Neues Umweltgutachten: Kein Verbot von Fracking

In den USA ist Fracking seit 2005 auf dem Vormarsch, in Deutschland und Europa aber weiter hoch umstritten. Nun hat ein neues Gutachten die Umweltauswirkungen von Fracking untersucht. Foto: dpa

Die umstrittene Erdgasförderung „Fracking“ sollte nicht verboten werden. Zu diesem Schluss kommt ein aktuelles Gutachten des Umweltministeriums. Allerdings sollten Fracking-Vorhaben nur unter strengen Auflagen genehmigt und wissenschaftlich begleitetet werden.

Fracking ist eine umstrittene Erdgasförderung bei der mehrere tausend Tonnen zum Teil gefährlicher, giftiger, gesundheits- und umweltgefährdender Chemikalien pro km² Fläche zum Einsatz kommen können. Die unter Hochdruck ins Erdreich gepresste Flüssigkeit bricht erdgashaltiges Gestein auf und erschließt so unkonventionelle Lagerstätten, zum Beispiel Kohleflözgas. Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt haben die Umweltauswirkungen von Fracking in einem Gutachten untersuchen lassen. Das Ergebnis: Fracking soll nicht verboten werden. Aufgrund der gegenwärtigen Erkenntnislücken und der ökologischen Risiken empfiehlt das Gutachten aber strenge Auflagen für den Einsatz der Technologie sowie ein schrittweises Vorgehen, heißt es in der Mitteilung zum Gutachten. Die Gutachter plädieren unter anderem für ein Verbot von Erdgas-Fracking in Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten.

Bundesumweltminister Peter Altmaier begrüßte das Gutachten: "Die Ergebnisse und Empfehlungen des Gutachtens bringen uns in der Diskussion um Fracking ein großes Stück voran. Bevor Fracking zum Einsatz kommt, müssen sämtliche Bedenken ausgeräumt sein." Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes: "Den Vorschlag, eine obligatorische Umweltverträglichkeitsprüfung einzuführen, halte ich für besonders wichtig. Unsere Trinkwasserressourcen dürfen wir nicht gefährden".

Angesichts steigender Energiepreise und der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus Drittstaaten ist das Interesse an der Ausbeutung unkonventioneller Erdgasvorkommen gestiegen. Immer mehr Unternehmen sichern sich Felder zu deren Erschließung und starten Erkundungsvorhaben. In Deutschland ist das vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen der Fall.

Umweltschutzorganisationen wie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) warnen allerdings vor den Risiken des Fracking. Zu den Risiken zählt der NABU vor allem Belastungen des Grund- und Trinkwassers, der hohe Flächenverbrauch und die Zerstörung von Natur und Landschaft. "Der Goldgräberstimmung zur Ausbeutung fossiler Energien in Deutschland muss mit einem Fördermoratorium Einhalt geboten werden. Zunächst müssen alle Risiken für Mensch und Natur lückenlos erforscht und unter Beteiligung der Öffentlichkeit bewertet werden. Erst dann kann über eine Förderung entschieden werden", sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller anlässlich der UBA-Studie.

Bundesumweltminister Altmaier kündigte an, dass die im Gutachten formulierten Vorschläge nun intensiv zu prüfen und mit den Beteiligten zu diskutieren seien. "Ich bin zuversichtlich, dass wir eine für Alle akzeptable Lösung der Fracking-Problematik finden werden", so Altmaier.

Hintergrund

Nach Angaben des UBA (Stellungnahme zur Schiefergasförderung in Deutschland) wird das gezielte Aufbrechen des Gesteins durch hohen Druck seit den 1950er Jahren angewendet, in Deutschland in "tight gas"-Lagerstätten routinemäßig seit 1968. Für Schiefergaslagerstätten ist der Einsatz des Fracking-Verfahrens in den USA während der 1970er Jahre kommerziell zur Anwendung gekommen. Auf Grund neuer Technologien und gestiegener Rohstoffpreise gibt es dort seit 2005 einen regelrechten Boom bei der Gewinnung von Schiefergas mit mehreren tausend Bohrungen jährlich. In Deutschland wurden erste Fracks im Rahmen von Explorationsbohrungen durchgeführt, eine Gewinnung von Schiefergas erfolgt bislang noch nicht.

Auch in Europa gibt es Vorkommen von unkonventionellem Erdgas. Diese sind jedoch deutlich geringer als in anderen Regionen. Shale-Gasvorkommen finden sich insbesondere in Großbritannien, Deutschland und Polen, Tight-Gasvorkommen vor allem in Deutschland, der Tschechischen Republik, Slowakei und Ungarn. Kohleflözgasvorkommen sind vor allem in Deutschland und Polen zu finden. Wie in den USA wird auch in Deutschland die Exploration und Förderung unkonventioneller Erdgaslagerstätten mit der Zielsetzung betrieben, die derzeit auf 150 Milliarden m³ geschätzten Vorkommen zu erschließen.

Für Deutschland sind die Angaben zum unkonventionellen Erdgaspotenzial derzeit nicht verlässlich. Die Bundesregierung hat daher die Deutsche Rohstoffagentur das heimische Potenzial von Erdgas (und Erdöl) aus Tonsteinen (Schiefergas) zu erfassen. Erst mit Abschluss des Projektes Mitte 2015 wird dazu eine abschließende Bewertung vorliegen.

mka

Links


BMU und UBA:
Fracking nur mit strengen Auflagen zulassen (6. September 2012)

UBA: Stellungnahme zur Schiefergasförderung in Deutschland (Dezember 2011)

NABU: NABU warnt vor Risiken beim Fracking (6. September 2012)

Zum Thema auf EURACTIV.de

Yellow Paper: Hydraulic Fracturing auf dem Prüfstand (Juni 2012)

Oettinger: Gas-Fracking kann weitergehen (30. Januar 2012)

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