Eurogruppen-Chef Juncker zieht sich zurück

Jean-Claude Juncker tritt Anfang 2013 als Chef der Eurogruppe zurück. Foto: Der Rat der Europäischen Union

Jean-Claude Juncker, Chef der Eurogruppe, zieht sich in den kommenden Wochen von seinem Posten an der Spitze des Gremiums zurück. Der Posten soll künftig abwechselnd von einem Franzosen und einem Deutschen besetzt werden.

Er habe seine Kollegen darüber in Kenntnis gesetzt, dass er das Amt Ende des Jahres 2012 oder zu Beginn des kommenden Jahres abgeben wolle, sagte Jean-Claude Juncker nach einem Treffen der Euro-Finanzminister am Montagabend in Brüssel.

"Ich habe sie darum gebeten, alles Mögliche zu tun, einen anderen Minister als Eurogruppen-Chef zu ernennen", ergänzte er. Er bestätigte damit frühere Aussagen, wonach er bald seinen Posten niederlegen wolle.

Der Luxemburger Ministerpräsident wollte eigentlich schon im Juli aufhören, erklärte sich aber dann doch noch zu einer Verlängerung von ein paar Monaten bereit. Die Bundesregierung hatte im Sommer Finanzminister Wolfgang Schäuble informell als Nachfolger für Juncker ins Gespräch gebracht.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland hat nun der französische Finanzminister Pierre Moscovici gute Chancen, Nachfolger Junckers zu werden. Demnach hätten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande bereits im Juli bei einem Treffen in Reims vereinbart, dass der Posten in den nächsten Jahren von Deutschland und Frankreich im Wechsel besetzt werden sollte.

Zunächst sei geplant gewesen, dass Schäuble Nachfolger Junckers werden sollte und Moscovici ihm dann nach einer offiziellen Amtszeit von zweieinhalb Jahren gefolgt wäre. Da Schäuble wegen der anstehenden Bundestagswahl eventuell nur eine Amtszeit von einem halben Jahr gehabt hätte, sei die Abmachung so verändert worden, dass erst Moscovici und dann ein Deutscher den Posten übernehme.

Der 57-jährige Juncker regiert Luxemburg seit 1995 und ist damit der dienstälteste Regierungschef in der Europäischen Union. Er gilt als entschiedener Verfechter der europäischen Integration. Allerdings weiß er die Interessen Luxemburgs als Finanzstandort zu verteidigen. Juncker hat den Schlüsselposten der finanzpolitischen Koordination in der Euro-Zone inne, seit dieser 2005 geschaffen wurde.

EURACTIV/rtr/dto

Links

FTD: Frankreichs Finanzminister soll auf Juncker folgen (4. Dezember 2012)

Eurogruppe: Work programme for the Eurogroup for the first half of 2013 (3. Dezember 2012)

Zum Thema auf EURACTIV.de

"Wenn Schäuble den Posten will, wird er ihn definitiv bekommen" (27. März 2012)

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