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17/01/2017

Österreichs Wirtschaftswachstum zieht wieder an

Österreich

Österreichs Wirtschaftswachstum zieht wieder an

Wegen Ausgaben für Flüchtlinge und das Wirksamwerden der Steuerreform soll Österreichs Wirtschafts wieder stärker wachsen.

[Gregor Kobelkoff/Flickr]

Zuletzt lag das österreichische Wirtschaftswachstum unter dem EU-Niveau. Das soll sich nun im kommenden Jahr ändern – auch dank der Flüchtlingskrise.

Für dieses Jahr rechnet man in Österreich gerade mal mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Das soll sich im kommenden Jahr deutlich ändern. Aufgrund des Wirksamwerdens der Steuerreform zu Jahresbeginn, Ausgaben für Asylwerber und anerkannte Flüchtlinge sowie einer groß angelegten Wohnbauinitiative wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2016 um 1,9 Prozent zunehmen, prognostiziert die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Für das Jahr 2017 wird ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet. „Österreichs Wirtschaft wird in den Jahren 2016 und 2017 so stark wie jene des Euroraumes wachsen“, kommentiert Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny die Prognose am Mittwoch.

Investitionen, Wohnbau und Konsum als Impulsgeber

Das zu Ende gehende Jahr war von einer Reihe Ein- und Umbrüchen in der Weltwirtschaft gekennzeichnet. So befinden sich Brasilien und Russland in einer tiefen Rezession. In China ist nicht nur eine deutliche Wachstumsabschwächung sondern auch ein Strukturwandel hin zu einer Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft zu verzeichnen. Inzwischen ist in den entwickelten Volkswirtschaften wieder ein robuster Aufschwung feststellbar. Den konnte die österreichische Industrie bereits in diesem Jahr durch eine Steigerung der Exporte nutzen. Deren Wachstum wird sich von 2,3 Prozent im Jahr 2015 bis auf 4,5 Prozent im Jahr 2017 zusehends beschleunigen. Die von der Regierung beschlossene Wohnbauinitiative wird weitere wichtige wirtschaftsbelebende Impulse liefern. Hinzu kommt ein steigender Bedarf an Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen.

Arbeitslosenrate bleibt weiter auf zu hohem Niveau

Steigerungsraten erwartet auch der private Konsum. So bringt die am 1. Jänner 2016 in Kraft tretende Steuerreform eine spürbare Entlastung der Nettoeinkommen. Hinzu kommt, dass auch die öffentlichen Aufwendungen für Asylwerber und anerkannte Flüchtlinge in Form von Transferzahlungen zu einem Anstieg der nominellen Haushaltseinkommen führen. Die leicht anziehende Inflation wird zwar die reale Einkommensentwicklung etwas dämpfen, trotzdem wird sich das Wachstum des privaten Konsums wird auf 1,6 Prozent im kommenden Jahr und 1,4 Prozent im Jahr danach beschleunigen. Und auch die in den letzten Jahren gesunkene Sparquote wird um einen Prozentpunkt auf 8,1 Prozent steigen.

Flüchtlinge beleben den Arbeitsmarkt noch kaum

Die guten Aussichten bezüglich des Wirtschaftswachstums führen aber zu keiner Senkung der Arbeitslosenrate. Im Gegenteil. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird über den gesamten Prognosezeitraum durch einen Anstieg des Arbeitskräfteangebots geprägt sein. So wird vor allem die Integration der im Zuge der Flüchtlingsbewegung neu angekommenen Personen in den Arbeitsmarkt noch einige Zeit dauern. Umso mehr als eine hohe Zahl von Minderqualifizierten eher in den so genannten Schwarzmarkt drängt, darüber hinaus aber noch länger von der staatlichen Mindestsicherung abhängig sein wird. Neben der Aufnahme von Asylwerbern und der sonstigen Migration spielt aber auch die steigende Erwerbsbeteiligung älterer Personen und von Frauen eine wichtige Rolle. Die Arbeitslosenquote wird daher von derzeit 5,8 Prozent auf voraussichtlich 6,1 bzw. 6,3 Prozent ansteigen. Um die Zahl der Arbeitssuchenden zu reduzieren würde es eines Wirtschaftswachstums in der Höhe von gut 3 Prozent bedürfen. Bis dahin ist es noch ein beschwerlicher Weg. Und Zeit hat die Politik noch etwas, um sich nachhaltige Initiativen einfallen zu lassen. Die nächsten Nationalratswahlen stehen nämlich erst 2018 an.