EU-Energiekommissar Günther Oettinger will neue Reduktionsziele für CO2-Emissionen für 2030, aber nur in Kombination mit neuen EU-Vorgaben für Erneuerbare. Sonst sei die Kernenergie im Vorteil bei der Energiewende.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger unterstützt die neu gegründete Initiative von Unternehmen der Erdgas-Branche und der Erneuerbaren "The Energy Partnership – The European Coalition for Renewable Energy and Gas". Die Lobby-Allianz tritt für einen europäischen Energiemarkt ein, in dem erneuerbare Energien und Erdgas komplementär eingesetzt werden. Gründungsmitglieder der Energy Partnership-Initiative sind Alpine Energie, Dong Energy, First Solar, GE and Shell.
Energiepartnerschaft
Die Unternehmen wollen sich für Politikansätze einsetzen, die eine integrierte und komplementäre Nutzung von Erdgas und Erneuerbaren ermöglichen. Beide Energieträger könnten eine entscheidende Rolle für den "Energiefahrplan 2050" spielen, argumentieren die an der Initiative beteiligten Unternehmen. Sie gehen davon aus, dass beide Technologien mindestens bis 2030 hochgradig komplementär sind.
Die Unternehmen der Initiative weisen darauf hin, dass Erdgas kohlenstoffarme und flexible Energie liefere und dazu beitragen könne, die schwankende Energieversorgung durch erneuerbare Energieträger wie Windkraft oder Photovoltaik auszugleichen.
Oettingers Kombi-Ansatz
Bei der Konferenz zum offiziellen Start der Initiative sprach sich Kommissar Oettinger für die Festlegung neuer, verbindlicher EU-Vorschriften zu CO2-Emissionen und den erneuerbaren Energien für 2030 aus. "Ich denke wir brauchen neue Reduktionsziele für CO2-Emissionen." Diese Ziele sollten "2030 vielleicht mehr als 20 oder 30 Prozent betragen", so Oettinger am Mittwoch (31. Oktober) in Brüssel. "Ich denke auch, dass wir verbindliche Ziele für die Erneuerbaren brauchen. Denn falls wir nur verbindliche Reduktionsziele für CO2-Emissionen haben, dann ist Atomstrom besser", sagte Oettinger.
Kernenergie könne auch willkommen sein, so Oettinger, "aber wir brauchen eine klare Perspektive für erneuerbare Energien. Das bedeutet mehr Verpflichtungen und vielleicht besser koordinierte und stärker harmonisierte Fördermaßnahmen auf europäischer Ebene, anstatt nur 28 verschiedene nationale Fördermaßnahmen."
Widerstand gegen Energie-Klima-Paket
Dieser Kombi-Ansatz, bei dem die CO2-Emissionsreduktionsziele an den Ausbau der Erneuerbaren gekoppelt werden, ist in der Kommission umstritten und wird von einigen Mitgliedsstaaten abgelehnt. In etwa sechs Wochen wird die Kommission intern eine Mitteilung zu den Zielvorgaben für 2030 diskutieren, wobei um den Inhalt der Mitteilung offenbar noch gerungen wird.
Jasmin Battista, Mitglied in Oettingers Energie-Team, sagte bei einer Konferenz im Oktober, der Kommissar werde nur Kombi-Vorgaben für Erneuerbare und CO2-Emissionen zustimmen. Eine solche Paketlösung werde aber nicht von den Mitgliedsstaaten unterstützt.
Eine Woche zuvor hatte Jos Delbeke, Leiter der Generaldirektion Klima der Europäischen Kommission, bei einer anderen Konferenz in Brüssel erklärt, dass es vor 2015 kein solches Klima- und Energiepaket geben werde.
Michael Kaczmarek mit EURACTIV Brüssel
EURACTIV Brüssel: Oettinger backs new 2030 targets for CO2, renewables (2. November 2012)
Links
EU-Kommission: Roadmap 2050 – Energiefahrplan 2050
Thema auf EURACTIV.de
Emissionshandel: Kommission für Abbau des Zertifikate-Überschuss (2. November 2012)
"Wir sind nicht die Kostentreiber bei der Energiewende" (24. August 2012)
Oettinger kritisiert hohe deutsche Strompreise (14. August 2012)
Braunkohle als flexibler Partner der erneuerbaren Energien (14. August 2012)
"Oettinger steuert an nachhaltiger Energieversorgung vorbei" (15. Dezember 2011)

