Die anhaltenden finanziellen Turbulenzen und Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel würden die Beziehungen zwischen der EU und den USA nach den Präsidentschaftswahlen am 4. November 2008 bestimmen, meint Tom Spencer, Exekutivdirektor des European Centre for Public Affairs, in einem Interview mit EURACTIV.
Im Gegensatz zu früheren Krisen in Lateinamerika und Asien seien die Parallelen zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Finanzsystem das Zentrum der derzeitigen Turbulenzen, erklärt Spencer und meint, dass die „praktische Zusammenarbeit über den Atlantik hinweg bei den ‚Aufräumarbeiten’ fortgeführt werden wird“.
Doch die transatlantischen Beziehungen in ihrer jetzigen Form würden abgewürgt, da man sich zu stark auf die „Wirtschafts- und Bankenbeziehungen“ konzentriere, warnt er. Den Beziehungen fehle die „Intimität“ der Generation des Zweiten Weltkrieges und das „mühelose gegenseitige Verständnis“ der jungen Menschen der 60er- und 70er-Jahre.
Spencer erwartet, dass sich die Beziehungen zwischen der EU und den USA unter dem neuen Präsidenten verbessern werden, ob nun der Republikaner John McCain oder der Demokrat Barack Obama bei den Wahlen am 4. November 2008 das Rennen um den Einzug ins Weiße Haus machen wird. „Es sollte gute Gelegenheiten geben, bei denen man sich sowohl bezüglich des Klimawandels als auch der Energiesicherheit einigen können wird.“
Tatsächlich wollen sich die Staats- und Regierungschefs der zwanzig Großmächte am 15. November 2008 in Washington zu einem G20-Gipfel treffen, um die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zu besprechen. Die USA werden bei den Gesprächen vom scheidenden Präsident George W. Bush vertreten werden. Zu diesem Zeitpunkt wird sein Nachfolger bereits bekannt sein.
Die Staats- und Regierungschefs verschiedener Länder der Welt werden sich unterdessen voraussichtlich im Dezember 2009 bei ihrem Treffen in Kopenhagen auf ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll über den Klimawandel einigen. „In einem ersten Schritt für einen Erfolg in Kopenhagen muss ein gewisses gegenseitiges Vertrauen zwischen Washington und Brüssel geschaffen werden“, glaubt der frühere Europaabgeordnete.
Er forderte die USA auf, “zu verstehen, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel keine innenpolitischen Angelegenheiten sind, auf die man sich einigen kann, ohne vorige Abstimmung mit seinen Partnern”. Spencer nennt die Arktis als ein Gebiet wo eine gemeinsame Absprache mit Europa von „grundlegender“ Bedeutung sei. Doch der Klimawandel und die Energiefrage seien die Schlüsselelemente der Macht im neuen Jahrhundert und so sei es wenig überraschend, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Seiten zum Stillstand gekommen sei, fügt er hinzu.
Spencer warnt, dass die transatlantischen Beziehungen „anfällig für einen gewissen Stillstand“ seien, da eine begrenzte Anzahl von Menschen „ständig zurück auf die gleichen Themen zu sprechen kommen“. Er erklärte, wie das höhere Ziel der europäischen Integration zur Errichtung des EU-Binnenmarktes in den 90er-Jahren geführt habe und merkt an, dass es „solche Errungenschaften“ auf transatlantischer Basis nicht gebe, da „auf beiden Seiten des großen Teichs niemand irgendein Interesse an einer Vereinigung zeigt“.
Spencer widerspricht letztendlich der Behauptung, an der US-amerikanischen Außenpolitik werde sich nach den Wahlen nicht viel ändern. „Die letzten beiden Jahre waren eine öffentliche Demütigung für die US-Amerikaner und ein großer Teil der imperialistisch geprägten Worte Bushs sind zur Peinlichkeit geworden. Ein neuer Präsident wird neue Worte für Amerikas Platz in der Welt finden müssen“.
Über die Zukunft der Beziehungen zwischen der EU und den USA soll bei einer Konferenz gesprochen werden, die am 12. November 2008 im Europäischen Parlament stattfindet. Sie befasst sich mit dem Thema ‘After the Vote: Implications of the US Elections for Foreign Policy, Climate Change and International Security’ (‚Nach der Wahl: Auswirkungen der US-Wahlen auf die Außenpolitik, den Klimawandel und die internationale Sicherheit’).
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