Merkel und Barroso laut Umfrage EU-Führungspersönlichkeiten [DE]

Die Unionsbürger wissen, dass die Union eine stärkere politische Führung benötigt und sind dabei der Ansicht, dass Angela Merkel, José Manuel Barroso oder die Eurogruppe am besten dafür geeignet sind. Dies geht aus einer Umfrage hervor, die TNS vor dem Europäischen Gipfel in Brüssel im Juni 2007 durchgeführt hat.

Die Umfrage zeigt, dass 47% der EU-Bürger die Notwendigkeit einer stärkeren politischen Führung in der Europäischen Union durch eine bestimmte Persönlichkeit erkennen; nur 32% der Befragten sind der Meinung, dies sei nicht der Fall. Die Umfrage wurde von TNS Opinion für die Deutsche Bertelsmannstiftung in 14 Mitgliedstaaten durchgeführt.

28% der Befragten würden die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gern in einer solchen politischen Führungsposition sehen. Kommissionspräsident José Manuel Barroso bekommt die Unterstützung von 20% der Umfrageteilnehmer. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der designierte britische Premierminister Gordon Brown folgen mit jeweils 15% bzw. 14%. Die Umfrage hat jedoch nicht nach der Meinung über Tony Blair gefragt, der derzeit als Kandidat für die Position eines permanenten Ratspräsidenten gehandelt wird, wenn der Gipfel diese Woche die geplanten institutionellen Reformen erfolgreich durchsetzt. 

Die guten Zustimmungsquoten für Barroso wiesen darauf hin, dass nicht nur nationale Politiker in Betracht ziehen sollten, die Führungsrolle in Europa zu übernehmen, sagte Armando Garcia der Bertelsmann Stiftung. Außergewöhnliche Persönlichkeiten, die den Willen hätten, etwas zu erreichen, würden in Brüssel benötigt, so Garcia weiter. Natürlich müsse man ihnen die notwendige institutionelle Macht geben.

Gut ein Drittel der Befragten (33%) sprachen sich für die Eurogruppe als eine Gemeinschaft von Ländern aus, die am ehesten durch ihre Führung der europäischen Integration Auftrieb verleihen könnte. Demgegenüber hat der ‚deutsch-französische Motor’ an Kraft verloren; nur 11% der Bürger erwarten, dass Frankreich und Deutschland gemeinsam die EU leiten. 10% der Befragten sind der Meinung, dass keine Gruppe von Ländern die Führungsrolle übernehmen solle. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Bürger im Allgemeinen der Idee eines Europas der verschiedenen Geschwindigkeiten nicht ablehnend gegenüber stehen. Über diese Möglichkeit wird derzeit diskutiert, da die Mitgliedstaaten noch immer abweichende Haltungen hinsichtlich der institutionellen Reformen vertreten.

Die EU-Bürger wüssten, so Dominik Hierlemann, Experte für europäische Angelegenheiten bei Bertelsmann, dass die EU mehr Politiker mit Führungsqualitäten benötige. Sie sähen weiterhin die Notwendigkeit kleinerer Ländergruppen, denen es möglich sei, die Führungsrolle zu übernehmen. Das Ergebnis zeige jedoch ebenfalls, so Hierlemann weiter, dass Polen und das Vereinigte Königreich darauf bestünden, Teil dieser Führungsgruppe zu sein.

Die EU-Bürger glauben, dass das so genannte Weimarer Dreieck, das Frankreich, Deutschland und Polen umfasst, am wenigsten geeignet sei, die europäische Integration zu führen; nur 5% sprechen sich für diese Möglichkeit aus. 23% der Polen sind jedoch der Meinung, dass das Weimarer Dreieck der EU einen entscheidenden Auftrieb verleihen könnte. Derweil reflektiert das polnische Machtspiel diese Haltung jedoch nicht: Die an der Staatsspitze stehenden Kaczynski-Zwillinge drohen mit Veto gegen die institutionellen Reformen, die von Deutschland und Frankreich unterstützt werden.

Eine Eurobarometer-Umfrage, die am 20. Juni 2007 veröffentlicht werden wird, zeigt, dass sieben von zehn Europäern der Zukunft der EU gegenüber optimistisch eingestellt sind. Laut der vorläufigen Ergebnisse erwarten die Bürger weitere Maßnahmen von der EU in den Bereichen Umweltschutz, Energie, Verteidigung und beim Kampf gegen den Terrorismus.

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