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24/01/2017

Sprachkenntnisse: Schlüssel zur Job-Zufriedenheit für Migranten

Österreich

Sprachkenntnisse: Schlüssel zur Job-Zufriedenheit für Migranten

Sprache ist der Schlüssel auch für einen angemessenen Job, bestätigt eine Studie der Statistik Austria.

[U.S. Army CERDEC/Flickr]

Sprachkenntnisse spielen nicht nur eine wichtige Rolle, um einen Job zu finden – sie entscheiden auch darüber, wie zufrieden Migranten mit ihrer Arbeit sind. Eine österreichische Studie zeigt nun, dass vor allem für Frauen noch mehr Sprachangebote nötig sind.

Jetzt bestätigt eine Studie der Statistik Austria, dass es für Migranten essentiell ist, die deutsche Sprache zu beherrschen. Zum einen lässt sich nur mit soliden Sprachkenntnissen ein Arbeitsplatz finden. Außerdem aber ist das Beherrschen der Sprache essentiell, um mit der Tätigkeit auch zufrieden zu sein. Die Untersuchung zeigt, dass knapp ein Viertel (23,5 Prozent) der im Ausland geborenen Personen mit ihrer Arbeit unzufrieden ist. Sie haben das Gefühl, aufgrund ihrer Ausbildung, die sie aus der Heimat mitgebracht haben, für ihre gegenwärtige berufliche Tätigkeit überqualifiziert zu sein. Der eigentliche Grund ist, dass ihnen für ihre Tätigkeit die notwendigen Deutsch-Kenntnisse fehlen oder sie entsprechende Crash-Kurse nicht absolviert haben.

Deutlich anders ist die Einschätzung bei den in Österreich geborenen Personen. Von ihnen fühlt sich weniger als ein Zehntel, nämlich nur 8,8 Prozent für ihre berufliche Tätigkeit überqualifiziert. Generell zeigt sich laut Statistik Austria aber auch, dass Frauen mit ihrem Job öfter unzufriedener sind als Männer. Hier liegt ein Grund darin, dass etwa beim Familienzuzug, die Männer die ersten sind, die einen Arbeitsplatz finden, während die Frauen auch in Folge der Kinderbetreuung zunächst nur den Haushalt führen und daher nicht in den Arbeitsmarkt eingebunden sind. Sie treten meist später ins Berufsleben ein und versäumen es, rechtzeitig Deutschkurse zu belegen. Daher soll es in Zukunft auch parallel zum Kindergartenjahr eigene Sprachschulungen für Mütter geben.

Mundpropaganda und Social Networks als Arbeitsplatzvermittler

Bemerkenswert ist auch, dass persönliche Netzwerke für im Ausland Geborene eine zentrale Rolle beim Zugang zum Arbeitsmarkt finden. Das heißt, dass die Job-Vermittlung via Mundpropaganda und den Social Medias vor jener durch das Arbeitsamt rangiert. Fast jeder zweite Migrant, nämlich 45,8 Prozent, aber nur 32,7 Prozent der in Österreich geborenen Personen fanden ihre derzeitige Stelle mit Hilfe von Bekannten, Verwandten.

Die Methode der privaten Job-Vermittlung war insbesondere für Personen in niedrigeren beruflichen Positionen maßgeblich. Tatsächlich sprechen sich vor allem preiswerte Hilfskräfte für einfache Arbeiten (das gilt auch für Frauen, die als Putzfrauen gefragt sind) recht schnell herum. Anstatt lange zu suchen, wird das erstbeste Angebot angenommen. Direkt- oder Blindbewerbungen bei einem potenziellen Arbeitgeber werden von im Ausland geborenen Arbeitnehmern sehr wenig genutzt. Nur 13,5 Prozent machen davon Gebrauch.

Ein Problem bei vielen Migranten ist die Anerkennung ihrer bereits absolvierten Schul- und Berufsausbildung durch die entsprechenden Institutionen im Asylland. Das hängt mit fehlenden Dokumenten ebenso wie mit den unterschiedlichen Bildungssystemen und damit dem Bildungsniveau zusammen. 24 Prozent, also ein Viertel der Migranten, stellten einen Antrag auf Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen formalen Qualifikationen. 82,2 Prozent dieser Anträge wurden bestätigt. Bei rund einem Fünftel der Migranten wurde somit ihre mitgebrachte Ausbildung auch nachträglich anerkannt.