Österreichs Exporte: Russland und China werden immer wichtiger

Skifahrer im Tirol. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste hat auch in diesem Jahr zugenommen. © Sven Richter / PIXELIO

Während die USA die Exportüberschüsse einiger EU-Länder kritisieren, zieht die Wirtschaft in Teilen Mitteleuropas wieder an. Eine Analyse der neusten Wirtschaftszahlen der Österreichischen Nationalbank.

Die USA kritisieren im soeben erschienen Währungsbericht die exzessive Exportpolitik Deutschlands. Diese führe, so die Schlussfolgerung, zu einer "deflationären Verzerrung im Euroraum wie auch in der Weltwirtschaft." Die Verfasser dieses Berichts haben dabei aber offenbar übersehen, dass die Länder im Herzen Europas generell zu den treibenden Wirtschaftskräften zählen. Ihnen ist es besser und schneller als anderen gelungen, die globale Wirtschafts- und Finanzkrise zu bewältigen, die von den USA ihren Ausgang genommen hatte. Das beweist ganz aktuell die Alpenrepublik. So stellt die Österreichische Nationalbank in ihrem halbjährigen Wirtschaftsbericht fest: "Nachdem die Entwicklung des österreichischen Außenhandels in den vergangenen Jahren von den negativen Auswirkungen der Finanzkrise sowie steigenden Energiepreisen gedämpft wurde, zeichnete sich im ersten Halbjahr 2013 eine Trendumkehr ab". Bereits zu Jahresbeginn 2013 wurde die Talsohle durchschritten und kam es zum Aufschwung.

Leistungsbilanzüberschuss: Mehr als 100 Prozent Steigerung

Besonders heraussticht, dass der Leistungsbilanzüberschuss in Österreich auf 5,5 Milliarden Euro gegenüber 2,5  Milliarden Euro in der Vorjahresperiode stieg, was auf eine Zuwachsrate von über 100 Prozent hinausläuft. Maßgeblich dafür waren mehrere Faktoren. So sind die Güterexporte im zweiten Quartal 2013 nach einer verhaltenen Entwicklung wieder gewachsen und haben wieder das Niveau von vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht. Vor allem aber setzte sich die positive Entwicklung der Dienstleistungsexporte fort – sowohl im Reiseverkehr als auch bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Der Tourismus ist dabei ein besonders starker wirtschaftlicher Motor. Nachdem es in diesem Jahr eine auch witterungsbedingt besonders gute Sommersaison gab, lassen die Prognosen für den Winter eine weitere Steigerungsrate erwarten.

Nachfrage osteuropäischer Nachbarn steigt

Interessant ist die Aufschlüsselung nach Ländern, zeigt sie doch welche Marktbewegungen im Gange sind. So wurde das Wachstum der Exporte zu gleichen Teilen von den Handelsbeziehungen mit Ländern innerhalb wie außerhalb der EU bestimmt. Auffallend ist dabei unter anderem die Belebung der Nachfrage aus osteuropäischen Nachbarländern (Slowenien +11Prozent, Ungarn +5 Prozent), die in den Jahren vor der Finanzkrise die heimischen Handelserfolge maßgeblich mitbestimmt hatten, dann stark nachließen und nun wieder anziehen.

Die Handelsentwicklung mit den Schwellenländern wurde hauptsächlich von Russland mit einem Plus von 4 Prozent bestimmt. Die regional unterschiedlichen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise führten generell zu Verschiebungen in der Reihung der Haupthandelspartner Österreichs. Drittstaaten gewannen als Exportdestinationen zu Lasten der EU an Bedeutung. Die Russische Föderation stieg in die Reihe der Top-10-Partnerländer auf und auch China wurde als Zielmarkt wichtiger. Unter den Top-3-Handelspartnern – Deutschland, Italien, USA – kam es zwar zu keinen Positionsverschiebungen, der Anteil der Exporte nach Italien hat sich jedoch verringert. Ausdruck der schwierigen Wirtschaftslage am Stiefel Europas.

Tourismus bleibt Wachstumsmotor

Der Nationalbankbericht zeigt einmal mehr die besondere Bedeutung des Reiseverkehrs für Österreich,  bleibt er doch eine verlässliche Quelle für Einnahmeüberschüsse. Im ersten Halbjahr 2013 lagen diese bei 4,9 Milliarden Euro. Wie schon im Vorjahr haben dabei die Nächtigungen ausländischer Gäste aus dem wichtigsten Herkunftsland Deutschland sowie aus der Schweiz zugenommen. Darüber hinaus setzte sich der positive Trend aus den aufstrebenden Volkswirtschaften fort, die weltweit das Wachstum der Reiseverkehrsausgaben anführen. Insbesondere Russland und China wiesen ein höheres Gästewachstum als andere Staaten aus. Ein Trend, dem daher auch eine entsprechende Aufmerksamkeit im Marketing geschenkt wird.

Lob für glaubwürdige und effektive Politik

Was schließlich den grenzüberschreitenden Kapitalverkehr betrifft, so zeichnete sich vor allem innerhalb der Wertpapierveranlagungen eine zunehmende Dynamik ab: Österreichs Nettoveranlagungen im Ausland erreichten im ersten Halbjahr 2013 knapp 4 Milliarden Euro, nachdem im selben Zeitraum 2012 noch fast 8 Milliarden abgezogen worden waren. Neben ausländischen Anteilspapieren wurden erstmals seit fast 3 Jahren mit 1,7 Milliarden Euro wieder ausländische langfristig verzinsliche Wertpapiere in relevantem Ausmaß netto gekauft, unter anderem von Banken. Gleichzeitig stieg das Interesse internationaler Anleger an österreichischen Wertpapieren deutlich: Im ersten Halbjahr 2013 erreichte der Nettozufluss 4,8 Milliarden Euro.

Die US-Ratingagentur Moodys kam daher nicht umhin, Österreich weiterhin ein AAA zuzugestehen. Wenngleich mit der Einschränkung, dass dieses bei einer weiteren staatlichen Bankenhilfe in Frage gestellt sei. Im gleichen Atemzug wird aber besonders lobend die gut und breitaufgestellte Wirtschaft, die hohe Wettbewerbsfähigkeit sowie die "glaubwürdige und effektive" Politik gelobt. Wasser auf die Mühlen jener, die darauf setzen, dass es zu einer neuen von SPÖ und ÖVP getragenen Regierung kommt.

Herbert Vytiska

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