FPÖ-Wähler: „Wohlstands-Verlierer“ und „Wohlstands-Chauvinisten“

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV Media network.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei einem Wahlkampfauftakt 2010. [Dieter Zirnig/Flickr]

Die rechtspopulistische FPÖ feierte in den vergangenen Landtagswahlen Österreichs Erdrutschsiege. Was sind das für Wähler, die dieser Partei Zulauf bescheren? Ist die FPÖ ein österreichisches Unikum oder sind nach ihrem Muster auch andere Parteien in Europa gestrickt?

Die erdrutschartigen Wahlbewegungen im Zuge der Landtagswahlen in Österreich stellen die Frage nach dem „Strickmuster“ der rechtspopulistischen Parteien in Europa. Die österreischische FPÖ triumphierte zwar nur bei Landtagswahlen – vor dem Sommer in der Steiermark und am vergangenen Wochenende in Oberösterreich. Diese Wahlen haben aber vieles gemeinsam und sind mehr als nur regionale politische Momentaufnahmen.

Die Meinungsforscher sind sich einig: Die FPÖ ist in ihrer Wählerstruktur mit den meisten rechtspopulistischen Parteien vergleichbar. So insbesondere mit der italienischen Lega Nord. Aber auch mit der französischen Front National, der belgischen Vlaams Belang, der niederländischen PVV. Bloß bei den skandinavischen Parteien findet man noch eine stärkere Mittelschicht vertreten.

Die zentralen Kennzeichen sind folgende:

  • Die Männer sind klar in der Mehrheit, Frauen hingegen in der deutlichen Minderzahl
  • Die Generation der bis zu 25-Jährigen ist besonders stark vertreten
  • Aber auch die Middle Age Generation findet viele Anhänger
  • Die Arbeiter haben der Sozialdemokratie den Rücken gekehrt, sind massenhaft zu rechtspopulistischen Parteien übergelaufen
  • Niedrige Bildungsschichten und geringe Einkommensbezieher haben eine neue, rechte Heimat gefunden
  • Auch Facharbeiter, selbständige Mittelständler und kleine Unternehmer zeigen ein gewisses Faible
  • Je höher der Bildungsgrad (Abitur bzw. Matura, Universitätsabschluss) desto geringer werden die Zuläufe
  • Die ältere Generation über 50 Jahre halten dagegen den so genannten Traditionsparteien noch weitgehend die Stange

Über die Ursachen des Wechsels weiß man recht gut Bescheid, geben doch die Nachwahlbefragungen detailliert Auskunft. Bloß mit den Schlussfolgerungen hapert es noch. Der durchschnittliche Rechts-Wähler hat schlichtweg Zukunftsangst. Nicht nur vor dem Islam auch davor, dass das soziale Netz immer löchriger wird. Er ist in Sorge um die weitere Entwicklung (dazu gehört ganz aktuell der wachsende Zulauf von Flüchtlingen), ist im Grunde ratlos und findet, dass ihn die agierenden Regierungsparteien mit seinen Problemen gewissermaßen im Regen stehen lassen. Hinzu kommt eine Entfremdung von den traditionellen Parteibindungen, eine Entwicklung die sich schon seit den 1980-er Jahren abzuzeichnen beginnt.

Zwischen Parteienverdrossenheit und neuem Informationsverhalten

Die Verdrossenheit mit der Regierung an sich schlägt in die Gegenrichtung aus, man kehrt jenen den Rücken, die bisher die Verantwortung getragen haben und denen man diese daher auch in die sprichwörtlichen Schuhe schieben kann. Und man läuft jenen nach, die wortgewaltig und scheinbar einleuchtend, das Allheilmittel im Abschotten gegenüber allen Einflüssen sehen, die da von außen auf uns kommen. Daher auch das Bild von der „Festung Europa“.

Gerade bei den jüngeren Wählerschichten findet zudem das aktionistische Verhalten (Stichwort: „Machotum“ und „Discofever“) der Spitzenrepräsentanten besonderen Gefallen. Nicht zuletzt aber spielt hier auch ein anderes, neues Informationsverhalten eine Rolle. Internet an sich, Facebook, Twitter und SMS im Besonderen, haben das persönliche Gespräch, den Gedankenaustausch, das Sich-informieren über Medien wie TV und Zeitungen in den Hintergrund gedrängt.

Die alten politischen Parteien und die großen Medienhäuser hinken da in vielen Bereichen noch nach, haben zu spät den Zug der Zeit erkannt, versuchen hier jetzt aufzuspringen, was nicht immer gelingt und von vielen Zaungästen auch nicht so akzeptiert beziehungsweise wahrgenommen wird. 

Der anerkannte Politikwissenschaftler Fritz Plasser spricht in Zusammenhang mit den rechtspopulistischen Parteien und deren Wählerinnen Wähler daher sehr treffend von „Wohlstands-Verlieren“ und „Wohlstands-Chauvinisten“.

Unter „Wohlstands-Verlieren“ bezeichnet man vor allem jene Bürger, die nur über eine bescheidene schulische Ausbildung beziehungsweise mangelnde berufliche Qualifikation verfügen und daher nur schwierig einen Arbeitsplatz finden, sich mit Arbeitslosen-oder Hartz-4-Geld begnügen und durch den Alltag plagen müssen. „Wohlstandschauvinismus“ ist ein jüngerer Begriff aus der sozialwissenschaftlichen Forschung und bezeichnet eine Überidentifikation mit nationalen Wirtschaftsinteressen sowie die argumentative Verteidigung des eigenen oder des nationalen Wohlstandes gegenüber „Fremden“, die aus dieser Sicht unverdient daran teilhaben wollen.

Punktgenau – das trifft auf Parteien wie FPÖ, Lega Nord, Front National etc. und deren WählerInnen zu.

Der Autor

Herbert Vytiska ist Politik- und Medienberater. Er war über 15 Jahre lang Pressesprecher des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers und ÖVP-Politikers Alois Mock.

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