Die Europäer verlieren zunehmend Vertrauen in die Europäische Union. Zudem steigt die Diskrepanz in der Wahrnehmung zwischen den Deutschen und den Menschen in anderen EU-Ländern. Die Bundesregierung zeigt sich besorgt über die Ergebnisse der aktuellen Pew-Umfrage.
Viele Europäer haben offenbar kein Vertrauen mehr in die Europäische Union. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Washingtoner Pew Research Center Zustimmung zur EU hervor. Bei der Pew-Meinungsumfrage äußerten nur noch 45 Prozent der Befragten in acht EU-Staaten Zustimmung zur EU, voriges Jahr lag der Wert noch bei 60 Prozent.
Befragt wurden insgesamt 7.600 Menschen in Deutschland, Frankreich, Griechenland Großbritannien Italien, Spanien, Tschechien und Polen.
Auffallend ist die steigende Kluft zwischen der Wahrnehmung der Deutschen und den Menschen im restlichen Europa. "Die Deutschen leben auf einem anderen Kontinent" heißt es in der Auswertung der Pew-Studie. Nach Ansicht der Deutschen brummt ihre Wirtschaft, die Kanzlerin macht einen guten Job, die EU-Integration tut dem Land gut, die persönliche wirtschaftliche Situation ist okay und überhaupt ist man eher pro-EU eingestellt. Dieser deutsche Prototyp weicht damit gravierend von der Einstellung der Befragten in den anderen sieben EU-Ländern ab.
Überraschend ist das weiterhin hohe Vertrauen in Deutschland. In sieben EU-Staaten gaben die Befragten an, dass sie der Bundesrepublik am meisten vertrauten. Nur die Griechen gaben an, sie vertrauten am meisten sich selbst.
Allerdings sehen viele Europäer in Deutschland auch das arroganteste und am wenigsten mitfühlende Land.
Bundesregierung besorgt
Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich angesichts dieser jüngsten Umfragen besorgt. "Das Vertrauen vieler europäischen Bürger in das gemeinsame europäische Projekt schwindet. Gerade in den Ländern, in denen die Menschen von den Auswirkungen der Krise hart getroffen sind, verlieren die Menschen das Zutrauen in eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder. Die Wahrnehmung der Lage klafft auseinander wie selten zuvor, auch zwischen Frankreich und Deutschland", so Westerwelle.
Deutschland könne es auf Dauer nicht gut gehen, wenn es den europäischen Nachbarn schlecht gehe. Deshalb müssten sich die Deutschen solidarisch zeigen und sensibel mit der Krise umgehen. "Wir Deutschen tragen eine besondere Verantwortung, auch weil es uns heute besser geht und wir die wirtschaftliche Lage deutlich positiver empfinden. Das ist eine erfreuliche Folge der hohen Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Das ist aber auch Verpflichtung zu Solidarität mit unseren europäischen Partnern und größter Sensibilität im Umgang mit der Krise", sagte Westerwelle.
mka
Links
EURACTIV Brüssel: Survey finds growing disillusionment with EU (14. Mai 2013)
Dokumente
PEW: The New Sick Man of Europe: the European Union (13. Mai 2013)
Zum Thema auf Euractiv.de
Euroskepsis: EU stürzt sich in Vertrauenskrise (25. April 2013)



