-Anteilseigner mit den Produzenten in Aserbaidschan befinden sich derzeit in einer entscheidenden Phase. Zwei Tarifangebote des Nabucco-Konsortiums – eine für die gesamte Strecke mit Start an der türkisch-georgischen Grenze und ein Nabucco-West-Angebot, mit Start an der bulgarisch-türkischen Grenze – liegen auf dem Tisch.

In beiden Varianten bietet die Pipeline ein attraktives kommerzielles Gesamtpaket für Produzenten und Transportkunden, die Entscheidung liegt jetzt bei den Gasproduzenten. Am Ende werden sich die Marktteilnehmer für das kommerziell nachhaltigste Projekt entscheiden. Daher sind wir davon überzeugt, dass Nabucco alsbald umgesetzt werden kann. 

Zum Autor

Christian Dolezal (Wien) ist Head of Corporate Communications der Nabucco Gas Pipeline International GmbH

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