Schmetterlingssterben bedroht Ökosysteme

Wiesenschmetterlinge fühlen sich auf artenreichen Blumenwiesen wohl. Die intensiv genutzten, monotonen Grünflächen Europas behagen ihnen nicht. Auch Pestizide machen ihnen das (Über)Leben schwer. Foto: Chris van Swaay, Dutch Butterfly Conservation

Umweltexperten sind alarmiert: In den letzten 20 Jahren ist der Schmetterlingsbestand auf Europas Wiesen dramatisch zurückgegangen. Der Verlust an Biodiversität bedroht die natürlichen Ökosysteme und die Landwirtschaft. Schuld sind intensive Bodennutzung, Pestizide und die Landflucht, so ein aktueller Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA).

Nach dem Bienensterben warnen Experten nun auch vor dem Exitus der Schmetterlinge: Zwischen 1990 und 2011 brach die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte ein. Der Rückgang könnte schwerwiegende Auswirkungen auf die Biodiversität in Wiesenlandschaften haben, hält die Europäische Umweltagentur (EEA) in ihrem jüngsten Bericht fest.

"Der dramatische Rückgang an Wiesenschmetterlingen sollte die Alarmglocken läuten lassen. Europas Wiesen schrumpfen generell. Wenn wir es nicht schaffen, diese Lebensräume zu erhalten, könnten wir viele dieser Arten für immer verlieren. Wir müssen uns der Bedeutung von Schmetterlingen und anderer Insekten bewusst werden, denn deren Populationen sind entscheidend für natürliche Ökosysteme und auch für die Landwirtschaft", warnt EEA-Direktor Hans Bruyninckx.

Schmetterlinge spielen wie Bienen eine wichtige Funktion bei der Blütenbestäubung. Darüber hinaus sind sie ein Indikator für die Gesundheit der Grünland-Ökosysteme. Ihr Bestand korreliert stark mit anderen Insektenarten. Geht der Schmetterlingsbestand zurück, kann man davon ausgehen, dass die Population und die Vielfalt anderer Insektenarten ebenfalls sinken.

Dank der über viele Jahre gesammelten Daten seien Schmetterlinge nach Vögeln die verlässlichsten Indikatoren für die Biodiversität, bestätigt Chris van Swaay von der Dutch Butterfly Conservation gegenüber EURACTIV Brüssel.

Zu einseitig, zu intensiv

Der am Dienstag (23. Juli) veröffentlichte EEA-Bericht mit dem Titel "The European Grassland Butterfly Indicator: 1990–2011" nennt zwei Hauptursachen für den Trend: Einerseits wurde in den letzten Jahrzehnten die Landwirtschaft in flachen und einfach zu bewirtschaftenden Gebieten stark intensiviert. Dies führt zu riesigen sterilen und eintönigen Grasflächen, die Insekten im Allgemeinen und Schmetterlingen im Speziellen wenig Lebensraum bieten. Die Insekten leiden zudem stark unter dem Einsatz von Pestiziden.

Andererseits wurden insbesondere im östlichen und südlichen Europa weite Grünflächen in hügeligen und gebirgigen Gebieten aufgegeben. Die brachliegenden Flächen überwuchern mit der Zeit, was sich ebenfalls negativ auf die Artenvielfalt auswirkt. "Jungfarmer verlassen ihre Dörfer und ziehen in die großen Städte. Das zurückgelassene Land verwildert", erklärt Swaay.

Die EU tut zu wenig

Die Bauern verlassen ihre Heimat meistens aus sozio-ökonomischen Gründen: Böden mit geringer Produktivität generieren weniger Einkommen. Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU bietet dabei wenig bis keine Unterstützung. Von der GAP wünscht sich Swaay deshalb eine Kombi-Lösung – Unterstützung für lokale Bauern in Europas ärmeren Regionen und gleichzeitig den Schutz der Biodiversität. "Die GAP schenkt der Natur in der kommenden siebenjährige Periode mehr Aufmerksamkeit, aber es ist immer noch nicht genug", ist Swaay überzeugt.

EURACTIV/pat

Links

EU-Report: ‚Dramatic‘ butterfly decline impacts on other species (23. Juli 2013)

Europäische Umweltagentur (EEA): The European Grassland Butterfly Indikator: 1990-2011

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