Aserbaidschan ist von der Erdöl- und Erdgasindustrie abhängig, wichtigster Handelspartner ist die EU. Heute, Donnerstag, stand das Land im Mittelpunkt des BP-Forums in Berlin, bei dem es um die Gasmengen ging, die künftig über den Südlichen Korridor ins europäische Versorgungsnetz gelangen.
Die aserbaidschanische Volkswirtschaft ist von der Erdöl- und Erdgasindustrie abhängig. Die 2005 in großem Umfang angelaufene Förderung reicher Öl- und Gasvorkommen aus dem Kaspischen Meer schlägt sich in einer beeindruckenden Wirtschaftsentwicklung und in positiven Außenwirtschaftsdaten nieder.
2011 stagnierte jedoch das Wachstum mit +0,1 Prozent. Rohöl trug 2011 fast 87 Prozent zu den gesamten Exporten bzw. knapp 52 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 63,8 Milliarden US-Dollar bei. Das ölbezogene BIP sank 2011 um 9,3 Prozent, das des Nichtölsektors wuchs um 9,4%. Der Output der Nichtöl-Industrien ist gering.
Die gesicherten aserbaidschanischen Erdölvorkommen werden mit 14 Milliarden Barrel angegeben (etwa 2 Milliarden Tonnen) und die Erdgasreserven mit 2.550 Mrd. Kubikmeter.
In Aserbaidschan wurden im Jahr 2011 fast 46 Millionen Tonnen Erdöl gefördert, weit weniger als die geplanten 50 Millionen. Für 2012 wird nur eine geringe Steigerung erwartet. Dies wird mit Anlagenerneuerung erklärt.
Neue Gasfunde
Auch nach Regierungsprognosen ist spätestens Ende des Jahrzehnts der Förderungshöhepunkt überschritten. Die Gasproduktion erreichte 25,7 Millarden Kubikmeter. Aufgrund neuer Gasfunde will das Land bis 2025 die Gasproduktion auf 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr hochfahren, von denen die Hälfte exportiert werden soll.
Die Förderung von Erdgas aus dem Feld Shah Deniz hat Ende 2006 begonnen. 2011 wurden 6,7 Milliarden Kubikmeter produziert, bis zum Jahr 2017 soll das Fördervolumen auf mehr als 20 Milliarden pro Jahr ausgebaut werden. Das Erdgas aus Shah Deniz wird zum Teil über die "South Caucasus Pipeline" in die Türkei und von dort aus weiter Richtung Europa geleitet. Aserbaidschan verbraucht selbst größere Mengen an Erdgas unter anderem für die Stromerzeugung, ist aber nicht mehr von Importen abhängig.
Aserbaidschan will sich an einem Südlichen Korridor für Gaslieferungen aus der Kaspischen Region und dem Nahen Osten nach Europa (Transanatolische Pipeline TANAP durch die Türkei; von der türkischen Westgrenze Nabucco bzw. sog. South East Europe Pipeline SEEP der BP oder Trans Adriatic Pipeline TAP) nach Europa als Liefer- und Transitland beteiligen. Nach Vorentscheidung gegen Interconnector Italy-Greece (ITGI) zugunsten TAP im Februar 2012 will das Shah-Deniz-II-Konsortium im Sommer zwischen den zwei nördlicheren Pipelineprojekten entscheiden.
Messe zum Thema Erdöl und Erdgas
Ein Teil der Einnahmen Aserbaidschans aus dem Ölgeschäft wird vom Staatlichen Ölfonds (SOFAZ) verwaltet, dessen Vermögen (Stand: Januar 2012) mit 30 Milliarden Dollar beziffert wird. Die Währungsreserven der Zentralbank sind zum 1. Februar 2012 auf 10,5 Milliarden Dollar gestiegen. Aus dem SOFAZ werden der Staatshaushalt zu über 50 Prozent unterstützt sowie Investitionen für Infrastrukturmaßnahmen und soziale Programme finanziert.
Die wichtigste Messe in Aserbaidschan mit überregionaler Bedeutung ist die "International Caspian Oil and Gas Exhibition", die alljährlich Anfang Juni – diesmal von 5. bis 8. Juni 2012 – in Baku stattfindet (www.caspianoil-gas.com/2012).
EU als wichtigster Handelspartner
Das wirtschaftliche Wachstum Aserbaidschans ist durch die Investitionen ausländischer Ölfirmen, allen voran der British Petroleum (BP), ermöglicht worden.
Wichtigster Handelspartner Aserbaidschans ist die EU. Der gesamte Handelsbilanz-Überschuss Aserbaidschans stieg 2010/11 von 14,7 Milliarden auf 26,6 Milliarden Dollar. Für Deutschland ist Aserbaidschan der wichtigste Wirtschaftspartner im Kaukasus.
(Aus den aktuellen Länderinformationen des Auswärtigen Amts)
Anlässlich des BP-Forums zum Thema "Erdgas aus Aserbeidschan – Chancen für die Energieversorgung Euopas", das heute, am 24. Mai, in Berlin stattfand, brachte EURACTIV.de eine Serie von Artikeln und Standpunkten. Unter der Moderation von Prof. Dr. Friedbert Pflüger, Director European Centre for Energy and Resources Security (EUCERS) diskutierten auf dem Forum der aserbaidschanische Botschafter in Berlin, Parviz Shahbazov; Viktor Elbling vom Auswärtigen Amt, Leiter der Abteilung für Wirtschaft unf nachhaltige Entwicklung; Iain Conn, Chief Executive Refining & Marketing BP; Ulrich Benterbusch, Director Global Energy Dialogue in der International Energy Agency, Paris, sowie Prof. Dr. Michael Köhler, Kabinettschef von EU-Energiekommissar Günther Oettinger.
Links
Bisher auf EURACTIV.de erschienen:
(I) Hochspannung vor dem Finale (15. Mai 2012)
(II) Europas Prestigeobjekt des Südlichen Korridors (16. Mai 2012)
(III) Viktor Orbán und sein ungarischer Paprika für Nabucco (18. Mai 2012)
(IV) Brisanter Statusstreit: Wann ist ein Meer ein Meer? (21. Mai 2012)
(V) Interview mit Al Cook von BP zu Shah Deniz (Aserbaidschan) (22. Mai 2012)
(VI) Turkmenistan – ein verlässlicher Partner für die EU? (23. Mai 2012)

