Interview: Zypern begrüßt Ende der “Kriegsspielchen“ mit Ankara [DE]

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Der zyprische Präsident Dimitris Christofias sagte EURACTIV, er sei „glücklich“, dass Ankara seinen Vorschlag angenommen habe, die Militärübungen, die jedes Jahr in beiden Teilen des geteilten Landes stattfinden, zu beenden. Diese hatten die Spannungen in der Ägäis erneut entfacht.

Christofias, der gestern (14. Oktober 2008) vor dem Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel ankam, hatte gerade eine fünfte Verhandlungsrunde mit dem türkisch-zyprischen Volksgruppenführer Mehmet Ali Talat abgeschlossen.

In Folge der Gespräche, die in einer von den Vereinten Nationen bewachten Pufferzone stattfanden, kündigte Christofias an, dass die fünftägigen Militärübungen abgesagt würden. Zeitgleich gab ein türkisch-zyprischer Sprecher bekannt, dass auch die türkischen Manöver ausgesetzt würden.

„Es waren meine Initiative und mein Vorschlag, die Militärübungen abzusagen, denn jetzt ist es Zeit für Verhandlungen. Ich möchte, dass die Verhandlungen in einer ruhigen, entspannten und friedlichen Atmosphäre stattfinden – ohne Spannungen. Und ich freue mich natürlich darüber, dass die Türkei meinen Vorschlag angenommen hat und wir beide unsere Militärübungen aussetzen werden“, erzählte Christofias EURACTIV.

Der Präsident fügte hinzu, dass er Ankara meine, wenn er von der Türkei spreche.
„Wir wollen die Dinge nicht unnötig kompliziert machen. Die Truppen dort [im nördlichen Teil Zyperns] werden von Ankara kontrolliert, nicht von türkischstämmigen Zyprern, nicht von Landsmännern. Deshalb hat Ankara eine gute Entscheidung getroffen. Ich sehe sie als positives Zeichen an“, meinte Christofias.

Christofias achtete darauf, kein zu optimistischen Bild vom Fortschritt der Gespräche zu verbreiten, die unter Beobachtung Alexander Downers stattfinden, dem UN-Sondergesandten und ehemaligen australischen Außenminister.

Bei den Gesprächen am Montag erklärte Christofias, beide Seiten hätten über eine Machtverteilung auf der geteilten Insel gesprochen. Zypern werde voraussichtlich ein geeinter Bundesstaat mit einer gemeinsamen Staatsangehörigkeit für alle Zyprer werden, meinte er. Doch die türkisch-zyprische Seite drängt auf einen loseren Staatenbund, um den Status der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern zu verbessern.

Christofias erklärte, er führe eine „besondere Beziehung” mit dem türkisch-zyprischen Volksgruppenführer Mehmet Ali Talat, über den er als „meinen Freund“ spricht. Sowohl Christofias als auch Talat sind politisch links gerichtet und gegen Nationalismus-Bekundungen. Sie wurden beide in Kyrenia geboren, einer historischen Hafenstadt, die im besetzten Norden Zyperns liegt. Keiner der beiden vertritt extreme religiöse Ansichten.

„Ich will ganz offen sein. Es gibt manchmal Schwierigkeiten, Meinungsverschiedenheiten, verschiedene Visionen. Aber das Ziel der Verhandlungen ist es, diese Differenzen zu überwinden. Wir werden es versuchen und ich werde mein Bestes geben eine gemeinsame Sprache mit meinem Freund Mehmed Ali Talat zu finden, um die Differenzen zu überwinden. Wir werden versuchen, gemeinsame Entscheidungen und Abkommen zu treffen, die nur den Zyprern dienen werden – nicht irgendwelchen Ausländern“, erklärte Christofias.

Mit Blick auf die Nachricht, die die EU seiner Meinung nach aussenden soll, sagte er, dass die Meinung seines Landes seit langem sei, dass die internationale Gemeinschaft der Türkei raten solle, sich konstruktiv zu verhalten und sich nicht einzumischen. 
„Das [die Türkei auf konstruktive Zusammenarbeit zu drängen] war stets unsere Position, nicht nur bei der EU, sondern auch bei den fünf ständigen Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrates”, meinte der zyprische Präsident. 

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