Die Europäische Kommission wird heute (25. April 2008) eine umfassende Strategie für audiovisuelle Medien ins Leben rufen, um die Berichterstattung über EU-politische Angelegenheiten zu verbessern und um den Menschen dabei zu helfen, sich an ausgewogenen Debatte über EU-Politik zu beteiligen.
Kommissionsvizepräsidentin Margot Wallström wird heute einen Aktionsplan für audiovisuelle Medien („Europa vermitteln in Ton und Bild“) vorlegen, der die Medien dabei unterstützen soll, den Bürgern mehr Informationen über die EU und darüber hinaus zur Verfügung zu stellen (siehe Bürgerinfo).
Die Verbesserung des Zugangs der Menschen zu derartigen Informationen sowie die Steigerung des Interesses an selbigen ist ein grundlegender Teil von Wallströms „Plan D für Demokratie, Dialog und Diskussion“. Letzterer wurde 2005 ins Leben gerufen, um eine umfassende öffentliche Debatte über die Zukunft der Europäischen Union anzuregen und um das mangelnde Vertrauen der Bürger in das europäische Projekt zu beheben, das infolge der Ablehnung der europäischen Verfassung von Frankreich und den Niederlanden 2005 zu beobachten war (EURACTIV vom 21. September 2005).
Laut des Entwurfs des neuen Plans, in den EURACTIV Einsicht hatte, verfolgt die Kommissionen einen dreistufigen Ansatz, um dieses Ziel zu erreichen. Zunächst soll der Aktionsplan „zu einer umfassenderen und nachhaltigeren Berichterstattung über EU-Themen“ beitragen. Dies soll geschehen, indem Experten aus dem Bereich audiovisuelle Medien die entsprechenden gehaltvollen Informationen und Materialien zur Verfügung gestellt werden. Zu diesem Zweck werde der EU-Informationsdienst „Europe by Satellite“ (EbS, Projekt „Europa per Satellit“) seine Kapazitäten zur Vermittlung von Inhalten „verdoppeln“, so die Kommission.
Ein zweiter entscheidender Ansatz werde es sein, Medienexperten zu ermutigen, mehr Programme der EU-Politik zu widmen. Eine wiederholte Beschwerde von Beobachtern der Brüsseler Szene ist, dass die Nachrichtenlandschaft der EU zu „langweilig“ sei, um weitreichend die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien zu gewinnen. Die Kommission beabsichtigt, dem zu begegnen, indem Rundfunkanstalten dazu ermutigt würden, europäische Netzwerke zu schaffen und an selbigen teilzunehmen. Weiterhin soll ein EU-Veranstaltungskalender ins Leben gerufen werden. Dies sollte besonders 2009 von Bedeutung sein, wenn einen Reihe interessanter Ereignisse mit Nachrichtenwert in der EU stattfinden: das Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon und die Ernennung eines Präsidenten für den EU-Rat, beispielsweise.
Die Kommission wird sich insbesondere auf die Unterstützung des europaweiten Fernsehsenders Euronews konzentrieren; es soll sichergestellt werden, dass der Nachrichtendienst des Senders ab Juli 2008 in arabischer Sprache zur Verfügung steht. Mit dieser Maßnahme soll Euronews weltweit etwa 400 Millionen Haushalte erreichen können.
Der dritte und letzte Schritt wird die Bekanntgabe der Prioritäten im Bereich Kommunikation der Europäischen Kommission sein. Um dies zu erreichen, soll deren Produktion von hochqualitativen audiovisuellen Berichten und Video-Nachrichten erhöht werden. Diese gesteigerte Video-Produktion soll es der Kommission ermöglichen, die politischen Aktivitäten der EU besser zu veranschaulichen und zu erklären.
Die Mitteilung wird vermutlich gemischte Reaktionen der europäischen Medien erhalten. Im Gespräch mit EURACTIV sagte Marc Gruber von der Europäischen Journalistenföderation (EJF): „Es ist kein Problem, Journalisten bessere Informationen zur Verfügung zu stellen. Wir wollen jedoch keine vorgefertigten Programme, die von der Kommission verbreitet werden. Die Entscheidung, was einen Nachrichtenwert hat, ist Aufgabe der Journalisten, nicht die der europäischen Institutionen.“

