Morgen werden von der EU-Kommission die neuen Fortschrittsberichte für die potenziellen EU-Kandidatenländer präsentiert. Nach Kroatien werden indes weitere Beitritte immer weniger populär. So steigt die Skepsis der Österreicher vor allem gegenüber den Westbalkanländern.
Mit Kroatien, das am 1. Juli 2013? als 28. Mitgliedsland der Europäischen Union beitreten wird, geht die Erweiterung der EU in?eine nächste Runde.
Morgen (10. Oktober) präsentiert die Europäische Kommission die neuen Fortschrittsberichte für jene Länder, die potenzielle Kandidaten für einen EU-Beitritt sind. Die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) hat in einer aktuellen Umfrage untersucht, wie die Österreicher nach dem Kroatien-Beitritt einer neuen Erweiterungsrunde gegenüberstehen.
Die Österreicher betrachten demnach die Aufnahme weiterer Länder in die EU derzeit skeptisch. Ein Vergleich mit früheren Umfragen der ÖGfE macht deutlich, dass die Zustimmung zu künftigen Erweiterungsschritten rückläufig ist.
Konstant kritisch gegenüber der Türkei
Während die EU-Mitgliedschaft der Türkei bereits in den letzten Jahren konstant kritisch gesehen wurde, hat sich auch das Stimmungsbild gegenüber den anderen potenziellen Neu-Mitgliedern verschlechtert.
"Die Zeichen stehen auf Konsolidierung, nicht auf Erweiterung der?EU. Die Österreicher sehen künftige Erweiterungen derzeit sehr?skeptisch", analysiert Paul Schmidt, Leiter der ÖGfE. "Kein Land, das?sich zurzeit um einen Beitritt zur EU bemüht, würde von einer?Mehrheit der Österreicher aktuell in der Union willkommen geheißen.?Ein Vergleich mit unseren früheren Umfragen macht deutlich, dass die?Zustimmung zu weiteren Erweiterungsschritten rückläufig ist."
Stärkste Ablehnung betrifft Albanien
Die aktuelle ÖGfE-Umfrage zeigt, dass ein EU-Beitritt Islands von?33 Prozent der Befragten begrüßt wird – 37 Prozent lehnen einen?solchen ab (Rest auf 100 Prozent: "egal" oder "weiß nicht"/Keine?Angabe).
Auf die stärkste Ablehnung trifft zurzeit ein EU-Beitritt?Albaniens (15 Prozent pro bzw. 68 Prozent contra), des Kosovo (16 Prozent?pro bzw. 66 Prozent contra) und der Türkei (17 Prozent pro bzw. 65 Prozent?contra).
Ebenfalls mehrheitlich negativ sehen die Befragten einen?EU-Beitritt von Bosnien-Herzegowina (22 Prozent pro bzw. 58 Prozent?contra), Mazedonien/FYROM (20 Prozent pro bzw. 55 Prozent contra),?Montenegro (21 Prozent pro bzw. 55 Prozent contra) und Serbien (19 Prozent?pro bzw. 61 Prozent contra).
"Eine Erweiterung der EU steht zurzeit nicht auf der?Prioritätenliste der Österreicher. Vorrang hat eindeutig die?Bewältigung der gegenwärtigen Krise", interpretiert Schmidt die?Ergebnisse.
"Aber es sollte trotzdem nicht vergessen werden, wie?wichtig – für Österreich wie für Europa – die weitere Integration der?Länder Südosteuropas ist. Diese Region ist schließlich auch für?Österreichs Außenpolitik Schwerpunktbereich und für die heimische?Wirtschaft von zentraler Bedeutung." Dies sollte stärker betont?werden und die Folgen einer künftigen Erweiterung stärker ins?Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht werden.
Hintergrund
Die aktuelle Umfrage wurde im Auftrag der Österreichischen?Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) von der?Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft durchgeführt. Befragt?wurden insgesamt 501 ÖsterreicherInnen per Telefon (repräsentativ für?die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahre/Gewichtung nach?Geschlecht, Alter und Bildung) im September/Oktober 2012.
Links
Homepage der Österreichischen?Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE)
Grafiken zum Stimmungsbild über Island,, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Kosovo, Türkei und Albanien

