Interview: Europa braucht Solidarität [DE]

Der Fahrplan für die Bildung der neuen EU-Kommission. [EPA]

Europa solle Russland nicht so fürchten, wie vor dem Fall der Berliner Mauer, auch wenn Moskau versuche, zu seiner früheren Machtposition zurückzukehren, meinte der historische Führer der polnischen anti-kommunistischen Bewegung ‚Solidarno??’ und ehemalige polnische Präsident Lech Wa??sa in einem Interview mit EURACTIV Poland.

Wa??sa fordert eine „kohärente“ und „harmonische“ Europäische Union, die in der Lage sei, entschieden aufzutreten und sich bei Moskau Gehör zu verschaffen. In diesem Sinne brauche man mehr Solidarität in der EU, glaubt er und schlägt sogar vor, die EU solle sich von der ‚Solidarno??’-Bewegung der frühen 80er-Jahre inspirieren lassen, um stärker zu werden und sich so mehr Respekt verschaffen zu können.

„Europa kann ein Partner in der Beziehung mit Russland sein, wenn es zusammenhält. Wenn es dafür zu schwach ist, soll es von der polnischen ‚Solidarität’ lernen und wachsen, sich Unterstützung suchen. Zusammen mit den Amerikanern, können wir mit Russland auf Augenhöhe sprechen“, meinte Wa??sa.

Er erklärt, dass Russland sich seit dem Kalten Krieg geändert habe, insbesondere, weil es nun eine kapitalistische Gesellschaft geworden sei, die in erster Linie daran interessiert sei, seine Ressourcen an den Westen zu verkaufen. Doch der Georgien-Konflikt habe gezeigt, dass Moskau geneigt sei, zu den alten Mustern der Vergangenheit zurückzukehren, erklärt der Politiker.

„Im 21. Jahrhundert leben wir im Zeitalter der IT-Produkte, Computer und Autos. Wir sind zu Konsumenten geworden und niemand will seine Konsumenten loswerden, nicht einmal Russland, weil ihnen sonst niemand mehr ihre Exporte abkauft“, meint der bedeutende frühere Führer der polnischen anti-kommunistischen Bewegung.
Der frühere polnische Präsident meint, dass die „Diplomaten heutzutage in Gesprächen mit Russland nicht mehr die richtigen Worte finden“. Wäre er selbst noch Präsident, würde er zu Wladimir Putin sagen: „Mein lieber Freund, wir werden uns jetzt vor die Kameras der ganzen Welt stellen und sagen, dass du ein Schurke bist, weil du auf Menschen schießen willst.“

Wa??sa steht dem georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili äußerst kritisch gegenüber. Er nannte Saakaschwili einen „unverantwortlichen Politiker“ und kritisierte ihn dafür, den Fehler begangen zu haben, Russland zu provozieren und eine für die ganze Welt schwierige Situation hervorzurufen.

Gleichzeitig meint Wa??sa, dass er den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko “verstehe”, der sich laut Wa??sa der Schwäche des Westens bewusst sei und deshalb versuche, alles aus seinen Beziehungen zu Russland herauszuholen. Wa??sa glaubt, dass sich Lukaschenko letztendlich dem Westen zuwenden würde, wenn die EU ihm etwas zu bieten hätte. 

Um das vollständige Interview in englischer Sprache zu lesen, klicken Sie bitte hier http://www.euractiv.com/de/meinung/waesa-europa-braucht-solidaritat/article-176302

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