Die Zahl der Europaschulen in Nordrhein-Westfalen wächst. Zur Zeit sind es 166 schultypübergreifende Europaschulen. Projekte und Sprachenangebote sollen „eine neue Generation von Europäern“ hervorbringen und die Schüler fit fürs Arbeiten in Europa machen. Plädoyer eines Akteurs im Bundesnetzwerk Europaschule.
Symbolträchtiger hätten Ort und Zeit der Zertifizierung weiterer nordrhein-westfälischer Europaschulen nicht gewählt werden können. Ein Tag, der auch nach 62 Jahren tief im kollektiven Gedächtnis der Niederlande verankert ist, wurde im niederländischen Städtchen Venlo zu einem Zeichen der Hoffnung einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Der Zertifizierungsfestakt fand somit zum ersten Mal im europäischen Ausland statt.
Am Gedenktag der Befreiung der Niederlande von deutscher NS-Gewaltherrschaft und Besetzung wurden in Anwesenheit von Angelica Schwall-Düren, der Europaministerin von NRW, und des Leiters der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn, Stefan Koppelberg, in Venlo weitere zwölf Schulen mit dem Zertifikat "Europaschule in Nordrhein-Westfalen" ausgezeichnet. Somit kann das Land NRW mit Stolz auf 166 schultypübergreifende Europaschulen blicken.
Leuchtturmfunktion
Die erfolgreiche Etablierung des Projektes Europaschulen in Nordrhein-Westfalen seit dem Jahr 2007 erweist sich als beispielhaft, denn durch ihre Leuchtturmfunktion mit positiven Impulsen der europaorientierten Bildungspolitik wirken sie über die Landesgrenzen hinaus in die bundesdeutsche und die europäische Bildungslandschaft hinein.
Durch die Zertifizierung sind für Nordrhein-Westfalen Standards entwickelt worden, die die Europaschulen auf eine tragfähige Grundlage stellen. Die Weiterentwicklung dieser zukunftsweisenden Aufgabe der Landesbildungspolitik stärkt den Bildungsstandort NRW und wird von allen beteiligten Akteuren, so der Arbeitsgemeinschaft ARGEUS im Ministerium für Schule und Weiterbildung, mit großem Engagement und Kreativität getragen.
"Die Hoffnungen gründen auf eine neue Generation von Europäern" lautet der Leitgedanke des Bundesnetzwerks Europaschule, das mit seinem ehrenamtlichen Engagement zur Etablierung und Stärkung des Europaschulgedankens mit der Entwicklung länderübergreifender Mindeststandards maßgeblich beiträgt.
Fremdsprachenkompetenz und interkulturelle Fähigkeiten, die in Projektarbeiten und persönlichem Austausch erworben werden, prägen die jungen Menschen ein Leben lang.
Schulpartnerschaften mit Ukraine, Israel und Türkei
Besonders erwähnenswert ist das Berufskolleg Herzogenrath in der Euregio Rhein-Maas. Hier können Schüler als Zusatzqualifikation das Euregiokompetenz-Zertifikat erwerben, das sie auf den euregionalen Arbeitsmarkt neben mehrwöchigen Praktika in den Provinzen Belgisch- und Niederländisch-Limburg durch den Erwerb hervorragender Sprachkenntnisse vorbereitet.
Ein weiteres Beispiel zeigt der Grundschulverbund Franziskus-Schule Erkelenz & Houverath, in der die Angebote der Italienisch- und Chinesisch-AGs mit Begeisterung wahrgenommen werden. Auch der Austausch und Schulpartnerschaften mit der Ukraine, Israel und der Türkei zeigen, dass der Blick von Europa hinaus in die Welt geht.
Rückkehr von NRW in den europäischen Wettbewerb
Diesen Wettbewerb, der der intensiven Förderung der Europakompetenz von Schülern dient, begann 1953 in Nordrhein-Westfalen mit einem Aufsatzwettbewerb und wurde 1954 auf alle Bundesländer ausgedehnt. Somit ist er der älteste Schülerwettbewerb in Deutschland.
Als Konsequenz aus den neuen Herausforderungen der Bildungspolitik wurde eine Neukonzipierung des Europäischen Wettbewerbs beschlossen, deren Implementierung zum ersten Mal im Schuljahr 2009/10 stattfand.
Seit 2004 Nordrhein-Westfalen aus dem Europäischen Wettbewerb ausgeschieden ist, wurde durch intensive Verhandlungen des KMK-Lenkungsausschusses, des EBD-Vorstands und der Europa-Union Nordrhein-Westfalen um seine Rückkehr gerungen.
Nachdem Schulministerin Sylvia Löhrmann in einem Brief an den Generalsekretär des Netzwerkes Europäische Bewegung Deutschland, Bernd Hüttemann, die Rückkehr des Bundeslandes zum Europäischen Wettbewerb angekündigte, ist gewährleistet, dass die nordrhein-westfälischen Europaschulen zum 60. Jubiläum des Europäischen Wettbewerbs im Jahre 2013 wieder teilnehmen.
Seit Bestehen des Europäischen Wettbewerbs hat der Bundespräsident die Schirmherrschaft inne. Der Wettbewerb wird durch das Bundesbildungsministerium, das Auswärtige Amt und die Kultus- und Senatsverwaltungen der Länder gefördert.
Folgende zwölf Schulen wurden ausgezeichnet:
Anne-Frank-Realschule Ahaus ?
Bischöfliche Canisiusschule Ahaus (Gymnasium) ?
Burggymnasium Altena?
Gymnasium Brede Brakel?
Franziskus-Schule Erkelenz (Grundschule)?
Berufskolleg Herzogenrath?
Realschule der Stadt Horn – Bad Meinberg?
Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Lünen?
Otto-Hahn-Gymnasium Monheim a. Rhein?
Städtische Realschule Broich Mülheim an der Ruhr?
Berufskolleg Simmerath/Stolberg der StädteRegion Aachen Stolberg?
Städtische Realschule Waltrop
Der Autor
Gerald-Christian Heintges, Dinslaken, Studium der Volkskunde/Europäischen Ethnologie, Skandinavistik und Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br., der Christian-Albrechts-Universität Kiel, der Freien Universität Berlin/Humboldt-Universität Berlin. Er ist aktives Mitglied im Bundesnetzwerk Europaschule, des Spinelli-Supporternetzwerkes und Mitglied in der European Federalist Party (EFP). Zudem engagiert er sich ehrenamtlich in der überparteilichen Europa-Union Deutschland im Landesverband Nordrhein-Westfalen und im KV Brüssel.
Links:
Weiterführende Informationen:
Grußwort der Europaministerin Angelica Schwall-Düren
Kriterienkatalog für Zertifizierungsmaßnahmen
KMK-Beschluss: Europabildung in der Schule
Länderübergreifende Kriterien des Bundesnetzwerkes Europaschule

