Auch weiterhin kein privilegierter Status für Deutsch auf Pressekonferenzen der Kommission [DE]

Der Streit um die Hinzufügung von Deutsch als Sprache, in die auf Pressekonferenzen neben Französisch und Englisch automatisch übersetzt wird, ist – zuungunsten der deutschen Sprache – beigelegt worden.

Englisch und Französisch sollen in Bezug auf das Übersetzungsangebot für Journalisten auf Pressekonferenzen der Kommission die beiden einzigen ‚privilegierten’ Sprachen bleiben. Die Kommission hatte Deutsch zwar hinzugefügt, musste dann aber einlenken und die von ihr eingeführte Änderung rückgängig machen.

Ein Brief von Kommissionspräsident Barroso an den italienischen EU-Botschafter Rocco Cangelosi hat den Streit beendet. In seinem Brief bestätigt Barroso hinsichtlich der mittwochs stattfindenden Presseunterrichtungen und Pressekonferenzen, dass Übersetzung auch weiterhin in alle Sprachen verfügbar sein werde. Auch auf Pressekonferenzen der Kommission an anderen Tagen, „an denen die Häufigkeit und Vorab-Benachrichtigungen weniger vorhersehbar sind“, bestehe das Ziel auch weiter darin, den Teilnehmern einen vollen Übersetzungsservice anzubieten.

Der Internationale Presseverband API (‚Association de la Presse Internationale‘) hatte sich vorher verärgert darüber gezeigt, dass die Kommission ihre Sprachenregelung ohne vorherige Konsultation geändert hatte, indem sie Deutsch zu denjenigen Sprachen hinzufügte, in die immer automatisch übersetzt wird. 

Der API reagierte auf einen Vorschlag der Kommissionssprecherin Le Bail, wonach die Zahl der Sprachen auf sieben oder acht reduziert werden sollte (Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Polnisch und möglicherweise eine achte Sprache auf Rotationsbasis), indem er am 8. März einen Brief schickte, in dem er forderte, dass die im Jahr 1995 eingeführte Sprachenregelung, die neun Sprachen vorsieht, beibehalten werden sollte.

API-Präsident Michael Stabenow erläuterte, API verstehe nicht, warum die Kommission überhaupt vorgehabt hatte, eine Änderung einzuführen. Die Sprachenregelegung habe nach Ansicht von API gut funktioniert. „Englisch plus Französisch als ‚Standardsprachen’ sowie sieben weitere Sprachen, die flexibel auf Rotationsbasis verwendet werden“, sei die von ihm befürwortete Formel.

Roger Vancampenhout von ‚Bruxelles-Diversité‘, einer Unterorganisation des Verbands ‚Défence de la Langue Française‘, bezeichnete die geltende Sprachenregelung als ein Beispiel ‚variabler Geometrie‘, die ein Merkmal der Mehrsprachigkeit in der EU sei. Es handele sich um einen praktischen Kompromiss zwischen voller Mehrsprachigkeit und der ausschließlichen Verwendung der englischen und französischen Sprache.

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