Interview: Lobbyisten in Brüssel ‚bezüglich Internetnutzung unsicher’ [DE]

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„Die Kommunikation in Brüssel ist noch immer oft zu einseitig. Brüssel weigert sich stoisch, die Instrumente der Online-Medien zu nutzen, um Pressekonferenzen, -mitteilungen und -veranstaltung zu bereichern“, meint Helen Dunnett, eCommunications-Managerin bei der European Crop Protection Association (ECPA).

„Die in den Bereichen Kommunikation und Public Affairs arbeitenden Personen in Brüssel sind sich der Bedeutung des Internets bewusst, [jedoch] halten die meisten an ihrer traditionellen Arbeitsweise fest“, sagt Dunnett. Dazu gehörten die Aussendung von Pressemitteilungen und die Ausrichtung von Pressekonferenzen.

Die neuen Internet-Anwendungen, die mit der Web 2.0-Technologie funktionieren, darunter Blogs, Wikis und soziale Netzwerke, ermöglichen es Millionen von Internetnutzern, selbst Inhalte zu erstellen (siehe EURACTIV LinksDossier über ‚Web 2.0’). Auf EU-Ebene erweisen sich Blogs als besonders effizient, wenn es darum geht, den Bürgern die Debatten näher zu bringen. Sogar einige europäische Kommissare unterhalten ihre eigenen Blogs (siehe EURACTIV LinksDossier über ‚Blogs’).

Dunnett glaubt, „eine veränderte Denkweise und Kultur“ sei nötig, da sich viele im Bereich Kommunikation arbeitende Personen in Brüssel „nicht sicher sind, wie sie das Internet nutzen können“. „Die Internetnutzung [bedeutet] eine Abwendung von traditionellen Kommunikations- und Marketingpraktiken“, räumt sie ein. Es sei jedoch eine „verpasste Gelegenheit“, das Potenzial des Internets nicht auszuschöpfen. „Es ist so einfach, die traditionellen Kommunikationswege aufzuwerten, indem man die richtigen Internet-Anwendungen nutzt“, erklärt sie. 

Die Spezialistin für eCommunication weist auf die Vorstellung hin, dass „das Internet nicht seriös und angemessen genug ist, um mit einem Zielpublikum zu kommunizieren“. Blogging werde als „zu viel Arbeit für einen zu geringen Output“ angesehen. Außerdem werde befürchtet, dass zu viel „Extraarbeit“ anfalle und man „unangebrachtes Feedback [und] negative Kommentare“ erhalte. Diese Vorstellung gehöre zu den Hauptgründen für die Zurückhaltung gegenüber Blogs in Brüssel. 

Nichtsdestotrotz glaubt Dunnett, dass „sich etwas verändert“, vor allem durch die Art und Weise, wie die US-Präsidentschaftswahlen im November 2008 im Internet ausgetragen worden seien. Insbesondere das Team um Obama nutzte die Möglichkeiten innovativer, neuer Internet-Anwendungen – und richtete Online-Gemeinschaften ein –, um den Wählern während des Wahlkampfs die Botschaft ihres Kandidaten zu übermitteln (EURACTIV vom 4. November 2008).  

„Unternehmen, Organisationen und Politiker in ganz Europa, die in der Öffentlichkeit stehen wollen und ständig versuchen, in der Presse Erwähnung zu finden, sehen immer mehr die Vorteile einer guten Internetpräsenz mittels einer guten Internetseite und Blogs”, erklärt Dunnet und verweist auf den Einfluss von Seiten wie MySpace oder Facebook in dieser Hinsicht. 

Auf die Frage, weshalb ihr eigener Verband, ECPA, entschieden habe, einen eigenen Blog einzurichten, entgegnete Dunnet, diese Idee sei dem Wunsch „den eigenen Kreis einseitiger Kommunikation zu brechen“ entsprungen. „Die Branche für Pflanzenschutzmittel hat schon immer viel mit Kommunikation gemacht und ich hatte das Gefühl, es sei wichtig, offener und gewinnender zu sein“, erklärte sie. ECPA nahm die Dienste der Agentur für Onlinekommunikation ZN in Anspruch, um dieses Ziel zu erreichen.

Dunnet merkte an, dass ihr Verband Sponsor einer Internetplattform namens pesticideinformation.eu sei. Man wolle damit ein „Plattform für unsere Interessenvertreter zur Verfügung stellen, auf der sie ihre Ansichten zum Ausdruck bringen können und wo eine ernsthafte Debatte über die Zukunft von Pestiziden geführt werden kann“.

Auf der Seite sind kurze Video-Interviews mit Interessenvertretern abrufbar, „weil die Macht des gesprochenen Wortes viel größer ist, als die eines einfachen Zitats in einer Pressemitteilung”. „Ich dachte, dass viele Leute sich nicht gerne filmen lassen würden, aber da hatte ich mich geirrt. Kaum einer hat ‚Nein’ gesagt“, so Dunnet.

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.  

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