Es sei höchste Zeit die Wahlen zum Europäischen Parlament „von den Zwangsjacken der nationalen Politik zu befreien“, sagte Professor Cees Van der Eijk von der Universität Nottingham, ein Experte für Europawahlen, in einem Interview mit EURACTIV.
Insbesondere als Antwort auf die umfassenden Vorschläge des Europaabgeordneten Andrew Duff, das Wahlsystem für die Europawahlen zu überarbeiten (siehe EURACTIV vom 13. Oktober 2008), lobte Van der Eijk die Kühnheit dieser Idee und sagte, sie könnte „den Wahlen eine neue und frische Dynamik geben“.
Mit Blick auf Duffs Idee, die Wahlen stärker auf die Kandidaten auszurichten, zeigte er sich allerdings weniger enthusiastisch. Solche Wahlsysteme könnten in einen „Schönheitswettbewerb“ ausarten, bei denen die Wähler weniger gut über die wichtigen politischen Themen unterrichtet würden.
Stattdessen befürwortet er ein klassischeres, auf die Parteien ausgerichtetes Wahlsystem: „In Europa haben wir hauptsächlich Systeme, die auf Parteien und so auch viel mehr auf politische Themen ausgerichtet sind und ich denke, es wäre eine Schande, wenn wir uns bei den Europawahlen von diesem System abwenden würden.“
Van der Eijk zeigte sich begeistert über den Vorschlag, die Altersgrenze beim aktiven Wahlrecht auf 16 und beim passiven Wahlrecht auf 18 Jahren festzulegen. „Die Herabsetzung des aktiven Wahlalters von 18 auf 16 Jahre hat sich in der Vergangenheit als wirksamer dabei erwiesen, jungen Menschen Wahlen näher zu bringen“, sagte er und kam zu dem Schluss, dass dies eine „sehr vernünftige Idee“ sei, „die auf Forschungsergebnissen aus dem vergangenen Jahrzehnt beruht“.
Er stimmte außerdem der im Bericht ausgesprochenen Empfehlung zu, dem Parlament mehr Befugnisse bei der Kontrolle der Wählbarkeit von Kandidaten (d.h. wer bei den Europawahlen antreten darf) zuzugestehen. Das „würde der Idee der Europäischen Union als eigenständiges politisches System entsprechen, das seine eigenen Wahlregeln festsetzt“.
Insgesamt hat er das Gefühl, dass der Vorschlag in die richtige Richtung geht. Ein reformiertes System könnte die Position des Parlaments in seinen Beziehungen mit der Europäischen Kommission stärken“ und „würde einen Lernprozess mit unmittelbarem Medieninteresse in Gang setzen“.
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