Oettinger erwärmt sich für Offshore-Öl und Schiefergas

Eine "europäische Erneuerung" fordert EU-Kommissar Günther Oettinger von der deutschen Elite in Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Politik. Foto: EC

Europa ist abhängiger von Öl- und Gasimporten als die USA – entsprechend hoch sind die Energiepreise. EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnt vor den Nachteilen, wenn sich die EU-Länder ihre Optionen bei der Förderung von Schiefergas nicht ansehen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) erklärte am Dienstag in Brüssel, dass die EU im Wettbewerb mit den USA und anderen Industrieländern drei Nachteile habe: Die größere Abhängigkeit von Öl- und Gas-Importen und entsprechend höhere Energiepreise.

"In den USA gibt es einen Prozess, das Land zuerst mittels Öl zu reindustrialisieren", so Oettinger. "Sie akzeptieren einige Risiken mit Offshore-Bohrungen auf der Suche nach eigenen Ressourcen im Golf von Mexiko." Washington biete zudem eine niedrige Eingangsbesteuerung.

Im Gegensatz dazu importiert die EU Öl und hat eine hohe Besteuerung. Oettinger zufolge hätten der europäische Transport- und Industriesektor daher Nachteile.

Der niederländische EU-Abgeordnete Gerden-Jan Gerbrandy (ALDE) bezeichnete Oettingers Worte als "sehr interessantes Zitat eines Energiekommissars, der auch langfristige Ziele für Erneuerbare Energien hat".

Die EU hat sich für den Zeitraum bis 2020 eine Reihe von Energie- und Klimaschutzzielen vorgenommen: Senkung der Treibhausgasemissionen um 20 Prozent, Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent und Verbesserung der Energieeffizienz um 20 Prozent.

Europas Energieverbände und die EU-Generaldirektion Energie sind jedoch zunehmend unruhig über die Kosten von Klimaschutzmaßnahmen in Zeiten einer Rezession.

Die Brüsseler Gesetzgebung, um Ölsande als stark umweltbelastend zu klassifizieren, steht derzeit in der Warteschleife. Oettingers Generaldirektion veröffentlichte im Oktober 2011 einen Vorschlag, um die Sicherheit bei Offshore-Bohrungen nach Öl und Gas zu verbessern.

EU-Abgeordnete bemühen sich darum, den Vorschlag mittels der Einbeziehung weiterer Aspekte zu stärken. "Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat deutlich gemacht, dass wir zur Zeit zu viele Risiken eingehen", sagte Gerbrandy gegenüber EURACTIV. "Es ist eine sehr beunruhigende Entwicklung, wenn das Ölunternehmen Shell nun plant, mit Bohrungen im extrem empfindlichen Ökosystem der Arktis zu beginnen."

"Wir sollten unser Geld für die weitere Entwicklung von Erneuerbaren Energien ausgeben, anstatt nach den letzten Tropfen Öl auf der Welt in den extremsten Orten zu suchen", so Gerbrandy.

Auch Schiefergas ist ein strittiges Thema in Europa. Länder wie Polen und Großbritannien haben es in ihre Energiestrategien mit aufgenommen. Bulgarien und Frankreich haben das sogenannte Fracking aus Sorge vor Erdbeben, Süßwasserkontamination und anderen Gefahren verboten. Anfang dieses Jahres stellte ein EU-Bericht fest, dass keine weitere Gesetzgebung zum Abbau von Schiefergas notwendig sei.

Gerbrandy sagt jedoch: "Es gibt noch zu viele Unsicherheiten über die ökologischen Kosten, um unser Geld auf Schiefergas zu setzen."

Oettinger argumentiert, dass die USA derzeit etwa 30 Prozent des europäischen Gaspreises zahlen, nachdem sie ihre Abhängigkeit von billigen Importen aus Katar und Nigeria durch Schiefer reduzieren konnten. "Wir sind nicht wirklich aktiv, wenn es darum geht, sich die Risiken und Optionen ohne Schiefergas anzusehen", so der EU-Kommissar.

EURACTIV.com

Links

EURACTIV Brüssel: EU energy chief warms to offshore oil and shale gas (19. Juli 2012)

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