Belgien macht Platz für städtische Unternehmen

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Die Stadt Lüttich im Südosten Belgiens macht für kleine Unternehmen Platz, damit sie als Teil einer langfristigen Strategie zur Wiederbelebung des wirtschaftlichen Lebens in Stadtgebieten ihre Aktivitäten ausdehnen. Diese Strategie wird von EU-Geldern finanziert.

Wie anderen europäischen Städten auch stehen Lüttich große Herausforderungen bevor, was die Anpassung an die industrielle Umstrukturierung und den Ersatz von Arbeitsstellen, die – insbesondere im Sektor der Stahlerzeugung – in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen sind, angeht.

Als Teil einer Strategie, Unternehmen ins Herz der Stadt zurückzubringen und sie zum Wachstum und zur Schaffung dringend notwendiger Jobs zu ermutigen, richten die öffentlichen Behörden Gewerbegebiete in städtischen Vierteln ein.

Pieper ist der Name eines Gewerbegebiets im Viertel St. Leonard, vom Lütticher Stadtzentrum nur 2 km weit entfernt und in der Nähe des Ufers der Maas gelegen. Das Gebiet liegt in einer ehemaligen industriellen Anlage, die saniert und für die Ankunft neuer Firmen – mit allen notwendigen Infrastrukturen, darunter eine neue Straße – vorbereitet wurde.

Die finanziellen Säuberungskosten wurden durch eine Beihilfe von 96.377 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und durch einen ähnlichen Beitrag von der regionalen Regierung Walloniens gedeckt.

Die Pieper-Anlage wurde in zehn Grundstücke gegliedert. Ende 2010 waren bereits fünf von diesen Grundstücken an Kleinunternehmen – darunter eine Heizungs- und Lüftungsfirma, ein Elektriker, ein Möbelhersteller, ein Glaser und Fensterhersteller und eine auf die Installation von Solarmodulen spezialisierte Firma – verkauft worden.

Gewinne für den Ortsbereich

Es handele sich um Aktivitäten, die den lokalen Bewohnern keine Probleme verursachten. Daher seien sie mit dem städtischen Umfeld kompatibel – sie verursachten nicht zu viel Verkehr oder Lärm, erklärt Frédéric Van Vlodorp von der Agentur für wirtschaftliche Entwicklung der Provinz Lüttich (SPI+).

Die Agentur hat über 50 Gewerbegebiete in der Provinz installiert und dabei in Partnerschaft mit Gemeinderäten und der regionalen Regierung Wallonien gearbeitet.

Van Vlodorp zufolge sind städtische Gewerbegebiete besonders geeignet für „fertigkeitsbasierte Aktivitäten in kleinem Umfang“, wie etwa für einen Fensterhersteller, Heizungsinstallateur oder einen Tischler, die im Allgemeinen ihre Kundschaft in städtischen Gebieten hätten.

Das Gewerbegebiet soll der ganzen Gegend Gewinne bringen. Es handele sich um eine Art, wirtschaftliche Aktivität in die Umgebung zurückzubringen, also sei dies auch für die lokalen Einzelhändler vorteilhaft, sagt Van Vlodorp.

Die SPI+-Agentur bietet Geschäften in der Provinz Lüttich eine breite Reihe an Dienstleistungen an und hilft Unternehmern, den besten Ort auszuwählen, um ihre Firma zu etablieren.

Die fünf Geschäfte, die in der Pieper-Anlage errichtet wurden, beschäftigen derzeit insgesamt 30 Menschen. Es wird erhofft, dass 2011 mehr Geschäfte dazukommen. Dies hängt jedoch auch von der wirtschaftlichen Lage ab. Das Interesse sei spürbar, doch habe die Krise Investitionen in allen ihren Gewerbegebieten verlangsamt, sagt Van Vlodorp.

Ehemalige industrielle Anlagen und Industriebrachen werden als die besten Standorte betrachtet, um neue städtische Gewerbegebiete zu errichten. Für die Umgebung habe dies eine doppelte Auswirkung, da man als erstes die Anlage saniere und dann neuen Betrieben – die alle für den lokalen Bereich geeignet seien – helfe, sich niederzulassen, erklärt Van Vlodorp.

Sie verkauften die Grundstücke unter der Bedingung, dass die Firmen direkt nebeneinander bauten, sodass man am Ende eine Firmenstraße habe, sagt Van Vlodorp. Deshalb stimme es mit der Umgebung überein und spare auch sehr viel Platz, damit man viele Firmen in einem relativ begrenzten Bereich unterbringen könne.

Die Regionalentwicklungsagentur benutzt das Einkommen, das sie durch den Verkauf der Grundstücke bekommt, um die Schaffung weiterer Gewerbegebiete zu finanzieren. So können die Gelder wieder genutzt werden – was aus ihnen den maximalen Nutzen zieht.

Große Herausforderungen stehen bevor

Lüttich ist die größte Stadt im Südosten Belgiens und hat während der industriellen Revolution Europas im 19. Jahrhundert eine entscheidende Rolle gespielt, als es ein wichtiges Zentrum für die Metallindustrie wurde.

Später, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, standen Lüttich wie vielen anderen europäischen Städten große Herausforderungen bevor, um sich der industriellen Umstrukturierung, den neuen Technologien und dem Wachstum im Welthandel anzupassen.

Heute bleibt Lüttich eines der wichtigsten städtischen Zentren Belgiens. Die Stadt, die 190.000 Einwohner zählt, ist das wirtschaftliche Zentrum der Lütticher Provinz, in der über eine Million Einwohner leben.

Offiziellen EU-Zahlen zufolge betrug die Arbeitslosenquote in Belgien im Oktober 2010 8,5 Prozent – im Vergleich zu einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent für die gesamte Europäische Union (EU 27).

In der Region Wallonien beträgt die offizielle Arbeitslosenquote – wie sie in Belgien bemessen wird – circa zwölf Prozent. Die Arbeitslosenquote der Stadt Lüttich liegt bei ungefähr 25 Prozent.

Die Lütticher Provinz ist Teil der Maas-Rhein-Euroregion, die benachbarte Teile Belgiens, der Niederlande und Deutschlands mit einer gemeinsamen Bevölkerung von vier Millionen Menschen beinhaltet.

Das Pieper-Gewerbegebiet wurde für eine besondere Erwähnung von der Jury der „RegioStars“-Auszeichnungen 2010 ausgewählt.

Die Regionalpolitik (oder Kohäsionspolitik) der Europäischen Union hat das allgemeine Ziel, den wirtschaftlichen Wohlstand und die soziale Kohäsion in allen 27 Mitgliedsstaaten und ihren 271 Regionen zu fördern.

Innerhalb des derzeitigen finanziellen Rahmenwerks (2007-2013) belaufen sich die Ausgaben für die Regionalpolitik auf eine Gesamtsumme von 347 Milliarden Euro über sieben Jahre, was etwa ein Drittel des allgemeinen EU-Haushalts für diese Periode ausmacht.

Ausgaben für die Regionalpolitik werden durch drei Fonds geleitet, die oftmals auch „Strukturfonds“ genannt werden. Diese sind der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), der Europäische Sozialfonds (ESF) und der Kohäsionsfonds.

Am 10. November hat die Kommission ihre Vorschläge zur Reformierung der Kohäsionspolitik der EU veröffentlicht. Diese verbinden die Finanzierung für die Regionen mit der Erreichung der Ziele, die in der „Europa 2020“-Strategie für Beschäftigung und Wachstum dargelegt sind.

Unterstützer

Measure co-financed by the European Union

Dieses Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung [Mitteilung] trägt allein der Verfasser; die Kommission kann nicht für eine weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben haftbar gemacht warden.

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