„Die Eiserne Lady Europas ist eingeknickt“

Beim EU-Gipfel hätten Italien und Spanien nicht gezögert, sich ein Kräftemessen mit den Partnerstaaten zu liefern, heißt es in der französischen Presse. Foto: Rat

Beim EU-Gipfel konnten Italien und Spanien von Deutschland Zugeständnisse bei der Verwendung der Euro-Rettungsfonds erzwingen. Italiens Premier Mario Monti und Spaniens Mariano Rajoy hätten die Unterstützung von Frankreichs Präsident François Hollande genutzt, um ihren Willen durchzusetzen, meinen internationale Kommentatoren. EURACTIV.de fasst Pressestimmen aus Frankreich, Portugal, Spanien und Großbritannien zusammen..

Frankreich

"Italien und Spanien profitieren vom deutsch-französischen Kräftemessen", schreibt Le Figaro. Italiens Premier Mario Monti und der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hätten die Unterstützung von Frankreichs Präsident Francois Hollande genutzt, um ihren Willen durchzusetzen.

"Die Eiserne Lady Europas ist letzte Nacht schließlich doch eingeknickt", schreibt "Boursier". Monti und Rajoy hätten gemeinsam einen Skandal verursacht, als sie kurz nach Mitternacht drohten, den Wachstumspakt nicht zu unterzeichnen.

Die Libération nannte die Übereinkunft in Brüssel eine "Einigung in letzter Minute". Monti und Rajoy hätten "nicht gezögert, sich ein Kräftemessen mit den Partnerstaaten zu liefern".

Portugal

Laut der portugiesischen "Díario de Notícias" hätten Monti und Rajoy während des Gipfeltreffens eine "unerwartete Änderung in der Tagesordnung" erzwungen, indem sie sich weigerten, den bereits ausgehandelten Wachstumspakt zu unterzeichnen.

Spanien

Die spanische Tageszeitung "El Mundo" titelt: "Die Euro-Zone gibt Spanien und Italien nach und akzeptiert ihre Forderungen, um den Druck auf die Märkte zu reduzieren."

ABC nannte das Gipfeltreffen in Brüssel eine "historische Übereinkunft", bei der Rajoy und Monti es geschafft hätten, dass die Kanzlerin nachgibt und von ihrem üblichen "Nein" ablässt.

Großbritannien

Im Guardian heißt es: "Die hartnäckige Taktik der Italiener hat sich ausgezahlt. Der Wachstumspakt wurde hauptsächlich von Frankreich vorangetrieben und es sind krisengebeutelte Euroländer wie Italien und Spanien, die das größte Interesse daran haben, den Pakt zu fördern, um einen Gegentrend zur deutschen Betonung auf Sparmaßnahmen und finanzielle Disziplin zu schaffen.

Kanzlerin Angela Merkel schien im Fall einer Blockade des Treffens und eines Scheitern des Gipfels wenig zu verlieren zu haben. Präsident Hollande tat sein Bestes, ein tapferes Gesicht bei seinem ersten wichtigen EU-Gipfel auzusetzen. Dieser hätte für ihn zum Debakel werden können, da er unter dem Zwang stand, mit dem Wachstumspakt nach Frankreich zurückzukehren, um so zu beweisen, dass er schon jetzt  die europäische Politik beeinflusst."

Iain Anderson schreibt in einem Beitrag für "The Huffington Post U.K": "Nachdem sich die Gipfelpolitik über zehn Jahre hingezogen hat – und wir alle müde davon sind, dass Rhetorik nicht mit der Realität übereinstimmt … – musste etwas geschehen. Jemand musste blinzeln. Angesichts der Krise, die inzwischen existenzielle Ausmaße annimmt, hat Angela Merkel geblinzelt. Die Wahl Francois Hollandes in Frankreich hat zu einer europaweiten Veränderung der Rhetorik und Politik beigetragen. Die Zeit wird zeigen, ob sein Ansatz richtig ist, jedenfalls hat es die generelle Einstellung in der Politik geändert und Merkel hat dazu genickt."

ayh/fix

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