Hochspannung vor dem Finale: Welche Pipeline setzt sich durch?

Europa will unabhängiger von russischem Gas werden. Im Bild: Ölförderanlagen in Aserbaidschan. Das Land gilt für den Westen als Schlüsselpartner bei Energielieferungen vom Kaspischen Meer. Foto: dpa

Erdgas aus der Kaspischen Region soll so bald wie möglich und so wirtschaftlich wie möglich ins energiehungrige Europa geleitet werden. Drei Optionen stehen zur Entscheidung an. Das Finale sorgt für Hochspannung.

Die drei Optionen sind: die Transadria Pipeline (TAP), die nach Italien führen soll, Nabucco West (von der türkisch-europäischen Grenze durch Osteuropa nach Westeuropa und Südosteuropa) sowie die South East Europe Pipeline (SEEP), die Gas durch Ungarn, Bulgarien und Rumänien leiten soll.

Bis Ende Juni 2012, also in wenigen Wochen, wird die Entscheidung fallen, ob sich Nabucco West oder die SEEP als südosteuropäische Pipeline durchsetzen. Die dann bevorzugte Leitung steht dann noch in Konkurrenz mit der TAP. Spätestens im Juni 2013 legt das Shah-Deniz-Konsortium auch diese Entscheidung fest, dann ist die Route endgültig ausgewählt. Die Auswahlkriterien sollen transparent sein und öffentlich gemacht werden.

Fest steht, dass aserbaidschanisches Gas definitiv nach Europa fließen wird. Alle drei zur Auswahl stehenden Pipelines enden in Ländern der Europäischen Union. Allein diese Tatsache erhöht die Versorgungssicherheit Europas.

Fest steht ferner, dass alle drei Optionen skalierbar sind, also bei Bedarf später erweitert werden können, wenn zusätzliche Gasquellen zur Verfügung stehen und mit eingebunden werden können. Nicht in allen Berichten wird diese Skalierbarkeit korrekt dargestellt.

Großer Druck auf die Betreiber

Und fest steht schließlich, dass eine pragmatische realistische Entscheidung, über welche Route die Pipeline laufen soll, nicht viel länger hinausgezögert werden kann. Weitere Verschiebungen darf es nach Expertenansicht nicht geben, da die aserbaidschanische Förderlizenz für das Projekt Shah Deniz II bereits ab 2017 läuft. Der Druck auf die Planer und Betreiber ist schon jetzt enorm.

Ab 2017 erwartet man aserbaidschanische Gaslieferungen nach Europa von 10 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das klingt zunächst nicht nach viel, bedenkt man den Jahresbedarf Europas in der Höhe von 600 Milliarden Kubikmetern. Die Skalierbarkeit ist daher ein wesentliches Kriterium.

ekö


Im Vorfeld eines BP-Forums zum Thema "Erdgas aus Aserbeidschan – Chancen für die Energieversorgung Euopas", das am 24. Mai in Berlin stattfindet, bringt EURACTIV.de eine Serie von Artikeln und Standpunkten. Die Serie wird morgen fortgesetzt.

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