Stronachs Feindbild heißt Merkel

Der austro-kanadische Unternehmer Frank Stronach rüttelt die österreichische Parteienlandschaft durcheinander. Foto: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nicht nur in Südeuropa häufig Zielscheibe emotionaler Kritik. Nun hat sie es sich auch mit dem austro-kanadischen Milliardär Frank Stronach verscherzt.

Bei der öffentlichen Vorstellung seiner Parteikreation "Team Österreich" führte der Neo-Parteichef Frank Stronach einen Rundumschlag gegen das etablierte Politiksystem.

Dabei kam auch die deutsche Kanzlerin nicht ungeschoren davon. Im Zusammenhang mit ihrem Engagement für den Euro-Rettungsschirm erklärte der 80-jährige Selfmademan nachdrücklich: "… entweder sie ist dumm oder sie packelt mit den Banken".

Auch wenn er wörtlich davon sprach, dass der Tag seiner Parteivorstellung "in die Geschichte der Welt eingehen wird", mit einer diplomatischen Note aus Berlin auf diesen verbalen Ausritt ist wohl nicht zu rechnen.

Schlagzeilen als Parteiprogramm

Seit dem Sommer, als Stronach erstmals ankündigte, eine Partei gründen zu wollen, rüttelt der exzentrische Unternehmer kräftig die österreichische Parteienlandschaft durcheinander. Was umso leichter geschehen konnte, als die Parlamentsparteien durch den seit bald einem Jahr laufenden parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu den verschiedensten Korruptionsaffären der vergangenen Jahre in ihrer eigentlichen politischen Arbeit schwer gehemmt sind.

Nach jüngsten Umfragen könnte er bis zu zehn Prozent der Stimmen erreichen. Demnach wünschen sich sogar bis zu vierzig Prozent seine Partei in Parlament und Regierung. Ein Zünglein an der Waage könnte das "Team Österreich" theoretisch werden, sollten nämlich SPÖ und ÖVP nicht einmal mehr auf fünfzig Prozent der Stimmen kämen.

Das wiederum scheint demoskopischen Erhebungen zufolge gar nicht unrealistisch, dann nämlich, wenn die derzeitigen und möglicherweise auch nächsten Regierungsparteien keine rechtzeitige Trendumkehr schaffen sollten.

Betroffen von dieser Entwicklung sind aktuell vor allem die FPÖ, die deutliche Wähler-Abwanderungen zu verzeichnen hat, das in Auflösung befindliche BZÖ, aber auch die SPÖ. Was angesichts der wenigen Schlagzeilen, die vorerst noch Inhalte und Programme ersetzen, nicht verwundert. Heißt es doch da unter anderem: "Schluss mit Steuerprivilegien, Arbeiter am Gewinn beteiligen, Neue Regeln für den Euro."

Trend zu spontanen Wahlgemeinschaften

Die relativ hohe Zustimmung, die derzeit Stronach in der Öffentlichkeit findet, kommt für Politikwissenschaftler nicht unerwartet. So etwa sieht Peter Ulram von Ecoquest generell eine steigende Tendenz zu spontanen Wahlgemeinschaften, die kurzfristig auftreten, mit kräftigen Sprüchen für Aufmerksamkeit sorgen, unzufriedene oder sogar politisch relativ desinteressierte Bürger ansprechen, aber nach einer oder zwei Wahlperioden wieder von der Bühne verschwinden.
Einige Politikexperten sind sich allerdings nicht einmal sicher, ob bei Stronach der Atem bis zur Nationalratswahl im Herbst 2013 reicht.

Herbert Vytiska (Wien)

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