Studie: PR-Mitarbeiter „verschwenden die Zeit der Journalisten“ [DE]

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Professionelle „Sprecher“ aller Branchen verschwendeten ihre Zeit, wenn sie versuchten, ihre Artikel in der europäischen Presse unterzubringen. Zu diesem Schluss kamen Berater des Unternehmens APCO in einer Studie, die in Zusammenarbeit mit Journalists at Your Service (J YS), einem Informationszentrum für in Brüssel ansässige Journalisten, durchgeführt wurde.

Die meisten PR-Mitarbeiter verschwendeten oft sowohl ihre eigene Zeit als auch die der Journalisten, schloss APCO bei der Präsentation ihrer Studie am Donnerstag vergangene Woche (8. Mai 2008).

Auf die Frage, ob PR-Mitarbeiter die Bedürfnisse der Journalisten verstünden, antworteten nur 32% der Journalisten mit „Ja“, während eine große Mehrheit (49%) angab, dies sei nicht der Fall (19% gaben sogar an, dies sei überhaupt nicht der Fall). Die Anzahl der für die Studie Befragten war jedoch relativ gering – nur 121 der 1 614 kontaktierten Journalisten, die über EU-Themen berichten, antworteten tatsächlich. 86% davon gaben an, sie seien in Brüssel ansässig.

Brüssel wird als Europas wichtigstes Medienzentrum betrachtet und ist weltweit die Heimat der meisten Journalisten – über 1 000 Journalisten berichten in der belgischen Hauptstadt über EU-Themen.

Einer der Befragten, dessen Name nicht bekannt ist, erklärte seine Wahl „Brüssel“: Er sagte, die Ermöglichung des Kontakts zu Experten oder des Zugangs zu Statistiken, die sonst nur schwer zu erhalten seien, sei der effektivste Weg, Journalisten anzuziehen.

Journalisten seien bereit, gute Artikel und Hintergrundinformationen zu berücksichtigen – vor allem, wenn diese frühzeitig und exklusiv seien, erklärte die APCO und gestand ein, dass die meisten Journalisten unter schwierigen Umständen ihr Bestes gäben.

Brandon Mitchener, ein Leiter des APCO-Büros in Brüssel, bestand darauf, dass der Begriff PR-Mitarbeiter im weiteren Sinne verstanden werden sollten. Der Begriff PR-Leute umfasse sowohl Sprecher von NGOs und Verbänden, als auch Gewerkschaften, Think Tanks, Unternehmen und sogar Europaabgeordnete, die Kommission und politische Fraktionen. Alle lieferten manchmal schlechten, manchmal guten Stoff für Artikel, sagte Mitchener. 

Die wahre Botschaft der Studie sei, so Mitchener, dass professionelle „Sprecher“ von Organisationen unterschiedlicher Branchen bessere Arbeit leisten müssen. Sie könnten damit anfangen, zu versuchen, die Bedürfnisse der Journalisten besser zu verstehen. Dies gelte sowohl für die Kommission als auch für NGOs und Berater, von denen die meisten wahrscheinlich bessere Kommunikationsarbeit leisteten, weil es ihr Job sei.

Nicht alle Journalisten, die an der Studie teilgenommen haben, scheinen diese Ansicht zu teilen. Auf die Anfrage hin, die besten drei Sprecher über europäische Angelegenheiten zu nennen, entstand folgende Rangliste: 

  1. Europäische Kommission
  2. Europäisches Parlament
  3. Ministerrat
  4. Nationale Diplomaten
  5. Europäischer Gerichtshof
  6. Friends of the Earth
  7. (Andere) NGOs

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