Die Europäischen Institutionen hätten in den vergangenen sechs Monaten einen großen Vertrauensverlust seitens der EU-Bürger erfahren. Gleichzeitig habe jedoch die Unterstützung der Bürger für die EU-Mitgliedschaft innerhalb der vergangenen zehn Jahre ihren Höchststand erreicht. Dies hat eine Eurobarometer-Umfrage gezeigt, die am Dienstag (18. Dezember 2007) veröffentlicht wurde.
Das Vertrauen der EU-Bürger in die europäischen Institutionen ist im Vergleich zur letzten Umfrage vom Frühjahr 2007 um neun Prozent gefallen; Deutschland verzeichnet dabei mit Minus 17% den größten Rückgang.
Sebastian Kurpas vom Centre for European Policy Studies nannte die Ergebnisse „bemerkenswert”. Er hatte jedoch keine Erklärung für dieses Resultat, besonders wenn man bedenke, dass die deutsche EU-Ratspräsidentschaft, die im Juni 2007 geendet habe, weithin als ein Erfolg verstanden werde.
Die neuen EU-Mitgliedstaaten, Bulgarien und Rumänien, sowie Griechenland und Irland seien die einzigen Länder gewesen, in denen laut Umfrage das Vertrauen in die EU-Institutionen gestiegen sei. In Frankreich blieben die Zahlen unverändert. Demgegenüber sei neben Deutschland auch in Italien (-15%), im Vereinigten Königreich (-11%), in den Niederlanden (-16%) oder in Spanien (-7%) ein immenser Vertrauensverlust zu verzeichnen gewesen.
Trotz der jüngsten negativen Entwicklungen überwiege die Zahl der Europäer, die Vertrauen in die Europäischen Institutionen setzten (48%), bei weitem die Zahl derer, die der EU gegenüber misstrauisch (36%) eingestellt seien. Die Umfrage hat ergeben, dass – über den Zeitraum eines Jahres betrachtet – die Zahlen noch immer einen positiven Trend zeigten.
Im Vergleich zu ihren europäischen „Kollegen“ hätten die nationalen politischen Institutionen laut Eurobarometer viel schlechtere Ergebnisse erzielt: eine klare Mehrheit der Europäer sei ihrer Regierung gegenüber misstrauisch eingestellt (nur 34% vertrauten ihren Regierungen, ganze 60% misstrauten ihnen).
Trotz dieser Ergebnisse habe die Unterstützung einer EU-Mitgliedschaft seit den letzten zehn Jahren ihren Höhepunkt erreicht (58%, eine Steigerung um ein Prozent im Vergleich zu den Ergebnissen der Eurobarometer-Umfrage vom Frühjahr 2007); die größte Unterstützung zeigten hier die Benelux-Staaten (etwa 78%).
Die für Kommunikation zuständige Kommissarin, Margöt Wallström, äußerte sich folgendermaßen zu den Umfragergebnissen: „Die Ergebnisse sind sehr ermutigend. […] die Zahl der EU-Bürger, die der Meinung sind, dass ihr Land durch die EU-Mitgliedschaft Vorteile hat, ist doppelt so groß wie die Zahl derer, die die gegenteilige Auffassung vertreten.“
Eine EU-Mitgliedschaft erfahre aus den meisten Ländern Unterstützung – Frankreich (+8%) und Griechenland (+7%) zeigten sich als die größten Unterstützer. Demgegenüber ständen Spanien und das Vereinigte Königreich, die nun der Mitgliedschaft weniger Wert zuwiesen (-5%).
Auf die Frage, was derzeit die wichtigsten Problemfelder ihres jeweiligen Landes seien, nannten die EU-Bürger zuerst Arbeitslosigkeit (27%, -7%), eng gefolgt von Inflation (26%, +8%) und Kriminalität (24%).
30 000 Europäer haben zwischen September und November 2007 an der Umfrage teilgenommen.

