Österreichs Wirtschaftsmotor kommt langsam wieder in Schwung. Das geht aus dem Bericht des Wirtschaftsforschungs-Institutes WIFO hervor. Konkret spricht man von einer „sehr fragilen Erholung“.
Noch im letzten Quartal des vergangenen Jahres war die Wirtschaftsleistung leicht zurück gegangen, das Bruttoinlandsprodukt real um 0,1 Prozent gesunken. Das gesamte Jahr 2012 wies damit für Österreich ein Wirtschaftswachstum von gerade 0,8 Prozent auf. Eine Folge der allgemeinen Schwäche der Weltwirtschaft und der damit verbundenen Verringerung der internationalen Kapital- und Handelsströme.
In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres zeigt sich nun eine leichte Aufwärtsentwicklung. Die Konjunktur dürfte die Talsohle zu Jahresbeginn durchschritten haben. Gemäß dem WIFO-Konjunkturtest vom Februar 2013 erwarten die heimischen Industrieunternehmen einen Aufwärtstrend. Die Vorlaufindikatoren zeigen auch für wichtige Exportmärkte, insbesondere Deutschland, eine Besserungstendenz.
Hohe Arbeitslosigkeit – niedrig im EU-Vergleich
Zu Besserung der Wirtschaftsaussichten trägt auch die Inflationsrate bei, die im Januar bei 2,6 Prozent lag und damit etwas niedriger als in den Vormonaten war. Der österreichische Arbeitsmarkt wiederum ist von zwei unterschiedlichen Entwicklungen geprägt. Auf der einen Seite überstieg die Zahl der unselbständig aktiv Beschäftigten das Vorjahresniveau im Februar um 27.000, was einen Zuwachs von 0,8 Prozent bedeutet. Gleichzeitig nahm allerdings die Zahl der Arbeitslosen weiter zu: Im Februar waren rund 326.000 Personen arbeitslos gemeldet, was auf eine saisonbereinigte Arbeitslosenquote nach der österreichischen Berechnungsmethode von 7,2 Prozent hinausläuft. Eine für die Alpenrepublik sehr hohe Zahl, im EU-Vergleich allerdings eine äußerst niedrige Rate.
Die Stabilisierung der Wirtschaftsentwicklung zu Jahresbeginn wird übrigens in erster Linie von den Schwellenländern getragen. Die weltweiten Wachstumsaussichten sind jedoch weiterhin von Abwärtsrisiken aufgrund der europäischen Staatsschuldenkrise und der Unsicherheiten über die Entwicklung der Staatsfinanzen in den USA geprägt, heißt es im Bericht der österr. Wirtschaftsforscher.
Mittel und Nord-Osteuropa als Hoffnungsträger
Neue Hoffnungen liegen weiterhin in Osteuropa, für das gerade Österreich unverändert eine Sprungbrett-Funktion erfüllt. Die Euro-Schuldenkrise hat zwar zunächst zu massiven Schwierigkeiten auf den osteuropäischen Märkten geführt, verliert aber nach Ansicht vieler Experten an Schrecken. Viele Länder haben nämlich in der Zwischenzeit ihre Hausaufgaben gemacht: Strukturreformen wurden eingeleitet, der Staatshaushalt saniert, Staatsbetriebe privatisiert, die Produktivität gesteigert. So ist die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) davon überzeugt, dass "für 2013 eine leichte Beschleunigung des Wachstums in Osteuropa erwartet werden kann".
Doch Osteuropa ist nicht gleich Osteuropa. Das zeigen die recht unterschiedlichen Wachstumsaussichten. So wurden etwa für das Baltikum die Wachstumsraten sogar nach oben korrigiert. Gute Perspektiven bietet auch Polen, das unter Investoren als "must-have" gilt. Nach der für die Slowakei besonders schmerzlichen Flaute in der europäischen Autoindustrie scheint aber in diesem Land die Talsohle erreicht. Auch von Tschechien, das lange Zeit als Langweiler Osteuropas galt, erwartet man nun wieder neue Impulse, vor allem eine Lockerung des Sparkurses und damit ein wieder freundlicheres Investitionsklima. Nur für Ungarn, Slowenien sowie den Rest von Südosteuropa sind die Wachstumsaussichten eher gedämpft. Politische Querelen, geringe Produktivität, massive Sparmaßnahmen der Regierungen und die sehr starke Abhängigkeit von den Märkten im Süden Europas dürften den Volkswirtschaften weiter zusetzen. Positiv überraschen könnte nach Ansicht von Wirtschaftsexperten in dieser Region unter Umständen Rumänien.
Die Ratingagentur Moody’s gibt sich freilich noch sehr skeptisch und für Österreichs Banken keine Entwarnung. Der Ausblick für das österreichische Bankensystem bleibe weiter negativ, erklärten die Analysten heute. Gründe seien die schwache Wirtschaftsentwicklung in Zentral- und Osteuropa, die steigende Zahl fauler Kredite und die geringe Widerstandskraft gegen neuerliche Krisen.
Herbert Vytiska (Wien)

