Viktor Orbán und sein ungarischer Paprika für Nabucco

Premier Viktor Orbáns Abkehr von Nabucco. Foto: Der Rat der Europäischen Union.

Der Regierungschef aus Budapest brachte ungarischen Paprika ins Nabucco-Projekt, als er den Rückzug des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL aus Nabucco ankündigte. Viktor Orbáns Vorpreschen war für viele überraschend.

Viktor Orbán brachte etwas ungarischen Paprika ins Nabucco-Projekt. Ende April kündigte der Budapester Regierungschef vor Journalisten in Brüssel den Rückzug des ungarischen Öl- und Gaskonzerns MOL aus Nabucco an. "Ich bin kein Experte für die Details, aber soweit ich gesehen habe, wird das ungarische Unternehmen MOL das Projekt verlassen."

Diese Ankündigung kam mehrfach überraschend. Zunächst war sie überraschend, weil Orbán noch 2011 während seiner ungarischen EU-Ratspräsidentschaft ausdrücklich für die Realisierung dieser Variante war.

Überraschend auch deshalb, weil er Nabucco nach wie vor für wichtig hält, um die einseitige Abhängigkeit des Landes in der Energieversorgung zu beseitigen. Zur Zeit ist Ungarn in hohem Maß von russischen Gaslieferungen abhängig. Binnen drei Jahren will die ungarische Regierung diese hohe Abhängigkeit beenden.

Und nicht zuletzt war sie deshalb überraschend, weil offenbar nicht einmal die MOL-Spitze selbst, geschweige denn die Partnerunternehmen vom Vorpreschen informiert waren. Orbán hatte sich für die Ankündigung nicht das Einverständnis der MOL-Chefs geholt.

Die MOL-Spitze beeilte sich am Tag danach mit einer Erklärung in Form einer Presseaussendung. Sie verwies auf "mehrere Unsicherheiten", unter anderem auf den verschobenen Baubeginn und den dadurch späteren Lieferbeginn. Darauf folgte eine Pressekonferenz.

"Wir haben signalisiert, dass wir bereit sind, unsere Anteile wenn nötig zu verkaufen", sagte MOL-Aufsichtsratschef Zsolt Hernadi und verwies auf die hohen Kosten. Demnach habe Nabucco die Ungarn bisher 20 Millionen Euro gekostet. Die weitere Finanzierung sah er auf wackeligen Beinen.

Die Betreibergesellschaft NIC (Nabucco International Company) sieht Nabucco durch die MOL-Ankündigung nicht gefährdet. Sollte es dabei bleiben, könnten demnach die ungarischen Anteile von den anderen Partnern übernommen werden. OMV-Chef Gerhard Roiss sähe in einem Ausstieg der MOL keine Tragödie.

Dem "Projekt des Jahrhunderts" gehe es "besser als je zuvor". Das Schicksal von Nabucco hänge nicht davon ab, "wie der ungarische Regierungschef heute darüber denkt", so Roiss.

Auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger relativierte: "Ungarn ist bedeutend und wichtig, spielt aber nicht die Hauptrolle." Die EU hält nach wie vor am Projekt fest. 

Das Nabucco-Konsortium selbst sieht seine Gaspipeline, die direkte Verbindung von der Kaspischen Region und dem Mittleren Osten zur europäischen Gasdrehscheibe in Baumgarten bei Wien, weiterhin als das europäische Schlüsselprojekt.


Max Malik

Im Vorfeld eines BP-Forums zum Thema "Erdgas aus Aserbeidschan – Chancen für die Energieversorgung Euopas", das am 24. Mai in Berlin stattfindet, bringt EURACTIV.de eine Serie von Artikeln und Standpunkten. Die Serie wird am Montag fortgesetzt.


Links:

?
Bisher erschienen:

EURACTIV.de: Hochspannung vor dem Finale  (15. Mai 2012)

EURACTIV.deEuropas Prestigeobjekt des Südlichen Korridors (16. Mai 2012)

Abonnieren Sie unsere Newsletter

Abonnieren